Tiller von Turnfort, Karl Frh. (1816–1896), Offizier

Tiller von Turnfort Karl Frh., Offizier. Geb. Kaiserebersdorf, NÖ (Wien), 4. 11. 1816; gest. Wien, 28. 1. 1896. Sohn eines 1849 in den Adels-, 1851 in den Ritterstand erhobenen Obstlt., Bruder des Art.-Gen. und 1871–73 Art.-Dir. in Lemberg (L’viv) Ferdinand Ritter T. v. T. (geb. Pest/Budapest, H, 3. 12. 1818; gest. Preßburg, Ungarn / Bratislava, SK, 18. 6. 1882). – T. besuchte das Gymn. und trat 1831 als Unterkanonier in die Armee ein. 1833–40 diente er im Bombardierkorps und erhielt dort eine Ausbildung in den naturwiss. Grundlagen des Artilleristen. 1840 als Unterlt. zur Truppe versetzt, kommandierte T. 1848–49 als Oblt. eine Halb-Batterie am Stilfser Joch, kam jedoch nicht zum Kampfeinsatz. Dagegen focht er im Mai 1859 mit der Geschützreserve der II. Armee in der Schlacht von Montebello (della Battaglia) und wurde dann (als Mjr.) Art.-Dir. in der Festung Legnago. Ab Oktober 1860 war T. der Bundes-Militärkomm. in Frankfurt am Main als 2. k. k. Bevollmächtigter zugeteilt und begleitete zum Jahresende K. →Franz Joseph I. zu Besichtigungen nach Russland (1865 Obst.). Danach kommandierte er mehrere Art.-Rgt., wurde 1870 GM und Art.-Bgdr. in Lemberg, 1873 Art.-Dir. in Prag und war schließl. ab April 1875 – in diesem Jahr wurde er auch FML – bis zu seiner Pensionierung mit FZM-Charakter im April 1884 Dir. des Art.-Arsenals in Wien. T. hatte maßgebl. Anteil an der Einführung der Stahlbronze-Geschütze durch Gen. Franz v. Uchatius (M. 1875 und M. 1880), an der Entwicklung großkalibriger (bis 28 cm) gezogener Küstengeschütze System Krupp und an der Einführung der Mannlicher-Gewehre. Er erhielt zahlreiche in- und ausländ. Orden, darunter einen hawaiian., 1867 den Orden der Eisernen Krone III. Kl., 1876 jenen der II. Kl. sowie 1878 das Kommandeurkreuz des Leopold-Ordens. 1877 wurde er in den Frh.stand erhoben, 1880 Inhaber des Art.rgt. 10 (ab 1885 Korps-Art.Rgt. 6), 1882 Geh. Rat. Darüber hinaus war T. Mitgl. des naturwiss. Ver. für Stmk.

L.: Laibacher Ztg., 20. 2. 1896; Biograph. Jb. 3, 1900, S. 61; A. v. Wrede – A. Semek, Geschichte der K. u. K. Wehrmacht 4, 1905, S. 399, 443, 514, 518, 520; KA, Wien.
(A. Schmidt-Brentano)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 65, 2014), S. 348
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