Thun und Hohenstein, Franz Anton d. J. Gf. von (1809–1870), Mäzen, Politiker und Philanthrop

Thun und Hohenstein Franz Anton d. J. Gf. von, Mäzen, Politiker und Philanthrop. Geb. Prag, Böhmen (Praha, CZ), 13. 6. 1809; gest. ebd., 22. 11. 1870 (begraben: Děčín); röm.-kath. Böhm. Linie, Fideikommiss Tetschen. Erstgeborener Sohn von Franz Anton d. Ä. Gf. v. T. u. H. (1786–1873) und Theresia Gfn. v. T. u. H., geb. Reichsgfn. v. Brühl, Bruder von →Friedrich Gf. v. T. u. H. und →Leo Gf. v. T. u. H., Onkel von →Franz Fürst v. T. u. H. und →Jaroslav Fürst v. T. u. H., Schwiegervater von →Josef Mat(t)hias v. Trenkwald; ab 1846 verheiratet mit der Bürgerl. Magdalena Maria König (1818–1899), der Tochter eines Korporals; drei Söhne und drei Töchter. – T. erhielt gem. mit seinen Brüdern Privatunterricht. Danach absolv. er ein zweijähriges Stud. der Phil., 1827–31 ein Rechtsstud. in Prag. Bereits in seiner Kindheit entfaltete er ein künstler. Talent und erhielt Zeichenunterricht, zunächst von →Antonin Mánes; während des Stud. bildete er sich privat bei →Josef Bergler weiter. Wichtige Erfahrungen und Kontakte gewann er durch einen Aufenthalt in Dresden (1833) und eine Reise (1834–35) nach England, Schottland, Irland, Frankreich und schließl. nach Italien, wo er seinen künstler. und philanthrop. Interessen nachging. 1835–44 wirkte er tw. in Prag und in Tetschen (Děčín), dem Zentrum des Thun’schen Familienzweigs, wo er seinen Vater bei der Verwaltung unterstützte. In Prag engagierte er sich auch als Mitgl. der Ges. patriot. Kunstfreunde, 1845–50 und 1861–70 war er deren Geschäftsleiter, ab 1865 bis zu seinem Tod deren Präs. 1850–61 wirkte er als Referent für Kunstangelegenheiten im Min. für Kultus und Unterricht; 1858 Min.rat. Weiters beteiligte er sich an der Reorganisation der Kunstakad. in Wien, Venedig sowie Mailand und war ab 1853 Mitgl. der Centralkomm. zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale; 1861 veröff. er seine „Vorschläge zur Reorganisierung des öffentlichen Baudienstes in Österreich“. Nach seiner Rückkehr nach Prag wurde er 1862 zum Konservator für Böhmen ernannt. Schon vor 1848 war T. im böhm. LT tätig gewesen, wo er darum bemüht war, die Landesverfassung sowie die Rechte der Stände zu fördern. 1848 war er Mitgl. des Nationalausschusses sowie Mjr. des IV. Baon. der Nationalgarde, ab 1861 Vertreter im böhm. LT und Landesausschuss. Bes. Bedeutung erlangte T. durch seinen Einsatz im kulturellen Leben Böhmens: 1839 übernahm er die Leitung des neu gegr. Kunstver. für Böhmen und wirkte u. a. als Dion.mitgl. der Ges. des vaterländ. Mus. und des Ver. zur Beförderung der Tonkunst sowie des Gewerbever. 1842 Gründer und seither Förderer des Prager Dombau-Ver., 1859–70 dessen erster Präs. Weiters wirkte er in zahlreichen Wohltätigkeitsver., u. a. als Dion.mitgl. des Ver. zum Wohle entlassener Züchtlinge sowie des Ver. für hilfsbedürftige Kinder und ab 1839 als Vorstand des gesamten Prager Armeninst. 1843 Ehrenmitgl. der Wr. ABK, wurde T. u. a. 1851 Komtur des Franz Joseph-Ordens und 1858 Ritter des Ordens der Eisernen Krone II. Kl.

L.: WZ, 23. 11. 1870 (A.); Wurzbach; J. Burgerstein, F. A. Gf. v. T.-H., 1871 (m. B.); Ročník Jednoty pro dostavění hl. chrámu sv. Víta …, 1871, S. 123ff. (m. B.); K. Kazbunda, České hnutí roku 1848, 1929, s. Reg.; J. Pavel, in: Sborník archivních prací 25, 1975, S. 190ff., 197ff., 207ff., 215, 233f.; H. Slavíčková, Portrétní galerie T.-H., Děčín 1998, S. 22ff., 68f. (Kat., m. B.); R. Melville, Adel und Revolution in Böhmen, 1998, s. Reg.; Jednota pro dostavění Chrámu sv. Víta na Hradě pražském 1, ed. M. Kostílková – T. Petrasová, 1999, S. 6ff.; Th. Brückler – U. Nimeth, Personenlex. zur Österr. Denkmalpflege, 2001; M. Oubrechtová, „Kéž bych byl malířem.“ F. T. …, phil. DA České Budějovice, 2009; dies., in: Variety české religiozity v „dlouhém“ 19. století (1780–1918), ed. R. Nešpor – K. Kaiserová, 2010, S. 254ff. (m. B.); dies., in: Naše Itálie, bearb. Z. Hojda u. a., 2012, S. 79ff.; J. Galandauer, Franz Fürst T., 2014, S. 15ff. (m. B.); Thun-Web (m. B., online, Zugriff 27. 8. 2013); HHStA, Wien; Státní oblastní archiv v Litoměřicích, CZ; L’Archivio provinciale di Trento, I.
(M. Oubrechtová)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 65, 2014), S. 323f.
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