Theyer, Franz Seraphin (1809–1871), Kaufmann und Kunsthandwerker

Theyer Franz Seraphin, Kaufmann und Kunsthandwerker. Geb. Wien, 17. 9. 1809; gest. ebd., 17. 8. 1871; röm.-kath. Enkel von Jacob Michael T. (1729–1820), der 1763 die Papier- und Schreibwarenhandlung Scharrer in Wien übernahm, Sohn von Martin T. (geb. Wien, 20. 4. 1773; gest. ebd., 25. 10. 1854), der das „Zur Stadt Nürnberg“ benannte Geschäft seines Vaters übernahm, Vater von →Theodor T. d. Ä. und →Leopold T.; verheiratet mit der Kaufmannstochter Marie T., geb. Tschida (1814–1877). – T. besuchte 1823–25 die Realschule des polytechn. Inst. und trat 1825 in die dortige kommerzielle Abt. ein. Danach absolv. er eine Lehre bei seinem Vater und sammelte Erfahrungen in Dtld., Frankreich und England. Trotz der Vermögensverluste während der Napoleon. Kriege und der Geldentwertung von 1811 konnte T.s Vater das Geschäft weiterführen und sein Angebot mit der Herstellung von liturg. Gegenständen erweitern. 1835 trat T. als Teilhaber in das kleine Unternehmen ein und übernahm 1846 die Alleinverantwortung. Schon 1836 hatte die Fa. ein Patent zur Herstellung von Siegelmarken erhalten. In diese kleinen Scheibchen aus Metallpapier wurden Wappen oder andere Muster eingeprägt, sie dienten als Verschluss von Briefen. T. interessierte sich auch für die Daguerreotypie und bes. für Galvanoplastik, ein Verfahren zur Herstellung druckfähiger Kupferplatten. Dafür richtete er gem. mit Erwin Waidele das erste galvanoplast. Atelier in Wien ein, wo er, staatl. subventioniert, gute Forschungsergebnisse erzielte. Beide rechneten damit, dass ihr Atelier der Österr. Staatsdruckerei als galvanoplast. Abt. unter ihrer Leitung einverleibt würde. Als jedoch →Alois v. Auer-Welsbach zum Dir. einer solchen Abt. ernannt wurde, lösten sie ihr Atelier auf. T. wandte sich danach dem Kunstgewerbe zu und richtete sich eine Kunsttischlerei ein, wo u. a. Eichenholzgegenstände, verziert mit Bronzeornamenten oder mit Einlegearbeiten, hergestellt wurden, wofür er viel Anerkennung erhielt. Außerdem wurden seine Arbeiten bei verschiedenen Ausst., u. a. bei der Ind.ausst. in München 1854 und bei der Londoner Weltausst. 1862 gewürdigt. 1864 übergab er die Fa. seinem Sohn Theodor T. d. Ä. 1863 erhielt er das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens. T. bekam die Goldene Medaille für Kunst und Ind., die Stadt Wien verlieh ihm die Goldene Salvatormedaille.

L.: Großind. Österr. I; Wurzbach; Th. Theyer, Das Wr. Bürgerhaus T., 1902, S. 25ff.; ders., Die Ind. der Papierausstattung in Österr., 1908, S. 37, 45ff. (m. B.); Nürnberger Waren- und Papierhandlung „Zur Stadt Nürnberg“ 1763–1913, 1913; R. Granichstaedten-Cerva u. a., Altösterr. Unternehmer, 1969, S. 122; M.-S. Kammerlander, T. & Hardtmuth – Eine hist. Betriebsanalyse, DA Graz, 1997, S. 6ff.; TU, WStLA, beide Wien.
(J. Mentschl)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 65, 2014), S. 294
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