Térey, Gábor von (1864–1927), Kunsthistoriker und Beamter

Térey Gábor von, Kunsthistoriker und Beamter. Geb. Dárda, Ungarn (Darda, HR), 9. 2. 1864; gest. Baden (NÖ), 23. 4. 1927; evang. Der Großvater väterlicherseits stammte aus Süddtld.; Sohn des RT-Abg. und Landwirtschaftsfachmanns Pál T. und von Mary T., geb. Norton, die dieser auf einer Stud.reise in England kennengelernt hatte; 1888–96 in 1. Ehe mit Mabel Gattley, ab 1896 in 2. Ehe mit Edith Müller (1877–1929) verheiratet. – T., der als einziges von sechs Geschwistern die Kindheit überlebte, erhielt seine Ausbildung im Ausland: 1888–89 stud. er in Basel Kunstgeschichte bei Jacob Burckhardt (mit dem er auch in regem Briefwechsel stand), ab 1889 an der Univ. in Straßburg (1891 Dr. phil.); 1894 Habil. an der Univ. Freiburg für mittelalterl. und neuere Kunstgeschichte mit seiner Arbeit „Handzeichnungen des Hans Baldung gen. Grien“, ab 1895 dort Priv.Doz. 1896 kehrte er nach Budapest zurück und wurde aufgrund seiner wiss. Reputation im Herbst dieses Jahres Kustos, 1901 leitender Kustos, 1904 Abt.dir. an der ung. Landes-Bilder-Galerie in Budapest (ab 1906 Mus. der bildenden Künste, Szépművészeti Múz.), 1908 HR. Zusätzl. betreute er bis 1910 auch die Graphik- und bis 1914 die Skulpturensmlg.; 1926 i. R. Gem. mit dem Architekten Lajos Rauscher besuchte T. namhafte europ. Mus., um deren Aufbau (z. B. Anordnung in Sälen und Kabinetten) und Organisation kennenzulernen und die dabei gewonnenen Erkenntnisse in Budapest umzusetzen. T. unterhielt sehr gute Kontakte zu dt., französ., niederländ. und engl. Mus. sowie Kunstsammlern (→Marcell Nemes v. Jánoshalma) und Kollegen aus Dtld., Österr. (→Theodor v. Frimmel-Traisenau), Italien und England, wodurch es ihm gelang, die Smlgg. durch den Ankauf zahlreicher Kunstwerke zu vergrößern (allein 270 Stück zwischen 1904 und 1914). Trotz seiner Verdienste um die Strukturierung des Mus. nach modernsten Standards, der Neuordnung der Smlgg. bzw. der zahlreichen Neuerwerbungen wurde T. bei der Nachbesetzung des Dir. des Mus. sowohl 1901 als auch 1914 übergangen. 1918 Kunstberater des Ernst Múz., beauftragte ihn 1919 das Direktorium für Kunst und Mus. mit der Planung zur Zusammenführung der graph. Smlgg. des Mus. der bildenden Künste sowie des Ung. Nationalmus., die aber nicht realisiert wurde. Weiters ordnete T. die Kupferstichsmlg. der Esterházy-Smlg. und reorganisierte 1925–26 die Galerie Strossmayer in Zagreb (der von ihm gestaltete Kat. erschien posthum). 1923 lernte T. den Kunstsammler Joseph Duveen kennen und hielt auf dessen Einladung hin mehrere Vorlesungen in New York. Auch zu dem Kunsthistoriker Bernard Berenson, Duveens Fachmann in den USA, pflegte er engen Kontakt. T. war Mitgl. mehrerer Fachgremien und Ver., u. a. ab 1901 Mitgl. und ab 1903 Fachreferent im Landes-Kunst-Rat, ab 1905 o. Mitgl. der Landes-Komm. für Konservierung der Baudenkmale. In seinen zahlreichen (Bestands-)Kat. orientierte er sich an modernen Maßstäben, so wurden z. B. kurze Künstlerbiographien sowie Künstlersignaturen aufgenommen, die Provenienz der Bilder überprüft und einschlägige Literatur angeführt. Weiters publ. er regelmäßig in Fachz. wie „Der Cicerone“, „Zeitschrift für bildende Kunst“, „Kunstchronik und Kunstmarkt“, „Repertorium für Kunstwissenschaft“ sowie „The Burlington Magazine“ und „The Studio“. Zu seinen wichtigsten Arbeiten zählen „Die Handzeichnungen des Hans Baldung gen. Grien“, 3 Bde. (1894–96) sowie „Die Gemälde des Hans Baldung …“, 2 Bde. (1896–97). Für seine Leistungen erhielt er zahlreiche in- und ausländ. Ausz., u. a. den St. Sava-Orden; Kommandeur des kgl. preuß. Kronen-Ordens und Ritter des kgl. preuß. Roten Adler-Ordens.

Weitere W.: s. Radványi, Diss. 2008.
L.: Das geistige Ungarn; Művészeti Lex. I, II; Szinnyei; O. Radványi, T. G. (1864–1927), Budapest 2006 (Kat., m. L.); Új magyar életrajzi lex. 6, 2007; O. Radványi, in: Bulletin du Mus. Hongrois des Beaux-Arts – A Szépművészeti Múz. Közleményei 105 (2006), 2008, S. 151ff., 300ff.; dies., T. G. múzeumszervező és tudományos tevékenysége a Régi Képtár élén (1895–1926), Diss. Budapest, 2008 (m. W., auch online); Pfarre St. Stephan, Baden bei Wien, NÖ.
(G. Gy. Papp)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 65, 2014), S. 253
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