Tischler, Ludwig (1840–1906), Architekt

Tischler Ludwig, Architekt. Geb. Triest, Freie Stadt (Trieste, I), 6. 8. 1840; gest. Wien, 25. 5. 1906; röm.-kath. Sohn des Gastwirts Johann T. und von Anna T., geb. Beschorner; ab 1865 verheiratet mit Juliana Plach. – T. stud. 1857–61 am Wr. polytechn. Inst. (nicht nachweisbar) und arbeitete danach 1862–69 im Atelier der Architekten →Johann Romano v. Ringe und →August Schwendenwein v. Lanauberg. 1870 wechselte er zur Wr. Bauges., als deren Chefarchitekt er bis 1875 tätig war. In dieser Funktion errichtete er diverse Mietpalais und im Hinblick auf die Weltausst. von 1873 mehrere bedeutende Hotelbauten, u. a. 1872 das Hotel Metropol am Morzinplatz (Wien 1), das nach dem „Anschluss“ Österr. 1938 als Sitz der Gestapo-Leitstelle diente. Ab Mitte der 1870er-Jahre machte er sich selbstständig, in enger Zusammenarbeit mit der Allg. österr. Bauges., deren Verw.R. er 1887–1906 angehörte. I. d. F. war T. bis zu seinem plötzl. Tod mit der Errichtung zahlreicher Mietshäuser, Hotels, Spitäler, Synagogen usw. auf dem Gebiet der Donaumonarchie befasst. Zu den meistbeschäftigen Architekten dieser Ära zählend, errichtete er allein im Raum Wien mehr als 250 Bauten, insbes. Mietpalais des gehobenen Standards im Ringstraßenbereich, die bis heute das Stadtbild prägen. Als typ. Vertreter des Historismus war T. anfängl. der Neorenaissance verpflichtet, später bediente er sich eines neobarocken Baustils, wobei er des Öfteren Häusergruppen mittels monumentaler Kuppelaufbauten zu einem schlossähnl. Komplex zusammenfasste (z. B. Mietshausgruppe Maria-Theresien-Hof, 1884, Wien 9). Weiters gab er in Zusammenarbeit mit →Karl v. Lützow das dreibändige Werk „Wiener Neubauten“ (1876–91) heraus, das bis heute eine wichtige Quelle für die Ringstraßenära darstellt. T., der ab 1872 auch Mitgl. der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens (Künstlerhaus) war, wurde 1906 zum Baurat ernannt.

Weitere W. (s. auch Architektenlex.): Hotel Kummer, 1870, Palais Abensberg-Traun, 1872, Haus Moritz Széps, 1877, Synagoge Hubergasse, 1885 (alle Wien); Hotel Gasteiner Hof, 1893 (Bad Gastein).
L.: NFP, 25. 5. 1906 (A.); Die Wr. Ringstraße 1; Eisenberg 1; Kosel 1; Thieme–Becker; Wurzbach; Wr. Bauind.-Ztg. 23, 1906, S. 267f.; Die Kunstdenkmäler Wiens. Die Profanbauten des III., IV. und V. Bez., bearb. G. Hajós – E. Vancsa (= Österr. Kunsttopographie 44), 1980, s. Reg.; P. Genée, Wr. Synagogen 1825–1938, 1987, passim; F. Achleitner, Österr. Architektur im 20. Jh. 3/1, 1990, s. Reg.; H. Matis – D. Stiefel, „Mit der vereinigten Kraft des Capitals …“ 1–2, 1994, s. Reg.; B. Martens – H. Peter, Die zerstörten Synagogen Wiens, 2009, S. 167ff.; C. Jäger-Klein, Österr. Architektur des 19. und 20. Jh., 2. Aufl. 2010, S. 294; U. Prokop, in: David 24, 2012, Nr. 94, S. 8f. (m. B.); Architektenlex. Wien 1770–1945 (m. B., W. u. L., nur online, Zugriff 5. 9. 2013); TU, Wien.
(U. Prokop)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 65, 2014), S. 354
<=  S. 1 =>
<=  S. 1 =>