Toman, Hugo (1838–1898), Kunsthistoriker, Historiker und Jurist

Toman Hugo, Kunsthistoriker, Historiker und Jurist. Geb. Reichenau an der Kněžna, Böhmen (Rychnov nad Kněžnou, CZ), 20. 10. 1838; gest. Podhoř, Böhmen (Praha, CZ), 19. 3. 1898; röm.-kath. Sohn eines Arztes, Vater des Juristen, Kunstsammlers, Schriftstellers und Hrsg. eines Künstlerlex. LGR Dr. Prokop T. (geb. Prag, Böhmen / Praha, CZ, 21. 12. 1872; gest. ebd., 6. 7. 1955). – T. stud. nach dem Besuch der Gymn. in Reichenau und Leitomischl (Litomyšl) ab 1856 Phil. und Geschichte an der Prager Univ. Daneben arbeitete er als Privatlehrer in Adelshäusern und trat früh mit archäolog. und hist. Lokalforschungen hervor. Als prov. Lehrer am Gymn. in Brünn (Brno), dann in Olmütz (Olomouc), beteiligte sich T. 1861–62 an der Gründung der tschech. polit. Z. „Moravan“ und publ. in Prager Ztg. polit. und nationale Beitrr., woraufhin er seine Anstellung verlor. Das anschließende Jusstud. 1863–68 schloss er mit der Prom. an der Prager Univ. ab und eröffnete – nach Stud.reisen durch Großbritannien und andere Tle. Europas – 1875 in Prag eine eigene Kanzlei. Im Zusammenhang mit den böhm. Ausgleichsversuchen 1870/71 fanden seine grundlegenden hist.-jurist. Analysen zum Böhm. Staatsrecht breite öff. Aufmerksamkeit. 1873–77 viermal als Alttscheche in den LT gewählt, blieb er im Rahmen der Abstinenzpolitik trotz mehrfacher Neuwahl nach Mandatsverlust dem böhm. LT fern und zog sich 1878 aus der Politik zurück. Seit 1870 ao. Mitgl. der kgl. Böhm. Ges. der Wiss. in Prag, wandte er sich um 1880 der Malerei und Kunstgeschichte zu, veröff. Stud. zu niederländ. Renaissancemalern und baute in Podhoř bei Prag eine private Gemäldegalerie alter Meister auf. 1881 erwarb er Tle. der Smlg. des aufgelösten Prager Annenklosters und trug damit zu dessen Sanierung bei. 1883 an der Gründung des Prager Stadtmus. beteiligt, organisierte er 1891 die Kunstabt. der böhm. Landesjubiläumsausst. Ab 1890 konzentrierte er seine Forschungen auf die Hussiten-Zeit, v. a. auf den Heerführer Jan Žižka z Trocnova und auf das hussit. Militärwesen, weshalb er 1895 auch die militär. Abt. der tschechoslaw. ethnograph. Ausst. in Prag mitgestalten konnte.

W.: Schicksale des böhm. Staatsrechtes in den Jahren 1620 bis 1627, 1870; Das Böhm. Staatsrecht und die Entwickelung der österr. Reichsidee vom Jahre 1527 bis 1848, 1872; Cat. raisonné zur Bildersmlg. alter Meister des JUDr. H. T. in Prag, 1884; J. van Scorel und die Geheimnisse der Stylkritik, 1888; Stud. über J. van Scorel, den Meister vom Tode Mariä, 1889; Husitské válečnictví za doby Žižkovy a Prokopovy, 1898 (m. B.); Žižkův duch, povaha a listy, ed. F. M. Bartoš, 2. Aufl. 1924.
L.: Národní Listy, 20., 23. 3. 1898, 22. 3., 7. 8., 16. 10. 1938; Otto; Wurzbach; Světozor 32, 1897/98, S. 238; Právník 37, 1898, S. 213f.; Národní album, 1899, S. 218; J. Goll, in: Český časopis historický 5, 1899, S. 144ff.; M. Navrátil, Almanach českých právníků, 1904; ders., Almanach československých právníků, 1930; P. Toman, in: Umění 12, 1939/40, S. 35ff.; R. Plaschka, in: Z. für Ostforschung 8, 1959, S. 7ff. (auch in: ders., Nationalismus, Staatsgewalt, Widerstand, 1985, S. 59ff.); M. Lišková, Slovník představitelů zemské samosprávy v Čechách 1861–1913, 1994.
(R. Luft)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 66, 2015), S. 382f.
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