Toggenburg, Georg Otto Ritter von (1810–1888), Politiker

Toggenburg Georg Otto Ritter von, Politiker. Geb. Laax (CH), 24. 1. 1810; gest. Bozen, Tirol (Bolzano/Bozen, I), 8. 3. 1888; röm.-kath. Sohn des Graubündner Regierungspräs. und Administrators der habsburg. Besitzung Rhätsüns Georg Johann Ritter v. T. (geb. Ruschein, CH, 8. 10. 1765; gest. Feldkirch, Vbg., 4. 6. 1847) und von Josepha v. T., geb. Jost v. St. Görgen (geb. 4. 11. 1784; gest. Feldkirch, 1. 12. 1862), Vater des späteren Statthalters und Innenministers Friedrich Josef Gf. v. T. (geb. Bozen, 12. 7. 1866; gest. ebd., 8. 3. 1956); ab 1847 verheiratet mit Maria Adelheid v. T., geb. Gfn. v. Sarnthein (geb. 2. 4. 1822; gest. 1855), ab 1858 mit deren Schwester Maria Virginie v. T., geb. Gfn. v. Sarnthein (geb. 31. 5. 1833; gest. 1905). – Nach Absolv. des Gymn. in St. Gallen und Feldkirch stud. T. Phil. und Jus in Freiburg (Fribourg), Wien und Innsbruck. 1832 trat er als Praktikant im Landesgubernium für Tirol und Vbg. in den Staatsdienst ein. 1843 wurde er als Kreiskoär. nach Görz (Gorizia) versetzt, nachdem er diese Funktion bereits in Bregenz und Trient innegehabt hatte. Ab 1847 Gubernialsekr. in Triest, übernahm er 1850 den Posten des Kreispräs. in Trient, Ende dieses Jahres wurde er Statthalter in Venedig. Dort bekleidete er zudem das Amt des Präs. der Zentralkongregation für das Kg.reich Lombardo-Venetien. Im Februar 1855 wurde T. zum Minister für Handel, Gewerbe und öff. Bauten ernannt. Seine Amtsführung stand unter dem Vorzeichen des (wirtschaftl.) Liberalismus. Neben der Ausarbeitung der Gewerbeordnung 1859, welche die meisten Gewerbe zu freien Gewerben und das Konzessionssystem damit zur Ausnahme erklärte, wurde der Verkauf der Staatsbahnen fortgeführt. Für den Neubau von Bahnen erteilte das Min. Konzessionen. Nach der Auflösung des Min. 1859 fungierte T. ab Februar 1860 als Statthalter von Venedig und wiederum als Präs. der Zentralkongregation bis zur Abtretung dieser Gebiete 1866. 1866–68 war er Statthalter von Tirol und Vbg. Die letzten Lebensjahre verbrachte er auf dem Familiensitz seiner Frau in Bozen. T. wurde 1852 Ritter der Eisernen Krone I. Kl., im selben Jahr Geh. Rat und erhielt 1868 das Großkreuz des Leopold-Ordens; ab 1881 lebenslängl. Mitgl. des HH.

L.: NFP, 10. 3. 1888; Wurzbach; Beschreibender Kat. des k. k. hist. Mus. der österr. Eisenbahnen, 1902, S. 138f.; A. Bundsmann, Die Landeschefs von Tirol und Vbg. in der Zeit von 1815–1913, 1954, S. 79ff.; 100 Jahre im Dienste der Wirtschaft 1, 1961, S. 376f. (m. B.); A. Gottsmann, Venetien 1859–66, 2005, S. 25 (m. B.).
(J. Pircher)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 66, 2015), S. 375f.
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