Thal(l)er, Franz Christian (1759–1817), Bildhauer

Thal(l)er Franz Christian, Bildhauer. Geb. Wörgl (Tirol), 8. 7. 1759; gest. Wien, 25. 4. 1817. Sohn des Ungeldschreibers Franz T. und von Cäcilia T., geb. Schwab. – T. erhielt seine Ausbildung durch Franz Xaver Nissl in Fügen und vervollkommnete diese 1782–84 in Augsburg bei Ignaz Verhelst sowie an der dortigen Akad. der freien Künste, wo seine Arbeiten bereits prämiert wurden. In Josef Prötzner (auch Brezner oder Prezner) fand er 1784 in München für ein halbes Jahr einen neuen Lehrmeister, daneben bildete er sich an der dortigen ABK weiter. 1785 half er Nissl bei dessen Arbeiten für die Benediktinerabtei St. Georgenberg-Fiecht in Tirol. Für seine künstler. Entwicklung maßgebl. wurde seine Übersiedlung nach Wien, wo er ab 1786 die ABK besuchte und Martin Fischer sein wichtigster Lehrer wurde. Ab 1802 arbeitete er als Restaurator im Antikenkabinett (ab 1804 Statuar). In dieser Funktion kehrte er 1806 ein letztes Mal nach Tirol zurück, um gem. mit dem damaligen Dir. des Münz- und Antikenkabinetts →Franz Neuman an der Transferierung der Ambraser Kunstsmlg. nach Wien mitzuwirken. Neben der berufl. Tätigkeit fand er jedoch weiterhin Zeit für eigene künstler. Arbeiten, wobei sein Spezialgebiet das Porträt war, das er als Relief oder als freistehende Büste ausarbeitete. Neben Aufträgen für Kirchen oder Grabmonumente erregten v. a. seine Büsten berühmter Persönlichkeiten Aufsehen (Medaillon mit der Darstellung von Kgn. Karoline von Neapel und Sizilien mit ihren Kindern, 1805; Büsten von 15 Teilnehmern des Wr. Kongresses, 1815); lebensgroße Büsten K. →Franz’ II. (I.) und Erzhg. →Karls wurden im Landhaus zu Innsbruck aufgestellt. Darüber hinaus verstand es T. meisterhaft, Büsten aus farbigem Wachs zu bossieren.

L.: ADB; DBE; Thieme–Becker; Wurzbach; P. Weitlaner, Die Marktgmd. Wörgl. FS …, 1911, S. 79ff.; G. Pfaundler-Spat, Tirol-Lex., neubearb. Aufl. 2005; Tiroler Landesmus. Ferdinandeum, Innsbruck, Tirol; ABK, Wien.
(E. Hastaba)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 65, 2014), S. 278f.
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