Tesla, Nikola (1856–1943), Elektrotechniker und Erfinder

Tesla Nikola, Elektrotechniker und Erfinder. Geb. Smiljan, Militärgrenze (HR), 10. 7. 1856; gest. New York, NY (USA), 7. 1. 1943 (Urne: Muz. Nikole Tesle, Beograd, SRB). Sohn des serb.-orthodoxen Priesters Milutin T. (1819–1879) und der Weberin Djuka T., geb. Mandić (1822–1892), der Tochter eines Geistlichen. – T. besuchte 1862–66 die Volksschule in Smiljan und Gospić, danach bis 1874 die Realschule in Karlstadt (Karlovac). 1875–79 stud. er an der TH in Graz und ging anschließend nach Prag, wo er weitere Vorlesungen hörte. 1881 nahm er eine Arbeit im Zentralen Telegrafenamt in Budapest an. Im Jahr darauf entwickelte er das Konzept des magnet. Drehfelds, das die Voraussetzung für die Anwendung von Wechselstrom darstellte. 1882 in Paris für die europ. Zentrale der Fa. Thomas Alva Edisons tätig, übersiedelte T. 1884 nach New York, wo er bei Edisons Fa. eine Anstellung fand. 1885 gründete er dort ein eigenes Unternehmen, die kurzlebige Tesla Electric Light Company, 1887 die Fa. Tesla Electric Company. Während Edison am Gleichstrom festhielt, verfolgte T. das Prinzip des Wechselstroms und erzeugte entsprechende Motoren. 1887–90 meldete T. eine Reihe von Patenten an, um seine Erfindungen abzusichern, und verkaufte 40 Patente an den Pittsburgher Industriellen George Westinghouse, der ihnen mit erhebl. Investitionen zum Durchbruch verhalf. So ließ Westinghouse an den Niagarafällen ein riesiges Kraftwerk mit Wechselstrom-Generatoren errichten, das 1893 die Energie zur Beleuchtung der Weltausst. in Chicago lieferte. 1891 nahm T. die US-Staatsbürgerschaft an. In den folgenden Jahren befasste er sich mit Hochfrequenzströmen; zur Durchsetzung seiner Ideen hielt er vielbeachtete Vorträge vor renommierten Technikerver. in New York, Philadelphia und St. Louis sowie in London und Paris. 1895 brannte sein Laboratorium in New York mit allen Gerätschaften und Aufzeichnungen ab, was einen schweren Rückschlag bedeutete. Daraufhin suchte T. neue Geldgeber und entwickelte die Grundlagen der Radiotechnik. 1899 baute er in Colorado Springs ein neues Labor und experimentierte mit Blitzentladungen, bei denen Ströme von bis zu zwölf Mio. Volt Spannung und einer Frequenz von mehreren zehntausend Hertz entstanden. Sein Ziel war es, mit der Erde als Leiter elektr. Energien an jeden gewünschten Ort zu transportieren. 1900 zog T. wieder nach New York und gewann den Bankier John Pierpont Morgan für den Bau eines Hochleistungs-Funksenders auf Long Island (Wardenclyffe Tower), womit er in Konkurrenz zu ähnl. Anlagen Guglielmo Marconis trat. T. wollte damit möglicherweise die Vision einer weltweiten drahtlosen Energieübertragung verwirklichen, der Turm blieb aber unvollendet. Später befasste er sich mit der Konstruktion von Turbinen, Pumpen und Geschwindigkeitsmessern. In der zweiten Lebenshälfte geriet T. immer wieder in finanzielle Schwierigkeiten, wozu neben seiner Neigung zu großen Projekten auch sein aufwendiger Lebensstil beitrug. Seit der Jh.wende trat er darüber hinaus zunehmend mit spekulativ-esoter. Ansichten an die Öffentlichkeit. So behauptete er, mit außerird. Intelligenzen in Kontakt getreten zu sein, und befasste sich mit der Entwicklung von „Todesstrahlen“ zu militär. Zwecken. T., der zeitlebens Junggeselle blieb, besaß eine hohe Bildung, zu seinen wenigen Freunden zählte der Schriftsteller Mark Twain. T. durchlitt eine Reihe rätselhafter Krankheiten und Zusammenbrüche und faszinierte mit exzentr. Auftritten viele Zeitgenossen. Sein letztes Lebensjahrzehnt verbrachte er in einem New Yorker Hotel. Bei seinem Tod waren seine Leistungen im Gegensatz zu jenen Edisons und Marconis völlig zu Unrecht fast in Vergessenheit geraten. Seine sterbl. Überreste und ein Tl. seines Nachlasses gelangten nach Belgrad, wo sich heute das Muzej Nikole Tesle um die Präsentation seines geistigen Erbes kümmert. T. erhielt rund ein Dutzend Ehrendoktorate amerikan. und europ. Univ.; Jugoslawien und die Tschechoslowakei verliehen ihm hohe Orden. 1960 wurde eine physikal. Größeneinheit für die magnet. Flussdichte im Rahmen des Internationalen Einheitensystems (SI) nach ihm benannt.

W.: Colorado Springs Notes 1899–1900, 1978 (m. B.); The Complete Patents of N. T., ed. J. Glenn, 1994 (m. B.); Selected Works, 8 Bde., 1996; My inventions. With the correspondence between N. T. and H. Gernsback, 2007 (m. B.). – Nachlass: Muz. Nikole Tesle, Beograd, SRB.
L.: S. Bokšan, N. T. und sein Werk, 1932 (m. B.); M. Cheney, N. T. Erfinder, Magier, Prophet, 4. Aufl. 2001 (m. B.); N. T. Mus. 1952–2003, ed. Z. Civrić, 2006 (m. B. u. L.); S. Šarboh, The Patents of N. T. Towards the Definite Cat., 2007 (m. B.); H. Weitensfelder, Die großen Erfinder der Weltgeschichte, 2009, S. 133ff.; M. Krause, Wie N. T. das 20. Jh. erfand, 2010 (m. B.).
(H. Weitensfelder)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 65, 2014), S. 259f.
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