Toman (Thoman, Thomann), Lovro (Lorenz); Ps. Kamnogorski, Zoridan (1827–1870), Politiker, Jurist und Schriftsteller

Toman (Thoman, Thomann) Lovro (Lorenz), Ps. Kamnogorski, Zoridan, Politiker, Jurist und Schriftsteller. Geb. Steinbüchl, Krain (Kamna Gorica, SLO), 10. 8. 1827; gest. Rodaun, NÖ (Wien), 15. 8. 1870 (begraben: Kamna Gorica). Sohn des Hammerwerksbesitzers Johann (Janez) T. und von Helene T., geb. Hribar, Onkel von →Aleksander T.; ab 1853 verheiratet mit der Schriftstellerin →Josipina T., ab 1863 in 2. Ehe mit Luiza T., geb. Altman. – Im Anschluss an das Gymn. in Laibach inskribierte T. 1847 Rechtswiss. in Wien, nach der vorübergehenden Schließung der Univ. 1848 setzte er seine Stud. 1849–51 in Graz fort; 1852 Dr. iur. T. arbeitete zunächst als Konzipient in Graz, kehrte nach dem Tod seiner ersten Frau jedoch nach Krain zurück. 1856 eröffnete er eine Anwaltskanzlei in Radmannsdorf (Radovljica) und begann polit. aktiv zu werden, wobei er sich →Johann Bleiweis anschloss und gegen die „Jungslowenen“ opponierte. 1861 wurde er in den Krainer LT gewählt (1861–66 Landgmd.kurie, 1867 Städtekurie, 1867–70 Kurie der HGK), im selben Jahr auch in den RR. 1863 übersiedelte T. nach Laibach und wirkte durch sechs Jahre als Sekr. der HGK. Er war Mitbegründer und 1865–68 erster Vors. der Slovenska matica und selbst schriftsteller. und publizist. tätig (v. a. Ged. im Geist nationaler Erweckung, z. B. „Edinost“, „Slovenska mati“, „Avstrije zvezda“; 1849 Ged.smlg. „Glasi domorodni“; Beitrr. für die Z. „Slovenija“ und „Zora“). Sein Liedtext „Mar i bor“, mit dem er den slowen. Charakter der Stadt Marburg (Maribor) herauszustreichen suchte, brachte ihm den Vorwurf nationalist. Unruhestiftung ein. T. betonte seine slaw. Identität und strebte eine Annäherung an die Kroaten an, denen er das Ged. „Za Hrvate naše brate“ widmete. Ferner befürwortete er die Initiative →Josip Juraj Strossmayers zur Gründung einer Jugoslaw. Akad. der Wiss. und setzte sich für die Errichtung von Denkmälern für die slowen. Dichter Valentin Vodnik und →France Prešeren ein. Als erste im LT slowen. sprechende Abg. verlangten T. und Bleiweis 1861, dass sämtl. Debatten und Protokolle slowen. geführt werden sollten. T. brachte auch den i. d. F. einstimmig angenommenen Vorschlag ein, dass sich der LT für die Erstellung eines slowen.-dt. Wörterbuchs einsetzen sollte, woraus der von →Maks Pleteršnik red. „Slovensko-nemški slovar“ hervorging. T. trug maßgebl. zur Ausarbeitung des Artikels 19 des Staatsgrundgesetzes über die allg. Rechte der Staatsbürger bei, der die Gleichberechtigung der einzelnen Nationen zum Ziel hatte. Bei der Ausgleichsdebatte 1867 trat er als Föderalist mit den Konservativen um →Richard Gf. Belcredi gegen den Dualismus auf, stimmte jedoch letztl. für die den ung. Ausgleich billigende Adresse an den K. Gegen Ende seines Lebens litt T.s Ansehen unter der Tatsache, dass er die Konzession, die er für den Bau der Eisenbahn Villach–Laibach erhalten hatte, mit Gewinn verkaufte.

Weitere W.: s. Dr. L. T., 1876, S. 79ff.
L.: Die Presse, 16., NFP, 17., Das Vaterland, 28. 8. 1870; Večer, 14. 5. 2009; SBL; Wurzbach; A. Praprotnik, in: Dr. L. T., 1876, S. 3ff. (B. als Frontispiz); Tedenske slike 3, 1927, Nr. 33 (m. B.); Z. Kržišnik, Slovenski politiki izza pomladi narodov, 1994; Slovenska književnost, 1996; Enc. Slovenije 13, 1999 (m. B.); I. Grdina, in: Slovenska kronika XIX. stoletja 1, ed. J. Cvirn u. a., 2001, S. 375 (m. B.); V. Melik, Slovenci 1848‒1918, 2002, S. 278ff. (m. B.); N. Budna Kodrič, in: Kronika 51, 2003, S. 197ff. (m. B.); UA, Wien; UA, Graz, Stmk.; Arhiv Republike Slovenije, Narodni muz. Slovenije, beide Ljubljana, SLO.
(R. Lampreht)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 66, 2015), S. 384f.
<=  S. 1 =>
<=  S. 1 =>