Tendler, Mat(t)hias (1753–1825), Kunsthandwerker und Schausteller

Tendler Mat(t)hias, Kunsthandwerker und Schausteller. Geb. Krieglach (Stmk.), 15. 2. 1753; gest. Linz (OÖ), 28. 6. 1825. Entstammte einer kunstsinnigen Familie; Sohn des Tischlers Michael T. (geb. 28. 9. 1723), der mit einem komplizierten Federwerk betriebene Figuren herstellte, Vater von →Johann Patriz T., Großvater von →Johann Max T. (s. u. Johann Patriz T.); verheiratet mit Theresia T., geb. Threyer. – T. erlernte das Handwerk des Holzschnitzers und Mechanikers, übersiedelte 1777 nach Vorau, wo er für das Augustiner-Chorherrenstift (dessen Bibl. er für das Selbststud. nutzte) arbeitete, und 1789 nach Eisenerz. Bereits in Vorau hatte er sich mit der Herstellung bewegl. Puppen beschäftigt: So schnitzte er etwa Figuren für Krippendarstellungen und Gauklervorführungen. In Eisenerz übte er sich weiter in der techn.-mechan. Puppenherstellung. Zunächst schuf er bewegl. Figuren aus Pappe, danach solche aus Holz, die die natürl. Bewegungen menschl. und tier. Körper nachahmen konnten. Diese hohlen Holzkonstruktionen (mit Gelenken an sämtl. Gliedmaßen) wurden im Figureninnenraum mittels Seilzug gesteuert, der in den Bühnenboden abgeleitet und dort von den Schaustellern, für das Publikum unsichtbar, bedient wurde. Im September 1810 führte er K. →Franz II. (I.) bei dessen Besuch in Eisenerz seine Kunstreiterges. vor, wovon der Monarch so beeindruckt war, dass er ihn zur Darbietung seines „Automatentheaters“ 1811 an die Wr. Hofburg und 1815 zum Wr. Kongress einlud. Ab 1816 unternahmen T. und seine Söhne mit dem „Automatentheater“, bestehend aus einer Kunstreiterges., einer Seiltänzer- und einer Bajazzofigur, ausgedehnte Reisen nach Dtld. und in die Schweiz. Reste des „Automatentheaters“, Handzettel und Photographien befinden sich im Besitz des Stadtmus. Eisenerz.

L.: Thieme–Becker; St. Poser, Die Automatenfiguren von M. T. und Ch. Tschuggmall, phil. DA Wien, 1991; K. Talaber, Das Wirken der obersteir. Künstlerfamilie T. in der Region Eisenerz …, phil. DA Graz, 2009 (m. L.); dies., in: Der Schiedlberger 2, 2012, S. 16ff.
(K. Talaber)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 65, 2014), S. 248f.
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