Teuber, Oskar Karl (1852–1901), Theaterhistoriker, Journalist und Schriftsteller

Teuber Oskar Karl, Theaterhistoriker, Journalist und Schriftsteller. Geb. Weckersdorf, Böhmen (Křinice, CZ), 11. 12. 1852; gest. Wien, 16. 6. 1901; röm.-kath. Sohn des Gutsbesitzers Wilhelm T. und von Malwine T., geb. Dousa-Sperrling, Vater von →Emmerich T. und →Maurus T.(-Weckersdorf) (s. u. Emmerich T.); ab 1876 verehel. mit →Emma T. – T. besuchte 1863–68 das Benediktiner-Gymn. in Braunau (Broumov), an dem →Alois Jirásek sein Mitschüler war, bzw. das Piaristen-Gymn. in Prag und absolv. 1868–70 die Kadetteninst. in Eisenstadt und St. Pölten; seine darauf folgende Off.ausbildung an der Theresian. Militärakad. in Wr. Neustadt musste er 1873 aus Gesundheitsgründen abbrechen. I. d. F. wurde er zunächst in der Grazer „Tagespost“, dann in der „Grazer Zeitung“ Theaterreferent, Feuilletonist, später auch polit. Berichterstatter und trat 1875 als Kunst- und Theaterreferent in die Red. der Prager Ztg. „Bohemia“ ein. Hier veröff. er humorist. Skizzen aus seiner Militärzeit, die – ab 1881 gesammelt in Buchform erscheinend und mehrfach aufgelegt – seine Popularität – bes. in der österr. Armee – begründeten und auch heute noch wegen der tradierten Details als kulturhist. Quelle beachtenswert sind. In seinen zahlreichen, zumeist glorifizierenden Publ. zur Geschichte der österr. Armee propagierte er deren bestimmende Rolle für die Einheit der Monarchie. Höhepunkt dieser Tätigkeit bildeten das illustrierte Prachtwerk „Die österreichische Armee von 1700 bis 1867“ (1895, Reprint 1971) sowie „Historische Legionen Habsburgs“ (1896). 1883 wechselte T. als polit. Red. zum Wr. „Fremden-Blatt“, wo er als Leitartikler, Feuilleton-, Kunst- und Militärred. und schließl. als stellv. Chefred. eine reiche publizist. Tätigkeit entfaltete. Er begleitete das Gastspiel des Nationaltheaters Prag anlässl. der Wr. Internationalen Musik- und Theaterausst. 1892 mit Auff.kritiken und über den unmittelbaren Anlass hinausgehenden Essays. Noch während seiner Zeit beim „Fremden-Blatt“ erschienen T.s Schriften über das Mönchs- und Klosterwesen, die ebenso wie seine der militär. Thematik gewidmeten Arbeiten die auf volksbildner. Breitenwirkung bedachte Absicht erkennen lassen. Im September 1900 Chefred. der „Wiener Zeitung“, konnte T. u. a. deren Red.betrieb modernisieren und die rechtl. Stellung der Red.mitgl. durch deren Übernahme in den Staatsdienst verbessern; allerdings litt das bis dahin erreichte hohe, modernen Strömungen gegenüber aufgeschlossene literar. Niveau des Bl. deutl. unter seinen Anschauungen. Bes. Verdienste erwarb er sich als Theaterhistoriker. Ausgehend von 1877–79 in der „Bohemia“ veröff. 71 Feuilletons und Skizzen zum Prager dt.sprachigen Theater und wohl auch motiviert durch seine Ehe, fand T. in seiner dreiteiligen, 1883–88 erschienenen „Geschichte des Prager Theaters“ den Weg zum Historiker. Der tschech. Sprache mächtig, wertete er prakt. alle für sein Thema relevanten Prager Archive (einschließl. der Privatarchive des Adels) und Bibl., aber auch die Wr. Hofbibl. aus und schuf so ein Werk, das v. a. im dt.sprachigen Raum noch immer die wichtigste Informationsquelle ist, insbes. deshalb, weil das von ihm erschlossene Material heute z. Tl. verloren gegangen ist. Sein zweites großes, auch von tschech. Seite anerkanntes Verdienst war es, trotz seiner Konzentrierung auf das dt.sprachige Theater, die Loslösung der tschecho-slaw. Bühne vom dt. „Mutter-Institut“ im 19. Jh. objektiv und unter voller Würdigung der eigenständigen Entwicklung des tschech.sprachigen Theaters dargestellt zu haben. T., Träger zahlreicher in- und ausländ. Orden und Ausz., wurde 1896 Reg.Rat, 1892 Ritter des Franz Joseph-Ordens und erhielt 1898 den Orden der Eisernen Krone III. Kl.

Weitere W.: s. Brümmer; Eisenberg; Ludvová.
L.: Bohemia, 17., 19., 21., FB, 17., NFP, 17., NWT, 17., 19., WZ, 17. (A.) – 19. 6. 1901; Brümmer (m. W. u. L.); Eisenberg 1 (m. W.); Ludvová (m. B., W. u. L.); Svoboda 2; Wurzbach; E. Hofmann, in: Das literar. Dt.-Oesterr. 2, 1901, S. 63ff. (m. B.); J. Zeidler, in: Dt. Thalia 1, 1902, S. 509ff.; F. Stamprech, Die älteste Tagesztg. der Welt, 2. Aufl. (1977), s. Reg.; Ein Gen. im Zwielicht. Die Erinnerungen E. Glaises v. Horstenau, ed. P. Broucek, 1, 1980, S. 40, 92; Divadlo v Kotcích, ed. F. Černý, 1992, S. XXXXVIII (B.), 466, s. Reg.; I. Deák, Der k. (u.) k. Off. 1848–1918, 2. Aufl. 1995, s. Reg.; A. Scherl, Berufstheater in Prag 1680–1739, 1999, s. Reg.; P. Broucek – K. Peball, Geschichte der österr. Militärhistoriographie, 2000, S. 616ff.; P. Wittas, Ein Musensohn der alma Mater (Hs., KA, Wien); WStLA, Wien.
(H. Reitterer)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 65, 2014), S. 268
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