Thielisch, Johann Christian (1749–1827), Pastor und Superintendent

Thielisch Johann Christian, Pastor und Superintendent. Geb. Teschen, Schlesien (Cieszyn, PL), 21. 9. 1749; gest. Scharten (OÖ), 25. 9. 1827; evang. AB. Sohn eines Lehrers am Teschener evang. Gymn. ‒ T. besuchte zunächst die Schule, an der sein Vater tätig war, wechselte 1765 an das Lyzeum in Preßburg und schloss ab 1769 ein Stud. in Leipzig an. I. d. F. wirkte er als Religionslehrer am Gymn. in Teschen, wo er von einem Abgesandten aus OÖ zum Wechsel ins geistl. Amt aufgefordert wurde. 1782 absolv. er die theol. Prüfung und wurde in der Teschener Jesuskirche ordiniert, um noch im selben Jahr als Pastor der Toleranzgmd. nach Scharten berufen zu werden, wo er bis zu seinem Tod wirkte. 1783 wurde er überdies zum ersten Superintendenten der Evang. Superintendenz AB von OÖ bestellt, die bis in die österr. Vorlande reichte. Er fungierte auch als staatl. Schuldistriktsinsp. und erwarb sich Verdienste um das evang. Schulwesen in seinem weitläufigen Aufsichtsbez. T. verf. u. a. mehrere Lehrbücher (z. B. „Christliche Glaubens- und Sittenlehre nach Anleitung des Katechismus Luthers“, 1784) und einen Katechismus. Im oö. Gesangbuchstreit 1783–91 verhielt er sich widersprüchl., weil er sich einerseits für die Verbreitung eines vom Konsistorium angeordneten rationalist. Gesangbuchs einsetzte, andererseits aber die Hrsg. eines eigenen Gesangbuchs der oö. Gmd. anregte, das Ergebnis allerdings desavouierte. Hierin erwies er sich als Anhänger der rationalist. Theol., als der er sich in Opposition zu den pietist. geprägten Gmd. seiner Diözese brachte. T. interessierte sich daneben auch für Botanik und war ab 1781 o. Mitgl. der Naturforschenden Ges. zu Halle. Kurz vor seinem Tod wurde ihm der Titel eines Konsistorialrats verliehen.

L.: J. G. Trautenberger, Gedächtniß-Predigt zum Andenken an J. Ch. T. ..., 1829; Die jüngere Matrikel der Univ. Leipzig 1559‒1809, 3, ed. G. Erler, 1909, S. 418; J. E. Koch, in: Jb. der Ges. für die Geschichte des Protestantismus in Österr. 74, 1958, S. 3ff.; H. Kirchmayr, in: Glaube und Heimat 18, 1964, S. 89ff.; G. Traar, Eine Wolke von Zeugen, 2. Aufl. 1974, S. 131ff.; E. Hofhansl, in: Jb. der Ges. für die Geschichte des Protestantismus in Österr. 94, 1978, S. 96ff.; L. Temmel, Evangelisch in OÖ, 1982, S. 79f.; H. Hochhauser, Evang. Leben in und um Scharten, 1996, S. 15ff. (m. B.); UA, Leipzig, D.
(K. W. Schwarz)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 65, 2014), S. 297
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