Thurn und Valsassina (Thurn-Valsassina-Como-Vercelli), Gustav Gf. von (1836–1888), Politiker und Großgrundbesitzer

Thurn und Valsassina (Thurn-Valsassina-Como-Vercelli) Gustav Gf. von, Politiker und Großgrundbesitzer. Geb. Radmannsdorf, Krain (Radovljica, SLO), 13. 7. 1836; gest. ebd., 23. 7. 1888; röm.-kath. Sohn von Vincenz Gf. v. T. u. V. (1790‒1859) und seiner 2. Ehefrau (ab 1829) Josefa Gfn. v. T. u. V., geb. Zurchaleg, Halbbruder des LT- und RR-Abg. Hyacinth Gf. v. T. u. V. (1818‒1877). – T., dessen Familie u. a. im Montanwesen und in der Kohlenbrennerei in Steinbüchl (Kamna Gorica) und Kropp (Kropa) unternehmer. tätig gewesen war, kam durch seine Hauslehrer schon früh in Kontakt mit der slowen. Sprache und Geisteswelt. Nach Absolv. des Gymn. in Laibach, wo er →Joseph Schwegel zum Mitschüler hatte, begann er 1856 ein Jusstud. in Graz, das er nach Ausbruch des Sardin. Kriegs 1859 vorzeitig abbrach. Er meldete sich als Freiwilliger, diente bei den Ulanen und wurde zum Rtm. ernannt. Nach dem Krieg kehrte er auf seine Familienbesitzungen zurück. T. besaß Güter in Radmannsdorf sowie in Lechen (Lehen na Pohorju) und Plankenstein (Zbelovo). Wie zuvor schon sein Halbbruder begann sich T. ebenfalls polit. zu engagieren. 1877 wurde er in den Krainer LT und 1878 in den RR gewählt (jeweils Großgrundbesitzerkurie). Im Gegensatz zu seinem Halbbruder sympathisierte er mit den Slowenen und pflegte enge Kontakte zu →Johann Bleiweis und →Luka Svetec. Nach der Abberufung von →Friedrich Kaltenegger v. Riedhorst nach Wien 1881 wurde er als dessen Nachfolger zum LHptm. von Krain ernannt und übte dieses Amt bis zu seinem Tod aus. Im Laufe seiner Amtszeit wechselte er ins slowen. Lager über, was ihm offene Anfeindungen von Seiten der (dt. dominierten) Verfassungspartei einbrachte. 1883 unterlag er bei der Wahl in die Städtekurie des Krainer LT Maks Samec, zog jedoch als Vertreter der HGK in den LT ein, nachdem ihm Josip Kušar seinen Sitz überlassen hatte. Als Befürworter der nationalen Gleichberechtigung sprach T. auch im LT Slowen. Er war Vors. der Landwirtschaftsges. von Krain, der Karst-Aufforstungs-Komm. sowie jener für den Bau der Unterkrainer Eisenbahn. 1883 wurde er mit dem Orden der Eisernen Krone II. Kl. ausgez.

L.: Laibacher Ztg., Slovenec, Slovenski narod, 24. 7. 1888; SBL; Novice gospodarske, obrtniške in národne 46, 1888, S. 237f.; Vrtec 19, 1889, S. 152 (m. B.); W. Goll, Die Karstaufforstung in Krain, 1898, S. 74, 81; V. Melik, Wahlen im alten Österr. am Beispiel der Kronländer mit slowen.sprachiger Bevölkerung, 1997, s. Reg.; J. Schwegel, Na cesarjev ukaz, 2004, S. 131; Osebnosti. Veliki slovenski biografski leks. 2, 2008; M. Preinfalk, in: Carinthia I, 200, 2010, S. 371ff.; UA, Graz, Stmk.; Arhiv Republike Slovenije, Narodni muz. Slovenije, beide Ljubljana, SLO.
(R. Lampreht)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 65, 2014), S. 332f.
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