Tinkhauser, Johann Nepomuk (1787–1844), Goldschmied, Kupferstecher, Stempelschneider und Chronist

Tinkhauser Johann Nepomuk, Goldschmied, Kupferstecher, Stempelschneider und Chronist. Geb. Bruneck, Tirol (Brunico/Bruneck, I), 9. 5. 1787; gest. ebd., 30. 8. 1844. Sohn des Seilers und Wirts Josef Dinkhauser (Tinkhauser) und von Maria Dinkhauser, geb. Kastl, Vater von Maria Theresia T. (1829–1911), verehel. Seeböck, Onkel von Georg T. (1811–1873), der als Regens des Cassianeums in Brixen (Bressanone) wirkte und als Gelehrter und ab 1854 als Konservator der Central-Comm. zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale für Tirol hervortrat; ab 1817 verheiratet mit Marie Piffrader; drei Kinder. – T. erlernte ab 1802 in Brixen das Goldschmiedehandwerk. Nachdem er 1805 freigesprochen worden war, arbeitete er auf seiner Wanderschaft, u. a. bei →Ignaz Kindinger. Nach seiner Rückkehr nach Bruneck wurde er im Dezember 1806 als Bürger und Goldschmied aufgenommen; 1822–24 fungierte er als Bgm. seiner Heimatstadt. T., der auch an techn. Neuerungen interessiert war (so montierte er zahlreiche Blitzableiter auf Kirchen des Pustertals), erwarb sich bes. Verdienste als Chronist: War es zunächst die Geschichte der eigenen Familie (1831), schloss er 1834 seine „Geschichtlichen Nachrichten von der k.k. Kreisstadt Bruneck und derselben Umgebung“ ab, die eine wichtige Quelle für die Zeit der französ.-bayer. Besatzung darstellen und die er mit zahlreichen kolorierten Kupferstichen illustrierte. Weitere Arbeiten umfassen Visitkarten oder religiöse Kleingraphik, die sich großer Beliebtheit erfreuten, sowie Landschafts- und Trachtenbilder, die er z. Tl. zu umfangreichen Ser. zusammenfasste (ein Tl. der Kupferplatten befindet sich im Stadtmus. Bozen/Bolzano). Sein heimatkundl. Interesse dokumentiert auch eine von ihm angelegte Smlg. von kunst- und kulturhist. interessanten sowie wertvollen, z. Tl. got. Objekten aus dem Pustertal. Diese verkaufte seine Tochter Maria Theresia der Stadt Bruneck; dazu vermachte sie ihre eigene Smlg. von Kupferstichmappen, Büchern und Urkunden, altem bürgerl. Hausrat, Puppentheatern etc., womit der Grundstock für das 1912 eröffnete Stadtmus. Bruneck gelegt wurde. Auf Grund der polit. Ereignisse der Jahre vor und während des 2. Weltkriegs wurden die wertvollsten Objekte in Mus. nach Trient/Trento und Bozen transferiert.

Weitere W.: 50 Landschaften, 1826–30; Trachten im Pustertal aus der alten und neuen Zeit, 1834. – Publ.: J. N. T.s Brunecker Chronik 1834, bearb. H. Stemberger, 1981.
L.: Dolomiten, 17. 10. 1934, 2. 1. 1984; Thieme–Becker; Tiroler Heimatbll. 10, 1932, S. 199f.; H. Hochenegg, Die Tiroler Kupferstecher, 1963, s. Reg.; M. Pellizzari, Brunico …, 1988, S. 115; Alto Adige 95, 1990, Nr. 18, S. 23; Brunecker Buch, red. H. Stemberger, 2. Aufl. 2003, S. 47ff., 181f.; H. Heiss, in: Der lange Weg in die Moderne, ed. St. Lechner, 2006, S. 25, 39; Ch. Roilo, ebd., S. 414; Brunopolis …, red. E. Gadner – A. M. Pianca, Bruneck 2006, S. 254ff. (Kat.); Th. Brückler, Thronfolger Franz Ferdinand als Denkmalpfleger, 2009, S. 226, 601.
(E. Hastaba)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 65, 2014), S. 351
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