Teuber, Emmerich (genannt Imre) (1877–1943), Pfadfinderführer und Offizier

Teuber Emmerich (genannt Imre), Pfadfinderführer und Offizier. Geb. Prag, Böhmen (Praha, CZ), 11. 5. 1877; gest. Wien, 3. 2. 1943; röm.-kath. Sohn von →Oskar Karl T. und →Emma T., Bruder von Wilhelm (genannt Willy) T.-Weckersdorf (geb. Prag, 23. 9. 1879; gest. Salzburg, Sbg., 3. 3. 1968), der sich ebenfalls um die Entwicklung des österr. Pfadfinderwesens verdient machte und nach dem 2. Weltkrieg als Leiter der Ind.abt. der Sbg. Landesregierung fungierte, und von Obst. Oskar (genannt Ossi) T. (geb. Prag, 21. 3. 1881; gest. Innsbruck, Tirol, 19. 4. 1943), der im Heeresmin. tätig war und gem. mit seiner jüd. Frau Selbstmord beging, sowie von Maurus T.(-Weckersdorf) (s. u.); Schwager von Charlotte T.-Weckersdorf (1923–1998), Univ.-Prof. für Politikwiss. in Wien. – T. diente ab 1896 im 3. Tiroler Jägerrgt. „Kaiserjäger“, 1897 Lt., 1901 Oblt., 1908 jedoch krankheitshalber beurlaubt, 1911 i. d. R. versetzt. 1915 als Hptm. reaktiviert, fungierte er als Militärsachverständiger bei der gerichtl. Pressepolizei am Wr. Landesgericht. Bereits 1911 hatte T. als Zentralinsp. des militär. organisierten Knabenhortverbands in der militär.-patriot. Jugenderziehung und -fürsorge ein neues Betätigungsfeld gefunden. Auf Anregung seines Bruders Wilhelm und des ersten Reichsfeldmeisters des Dt. Pfadfinderbunds, Maximilian Bayer, übertrug er das System der Boy Scouts des engl. Begründers des Pfadfindertums Robert St. S. Baden-Powell auf die Knabenhorte und gründete 1912 den Ver. zur Errichtung und Erhaltung eines Wr. Pfadfinderkorps sowie die 1. Wr. Pfadfinderkompagnie, die erste organisierte Gruppe dieser Art in Österr. und die Keimzelle des von ihm initiierten Österr. Pfadfinderbunds, dem Polen, Tschechen und die betont dt.-nationalen Kreise der Monarchie jedoch fernblieben; 1915–19 Reichsfeldmeister des Bundes. Aufgrund des Vermögens seiner Frau, einer Amerikanerin, konnte „Papa“ T. hohe Geldmittel für die Verwirklichung seiner Idee einsetzen, was mit Beginn des 1. Weltkriegs jedoch ein Ende fand. Nach der Trennung der ehemaligen Kronländer vom Österr. Pfadfinderbund wirkte T. 1918–20 hauptberufl. als Insp. des Verbands für freiwillige Jugendfürsorge, in welcher Eigenschaft ihm 360 private Kinder- und Jugendfürsorgeeinrichtungen Wiens unterstanden. Daneben war er u. a. als Jugendgerichtshelfer und für das Rote Kreuz tätig. Da er sich weltanschaul. mit der aufkommenden „bündischen“, an Dtld. orientierten Jugendbewegung nicht identifizieren wollte, legte er 1920 seine Funktion als Reichsfeldmeister zurück, blieb aber bis 1923 Bundesfeldmeister im Österr. Pfadfinderbund. Er unterstützte nunmehr den religiösen Einfluss des kath. Klerus auf die Pfadfinder-Jugendarbeit und akzeptierte den Zusammenschluss der innerhalb des Bundes bereits bestehenden kath. Pfadfinderkolonnen zum Ring der St. Georgspfadfinder; 1926 Gründung der kath. Jugendorganisation des Österr. Pfadfinderkorps St. Georg, das sich relativ rasch vergrößerte. Durch die Aussöhnung mit seiner Frau (die ihn 1917 verlassen hatte) wieder wohlhabend geworden, erwarb T. u. a. zwei große Landgüter in Sbg. und Ktn. und zog sich von der aktiven Arbeit im Pfadfinderbund weitgehend zurück. 1922–29 Mitgl. des Internationalen Komitees der Weltpfadfinderbewegung, erhielt er 1927 die damals höchste Pfadfinderausz., den „Silberwolf“. Als nach dem „Anschluss“ Österr. alle bestehenden Jugendorganisationen aufgelöst und verboten worden waren, wurde T. im November 1938 verhaftet und des Hochverrats angeklagt, im Mai 1939 von einem Sondergericht in München aber freigesprochen. 1916 Ritter des Franz Joseph-Ordens, verliehen ihm die österr. Pfadfinder posthum 1956 ihre höchste Ausz., den „Silbernen Steinbock“. T.s Bruder Maurus (genannt Mausi) T.(-Weckersdorf) (geb. Prag, 15. 9. 1883; gest. Wien, 17. 12. 1940) war 1918–19 Pferde-Evidenzoff. in Graz und 1934–38 Funktionär der Heimwehr in Ktn. Seine Frau, die Schauspielerin Relly T., geb. Tomaschek (1892–1946), fungierte 1929–35 als Präs. des Österr. Pfadfinderbundes.

W.: Ein Ratgeber für Pfadfinderführer und solche, die es werden wollen, 1913; 10 Jahre Wr. Pfadfinder, in: Unser Weg 3, 1922; Ein wenig Geschichte, ebd. 9, 1928; 25 Jahre Pfadfindergeschichte, ebd. 19, 1937; etc.
L.: Czeike; M. Fux, Geschichte der österr. Pfadfinderbewegung, 1970, s. Reg.; Ein Gen. im Zwielicht. Die Erinnerungen E. Glaises v. Horstenau, ed. P. Broucek, 1, 1980, S. 212; K. Pribich, Logbuch der Pfadfinderverbände in Österr., 2. Aufl. 2004, s. Reg. (m. B.; auch für die Brüder); KA, Wien.
(H. Reitterer)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 65, 2014), S. 266f.
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