Thorsch, Philipp (1831–1905), Bankier

Thorsch Philipp, Bankier. Geb. Prag, Böhmen (Praha, CZ), 6. 12. 1831; gest. Mödling (NÖ), 29. 9. 1905; mos. Sohn von Ephraim Markus T. und Caroline (Charlotte) T., geb. Kuh, Bruder von →David T.; verheiratet mit seiner Cousine Ernestine T. (s. u.), Tochter von →Koppelmann T.; kinderlos. – T. erhielt wie sein Bruder eine kaufmänn. Ausbildung in Prag und trat nach dem Tod seines Vaters in die Leitung der Fa. M. T. Söhne ein. Nach dem Tod seines Bruders 1883 stand das Bankhaus unter seiner alleinigen Führung. In den folgenden 20 Jahren wurde die dominierende Stellung der Fa. im internationalen Devisen- und Edelmetallhandel weiter gefestigt. M. T. Söhne war außerdem das einzige Wr. Bankhaus, das den internationalen Arbitragehandel in großem Maßstab durchzuführen im Stande war. Unter T.s Leitung knüpfte die Bank enge Verbindungen nach London sowie New York und erfreute sich speziell in den angelsächs. Ländern sowie in Berliner Finanzkreisen des besten Rufs. Die Fa. M. T. Söhne war als hervorragende Ausbildungsstätte junger Bankbeamten weithin bekannt. T. war eine anerkannte Autorität in Währungs- und Zinsfußfragen und lieferte 1892 anlässl. der Valuta-Enquete ein viel beachtetes Gutachten, in dem er sich ausdrückl. für die Umstellung auf eine Goldwährung aussprach. Er engagierte sich in der Wr. IKG und bedachte in seinem Testament zahlreiche wohltätige Stiftungen mit namhaften Beträgen. Auch seine Witwe Ernestine T. (geb. Prag, 12. 9. 1836; gest. Wien, 13. 11. 1912) trat als Wohltäterin und Stifterin hervor und widmete wenige Monate vor ihrem Tod dem Wr. Israelit. Spital über 600.000 Kronen. In ihrem Testament stiftete sie neuerl. mehr als 500.000 Kronen für verschiedene soziale Institutionen.

L.: NFP, 30. 9. 1905 (Parte), 14. 11. 1912 (zu Ernestine T., Parte); Dr. Bloch’s Oesterr. WS 22, 1905, S. 634f., 29, 1912, S. 780 (zu Ernestine T.); C. Fürstenberg, Die Lebensgeschichte eines dt. Bankiers 1870–1914, ed. H. Fürstenberg, 1931, S. 83ff.; H. Czernin, Die Auslöschung – Der Fall T., 1998; H. Treichl, Fast ein Jh., 2003, s. Reg.; P. Melichar, Neuordnung im Bankwesen, 2004, S. 415ff.; G. Gaugusch, Wer einmal war A–K, 2011 (s. u. Kuh); R. Sandgruber, Traumzeit für Millionäre, 2013, S. 452f.; WStLA, Wien.
(G. Gaugusch)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 65, 2014), S. 314
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