Thaler, Josef; Ps. Lertha (1798–1876), Schriftsteller, Historiker und Geistlicher

Thaler Josef, Ps. Lertha, Schriftsteller, Historiker und Geistlicher. Geb. St. Helena, Tirol (San Pancrazio/St. Pankraz, I), 15. 10. 1798; gest. Kuens, Tirol (Caines/Kuens, I), 27. 12. 1876; röm.-kath. Sohn eines Bauern. – Nach dem Besuch des humanist. Gymn. in Meran (Merano) stud. T. Theol. in Innsbruck. Nach der Priesterweihe 1823 wirkte er sieben Jahre lang als Kooperator in Schenna (Scena), fünf Jahre lang als Katechet in Meran und von 1836 bis zu seinem Tod als Pfarrer in Kuens. Daneben forschte T. u. a. zur Lokalgeschichte sowie vergleichenden Sprachwiss. und war einer der Ersten, die die Tiroler Ortsnamen und Mundarten sprachwiss. untersuchten („Tirols Alterthümer in dessen geographischen Eigennamen“, 1845), womit er über die Grenzen Tirols bekannt wurde. Unter dem anagrammat. Ps. „Lertha“ erschienen ab 1828 Lyrik und Balladen von T., teils religiöser, teils patriot. Thematik („Edelrauten von den Alpen Tirols“, 1840; „Sandwirth-Hofer-Lieder“ aus Anlass des 100. Geburtstags von Andreas Hofer, 1867; „Sonnenblumen von den ewigen Hügeln. Heilige Poesien“, 1874) sowie Mundartged. Ein großer Teil seiner Texte wurde in Z. („Katholische Blätter aus Tirol“, „Tiroler Bote“, „Tiroler Stimmen“), Almanachen („Alpenblumen aus Tirol“, 1828f.) und Smlgg. („Die Alpen im Lichte deutscher Dichtung. Eine systematische Anthologie alpiner Poesien“, ed. Emil Auer, 1872; „Sagen aus Tirol“, ed. Ignaz Vinzenz Zingerle, 1850, 2. Aufl. 1891) veröff. oder ist in andere Werke wie →Johann Bapt. Schöpfs „Tirolisches Idiotikon“ (1866, Reprint 1993) eingegangen. Am bekanntesten wurde seine volkstüml., streng kath.-konservativ ausgerichtete und die Sonderstellung Tirols betonende „Geschichte Tirols“ (1854). 1856 zählte T. zu den Gründern des Meraner Lesever. für Freunde christl. Kunst und war dessen langjähriger Vorstand. Seine literar. Rezeption blieb auf konservative Tiroler Kreise beschränkt. T.s umfangreiche Bibl., Urkundensmlg. und seine unveröff. Mss. befinden sich im Pfarrarchiv von Kuens.

Weitere W. (s. Oberthaler – Oberthaler; Schlern; Lex. Literatur in Tirol): Der dt. Antheil des Bisthums Trient 1, 1866.
L.: Bote für Tirol, 17. 9. 1873, 30. 12. 1876, 9. 1. 1877; Neue Tiroler Stimmen, 18. 9. 1873, 29. 12. 1876, 12. 1. 1877; Dolomiten, 25. 3. 2004; ADB; Goedeke, s. Reg.; Wurzbach; J. Kehrein, Biograph.-literar. Lex. der kath. dt. Dichter, Volks- und Jugendschriftsteller im 19. Jh. 2, 1871; Österr.-Ung. Revue, NF 13, 1892, S. 177; Die Heimat, 1913/14, S. 129ff., 1914/15, S. 216; Ch. Schwaighofer, Literar. Gruppen in Tirol. Ver., Z., Almanache 1814–1914, geisteswiss. Diss. Innsbruck, 1983, S. 473; G. Oberthaler – W. E. Oberthaler, J. T.: Priester, Dichter, Historiker aus St. Pankraz/Ulten (1798–1876), 1992 (m. W. u. L.); Der Schlern 78, 2004, H. 3 (m. W. u. L.); Lex. Literatur in Tirol (m. W. u. L., online, Zugriff 4. 1. 2013).
(S. P. Scheichl)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 65, 2014), S. 279
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