Toman, Josipina; geb. Urbančič, Ps. Josipina Turnogradska (Turnograjska) (1833–1854), Schriftstellerin

Toman Josipina, geb. Urbančič, Ps. Josipina Turnogradska (Turnograjska), Schriftstellerin. Geb. Schloss Thurn unter Neuburg, Krain (Turn pod Novim gradom, Preddvor, SLO), 4. 7. 1833; gest. Graz (Stmk.), 1. 6. 1854; röm.-kath. Tochter des Gutsherrn Janez Nepomuk Urbančič (1797–1841) und von dessen Frau Marija Jožefina Urbančič, geb. Terpinc (1813–1898); ab 1853 verheiratet mit →Lovro T. – Nach dem Tod des Vaters übernahm T.s Mutter allein die Gutsgeschäfte und die Erziehung der Kinder, für die sie Hauslehrer engagierte. T. erhielt eine solide Bildung, die sich über die Grundschulung und die musikal. Erziehung hinaus auf die Fächer des Gymn. sowie die klass. Sprachen erstreckte. Maßgebl. Einfluss übte →Lovro Pintar aus, der T. mit hist. Lesestoffen in verschiedenen slaw. Sprachen versorgte und ihre ersten schriftsteller. Versuche förderte. Über ihn lernte sie Toman kennen, mit dem sie sich 1850 verlobte und bis zur Hochzeit eine mehr als tausend Briefe umfassende Korrespondenz führte (tw. publ. in: M. Delavec, Nedolžnost in sila. Življenje in delo J. Urbančič-Turnograjske, 2004). Danach übersiedelte sie mit ihrer Familie nach Graz, wo sie an den Folgen einer Fehlgeburt starb. T. gilt als die erste slowen. Prosaautorin. Von insges. 38 erhaltenen Texten veröff. sie 1851–53 neun unter ihrem Ps., zunächst in →Anton Janežičs’ Klagenfurter literar. Wochenbl. „Slovenska bčela“, ab 1852 in →Radoslav Razlags Almanach „Zora“. Die Beispiele für ihre bildhafte und moralisierende Kurzprosa bezog T. aus der slaw. und slowen. Geschichte. Als Lyrikerin trat sie ledigl. mit einem einzigen Langged., „Zmiraj krasna je narava“ (in: Slovenska bčela 3, 1852, H. 2), hervor. Sie komponierte mehrere Klavierstücke und Lieder, von denen eines zu ihren Lebzeiten im Rahmen einer slowen. Kulturveranstaltung in Graz 1851 vorgetragen wurde. In ihrem Nachlass befinden sich neben einer umfangreichen Korrespondenz und unveröff. Prosatexten u. a. ein dramat. Versuch, der Entwurf zu einer „Metrik der Prosa“ sowie national und patriot. intonierte Aufsätze. Von den Zeitgenossen als großes literar. Talent wahrgenommen, blieb T. in der Rezeptionsgeschichte der slowen. Literatur jedoch ohne Bedeutung, auch wenn es ab den 1920er-Jahren Bemühungen gab, ihrem Werk unter literatursoziolog. Gesichtspunkten zu einer neuerl. Rezeption zu verhelfen.

Weitere W.: Rožmanova Lenčica, in: Zora 2, 1853. – Nachlass: Narodna in univerzitetna knjižnica, Ljubljana, SLO.
L.: Osebnosti (m. B.); SBL; Wurzbach; L. Toman, in: Novice 12, 1854, S. 270f., 274; I. Lah, J. Turnograjska, 1921 (m. B.); Starejše pesnice in pisateljice, ed. F. Erjavec – P. Flerè, 1926, S. 31ff. (m. B.); D. Cvetko, Stoletja slovenske glasbe, 1964, S. 195, 198; M. Kmecl, Od pridige do kriminalke, 1975, S. 13ff.; Pozabljena polovica, ed. A. Šelih u. a., 2007, S. 44ff. (m. B.); M. Delavec, J. Urbančič Turnograjska: die erste slowen. Dichterin, Schriftstellerin und Komponistin, 2012 (m. B.).
(E. Köstler)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 66, 2015), S. 383
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