Teschenberg, Ernst Maximilian Frh. von; eigentl. Kluger Frh. von Teschenberg Ernst (1836–1886), Journalist und Politiker

Teschenberg Ernst Maximilian Frh. von, eigentl. Kluger Frh. von T. Ernst, Journalist und Politiker. Geb. Ödenburg (Sopron, H), 21. 5. 1836; gest. Wien, 25. 2. 1886. Entstammte einer 1779 in den Adelsstand erhobenen Familie. Sohn des Rtm. Wilhelm Kluger Edler v. T. und von Johanna Kluger Edler v. T., geb. Toth, Vater von vier Kindern, u. a. des Juristen und Übers. Hermann Frh. v. T. (geb. 6. 7. 1866; gest. Neapel/Napoli, I, 6. 11. 1911); in 1. Ehe mit Rosa Petz (geb. 1843; gest. Wien, 16. 12. 1866), in 2. Ehe ab 1870 mit Bibiana Anna Bianca (Blanche) Lucas verheiratet. – T. besuchte ab 1847 die Theresian. Akad. in Wien, wo er bis zum Abschluss seiner jurid. Stud. 1859 blieb. Danach hielt er sich zu rechtshist. Stud. ein Jahr lang in Berlin auf und trat im April 1861 als Min.-Konzepts-Adjunkt im Min. für Handel und Volkswirtschaft in den österr. Staatsdienst. Hier gelangte er sehr bald in einflussreiche Positionen: Schon Anfang der 1860er-Jahre wurde er unter →Anton v. Schmerling in das Staatsmin. berufen und der Presseleitung zugeteilt. T., leitender Mitarb. der „Österreichischen Wochenschrift“ (1865 eingestellt), fungierte ab 1864 als Leiter des Abendbl., ab 1865 als Chefred. der „Wiener Zeitung“, die er bis Mitte Jänner 1871 gem. mit Georg Seuffert führte, und setzte in dieser Position die von →Leopold Schweitzer begonnenen Reformen fort. Ab 1867 unterstand die Ztg. infolge der Reorganisation des Presseapparats der Leitung von →Friedrich Ferdinand Gf. Beust, der der Presse weit größere Aufmerksamkeit schenkte als seine Vorgänger: Er schätzte sowohl T.s außerordentl. publizist. Begabung wie auch seine umfassende Bildung und v. a. sein polit. Verständnis, wodurch T. noch im selben Jahr zum Min.sekr. avancierte. Er wechselte in die Präsidialsektion des Gem. Min. des Äußern und des k. Hauses und übernahm in seiner neuen Funktion, neben seiner eigentl. Tätigkeit als Chefred., auch wichtige polit. Aufträge. Im April 1869 erfolgte seine Ernennung zum Sektionsrat und im Februar 1871 die zum HR bzw. Min.rat. Während seiner Tätigkeit im Pressdep. (Literar. Büro) war er u. a. Verbindungsmann zum „Pester Lloyd“ und mit der Einflussnahme auf maßgebl. dt. Bll. beauftragt. I. d. F. wurde T. def. in den Dienst des Gem. Min. des Äußern und des k. Hauses aufgenommen und übernahm im März 1872 auf Wunsch von →Julius Gf. Andrássy d. Ä. das Referat für dt. Angelegenheiten. Daneben stand er dem Min. auch für andere publizist. Aufgaben zur Verfügung. Im November 1876 erfolgte seine Ernennung zum ao. Gesandten und bevollmächtigten Minister. Nach dem Rücktritt Andrássys (1879) rückte T. zwar in den Hintergrund, nahm aber weiterhin regelmäßig an den (schriftl.) Delegationsverhh. zwischen beiden Reichshälften teil. Im Juni 1880 übernahm er für kurze Zeit sowohl die Leitung des Literar. Büros als auch jene des Informationsbüros, das mit staatspolizeil. Agenden betraut war. Außerdem wurde er mit verschiedenen Inspektionsmissionen beauftragt, die ihn u. a. nach Rom und Konstantinopel (İstanbul) führten. Im September 1883 wurde er zum Verbindungsmann zwischen Außenmin. und Konsular-Akad. ernannt, die mit der Heranbildung des diplomat. Nachwuchses befasst war. T. war ab 1862 Mitgl. des Journalisten- und Schriftstellerver. „Concordia“ (1865–66 Vorstandsmitgl.). 1868 Orden der Eisernen Krone III. Kl., 1878 Kommandeur des Leopold-Ordens, 1883 Großkreuz des Franz Joseph-Ordens, 1879 Erhebung in den Frh.stand.

L.: Die Presse, NFP, WZ, 25. 2. 1886 (alle A.); Nagl–Zeidler–Castle; Stern–Ehrlich, S. 182, 230, 243; Wurzbach; Zur Geschichte der k. Wr. Ztg. … 1703–1903, 1903, s. Reg.; Die k. u. k. Konsular-Akad. von 1754 bis 1904, FS …, ed. A. Gf. Gołuchowski v. Gołuchowo, 1904, S. 32f.; L. v. Przibram, Erinnerungen eines alten Oesterr. 1–2, 1910–12, s. Reg.; W. Böhm, in: 250 Jahre WZ, 1953, S. 27 (B.), 30; K. Paupié, Hdb. der österr. Pressegeschichte 2, 1966, s. Reg.; F. Stamprech, Die älteste Tagesztg. der Welt, 2. Aufl. (1977), s. Reg.; H. Friedjung, Geschichte in Gesprächen …, ed. F. Adlgasser – M. Friedrich, 1, 1997, S. 165, 173, 293, 330; HHStA, Wien.
(Th. Venus)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 65, 2014), S. 257
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