T(h)eyber, Anton; auch Teiber, Tayber, Täuber, Teuber, Deiber, Taiber, Taube, Tauber, Toiber  (1756–1822), Organist, Kapellmeister und Komponist

T(h)eyber Anton, Organist, Kapellmeister und Komponist. Geb. Wien, 8. 9. 1756 (Taufdatum); gest. ebd., 18. 11. 1822. Die Familie scheint auch unter den Namen Teiber, Tayber, Täuber, Teuber, Deiber, Taiber, Taube, Tauber, Toiber auf. Sohn des ab 1741 in Wien nachweisbaren Violinisten und Hofmusikers Matthäus (Matthias) T. (geb. Weinzierl bei Atzenbrugg, NÖ, 25. 6. 1710; gest. Wien, 6. 9. 1785), Bruder von →Elisabeth T. d. Ä., Therese T., Maria Barbara Francisca T. (beide s. u. Elisabeth T. d. Ä.), des Beamten und dilettierenden Violinisten Friedrich Edlen v. T. (geb. Wien, 13. 6. 1748 / Taufdatum; gest. ebd., 8. 1. 1829) sowie des bedeutenden, häufig mit Emanuel Schikaneder in Verbindung stehenden Theatermusikers Franz T. (geb. Wien, 25. 8. 1758 / Taufdatum; gest. Josefstadt, NÖ/Wien, 21. 10. 1810), der u. a. ab 1809 Domorganist zu St. Stephan sowie 1810 Hoforganist war und die Oper „Alexander“ zur Eröffnung des Theaters an der Wien 1801 komponierte; Vater von Eleonora T. und Elisabeth T. d. J. (beide s. u.). – T. war zunächst Schüler seines Vaters und wahrscheinl. auch von Johann Adam oder Joseph Wöger. Anschließend ging er nach Italien, war bis 1775 Schüler Giovanni Battista Martinis in Bologna und begleitete danach seine Schwester Elisabeth auf deren Reisen durch Italien. Es folgten Aufenthalte in Spanien, Portugal, Dtld. und Russland. Um 1780 nach Wien zurückgekehrt, war er in den 1780er-Jahren wie Mozart Teilnehmer an Konzerten bei Gottfried van Swieten und wirkte bis 1783 als Violinist an der Wr. Minoritenkirche. Nach einer Anstellung als Erster Organist an der Dresdner Hofkapelle (1787–91) war T. 1791/92 als Kapellmeisteradjunkt am Wr. Nationaltheater tätig. Im März 1793 erhielt er den Posten eines Hofkomponisten und Klavierlehrers der k. Kinder. Zu seinen Schülern zählte u. a. Erzhg. →Rudolf, für dessen Primiz er 1819 seine Missa solemnis in c-Moll schrieb und der nach T.s Tod den Großteil des musikal. Nachlasses erwarb. Anton T.s Tochter Eleonora (Elena, Helene) T. (geb. Wien, 30. 10. 1789; gest. Jassy/Iași, RO, 9. 5. 1877) war Sängerin, Pianistin und Komponistin. Sie wurde von ihrem Vater und 1822–24 vom Sänger Domenico Donzelli in Wien ausgebildet. Weitere Stud. absolv. sie möglicherweise in Dresden. 1827–63 unterrichtete sie am Konservatorium in Jassy und trat auch als Klavierbegleiterin in Erscheinung. Sie war mit dem Schriftsteller Gheorghe Asachi (Asaky) (1788–1869) verheiratet. Von ihr stammen rumän. Bühnenstücke und Vaudevilles (mit Arrangements von Werken Vincenzo Bellinis, Daniel-François-Esprit Aubers, Saverio Mercadantes, Gaspare Spontinis, Giuseppe Verdis u. a.) sowie Lieder nach Texten ihres Mannes. Ihre Schwester Elisabeth T. d. J. (geb. Wien, um 1792/95; gest. Prag, Böhmen / Praha, CZ, 11. 6. 1831) war Sängerin. Über ihre Ausbildung ist nichts bekannt. 1816–18 sang sie am Wr. Kärntnerthortheater, 1818/19 am Theater an der Wien, 1819/20 am Grazer Theater und zwischen 1820 und 1824 in Budapest. Nach einem Gastspiel am Dt. Theater in Prag beendete sie ihre Karriere und wirkte 1829–31 als Gesangslehrerin am Prager Konservatorium. 1825 heiratete sie den Oboisten Franz Zomb (gest. nach 1832).

W. (s. auch Grove; MGG I, II): 11 Messen (u. a. Missa S. Vincenti Ferreri); Requiem; kleinere Kirchenmusik; 2 Oratorien; 1 Melodram; Arien; Lieder; Symphonien; Instrumentalkonzerte; Kammer- und Klaviermusik; Tanzmusik. – Lehrwerke: Fondamento per la Partitura; Fondamento per L’accompagnato (Hss., Archiv der Ges. der Musikfreunde in Wien). – Nachlass: Archiv der Ges. der Musikfreunde in Wien.
L. (meist auch für die anderen Familienmitgl.): Grove, 2001 (m. W.); Kutsch–Riemens, 4. Aufl. 2003; MGG I, II (m. W.); oeml (auch online); Wurzbach; J. Branberger, Das Konservatorium für Musik in Prag, 1911, s. Reg.; H. Vogg, F. Tuma …, phil. Diss. Wien, 1951, S. 58ff.; K. Pfannhauser, in: Acta Mozartiana 3, 1956, H. 3, S. 6ff.; Mozart, ed. W. A. Bauer – O. E. Deutsch, 1–7, 1962–75, s. Reg.; O. Biba, in: Jb. für österr. Kulturgeschichte 1/2, 1971, S. 7ff.; C. Sartori, I libretti italiani a stampa dalle origini al 1800, 1–7, 1990–94, s. Reg.; B. A. Brown, Gluck and the French Theatre in Vienna, 1991, s. Reg.; R. Münster, in: Mozart-Jb., 1993, S. 53ff.; D. Link, The National Court Theatre in Mozart’s Vienna, 1998, s. Reg.; J. A. Rice, Empress Marie Therese and Music at the Viennese Court …, 2003, s. Reg.; M. Jahn, Die Wr. Hofoper von 1810 bis 1836, 2007, s. Reg.; Archiv der Ges. der Musikfreunde in Wien, Pfarre Heiligeneich, St. Michael, St. Stephan, Schotten-Pfarre, WStLA, alle Wien.
(Ch. Fastl)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 65, 2014), S. 274f.
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