Töply, Robert Ritter von (1856–1947), Mediziner und Medizinhistoriker

Töply Robert Ritter von, Mediziner und Medizinhistoriker. Geb. Tabor, Böhmen (Tábor, CZ), 13. 6. 1856; gest. Wien, 4. 3. 1947; röm.-kath. Sohn des Statthaltereirats Guido Ritter v. T. (gest. Smichow, Böhmen / Praha, CZ, 21. 9. 1902) und von Antonie v. T., geb. Hasner v. Artha; ab 1890 verheiratet mit Karoline v. T., geb. v. Förster. – Nach Besuch des Gymn. in Leitomischl (Litomyšl) stud. T. 1874–79 Med. an der Univ. Prag. 1874 rückte er als Einjährig-Freiwilliger zum Inf.rgt. 18 ein, diente 1877 im Garnisonsspital 11 in Prag und wurde 1878 in die Res. übersetzt; 1880 Dr. med. Bereits während des Stud. arbeitete T. als Demonstrator der Anatomie bei →Carl Toldt, nach seiner Promotion vier Jahre als Ass. der patholog. Anatomie u. a. bei Edwin Klebs (→Theodor Klebs) und →Hans Eppinger sen. Ab 1880 Oberarzt der Res., wandte er sich 1884 der militär. Laufbahn zu. T. diente zunächst an der chirurg. Abt. des Garnisonsspitals 11, ab 1885 als Chefarzt beim Dragonerrgt. 2 in Wr. Neustadt. 1886 zum Rgt.arzt 2. Kl. befördert, fungierte er 1889–99 als Gardearzt der Ersten Arcièrenleibgarde. 1895 wurde er o. Mitgl. des Militärsan.komitees und habil. sich 1897 als Priv.Doz. für Geschichte der Med. in Wien. 1899 in das Garnisonsspital 2 in Wien versetzt, übernahm er dort 1909 das Kmdo. (1899 Stabsarzt 1. Kl., 1904 Oberstabsarzt 2. Kl. und ao. Prof., 1908 Oberstabsarzt 1. Kl.). 1912 wurde er zum San.chef des 9. Korpskmdo. in Leitmeritz (Litoměřice) befördert (1914 Gen.stabsarzt). Während des 1. Weltkriegs diente T. zunächst auf dem serb. und dem galiz. Kriegsschauplatz und wurde im Oktober 1914 San.chef der 3. Armee. 1915 übernahm er die Agenden des Chefs des Militärärztl. Off.korps, 1916 wurde er als Gen.oberstabsarzt zum Chef ernannt; 1917 i. R. Bedeutung erlangte T. v. a. als Med.historiker. Als Schüler →Theodor Puschmanns vertrat er gem. mit Max Neuburger eine kulturgeschichtl. Ausrichtung der Med.geschichte. Insbes. galt sein Interesse der Med. des Mittelalters und der Renaissance, aber auch der Anatomie generell. T. bemühte sich um die Errichtung eines Inst. für Geschichte der Med. an der Univ. Wien, um seine Smlgg. fachgerecht aufstellen und als Anschauungsobjekte für den med. Unterricht verwenden zu können. Als 1905 in Leipzig das erste med.hist. Inst. im dt.sprachigen Raum errichtet wurde, stellte T. seine Smlgg. dieser Einrichtung zur Verfügung. Im selben Jahr verf. er gem. mit Neuburger einen „Motivenbericht zum Antrag auf Errichtung eines Instituts für medizinische Geschichtsforschung“, die Realisierung einer solchen Institution in Wien erfolgte 1914. Darüber hinaus publ. T. zahlreiche patholog.-anatom., hist. und biograph. Artikel; seine Schrift „Die venerischen Krankheiten in den Armeen“ (in: Archiv für Dermatol. und Syphilis 22, 1890) wurde preisgekrönt. Erwähnenswert sind seine Werke „Unser Militärsanitätswesen vor 100 Jahren“, 1896, gem. mit →Johann Habart, und seine „Studien zur Geschichte der Anatomie im Mittelalter“, 1898. Außerdem übers. er u. a. 1910 William Harveys „Exercitatio anatomica de motu cordis et sanguinis in animalibus“ als „Die Bewegung des Herzens und des Blutes“ ins Dt. T. erhielt u. a. 1913 den Orden der Eisernen Krone III. Kl., wurde 1908 Ritter und 1914 Komtur des Franz Joseph-Ordens.

Weitere W.: s. Czeike; Pagel.
L.: Czeike (m. W.); Fischer; Jb. der Wr. Ges.; Pagel (m. W.); Wer ist’s?, 1906, 1935; J. Steiner, in: WMW 86, 1936, S. 646f.; O. Wruhs, in: WKW 69, 1957, S. 396ff.; H. Wyklicky, Das Josephinum …, 1985, s. Reg.; AVA, KA, UA, alle Wien; UA, Praha, CZ.
(D. Angetter)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 65, 2014), S. 368f.
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