Tomaschek, Wilhelm (1841–1901), Geograph und Sprachforscher

Tomaschek Wilhelm, Geograph und Sprachforscher. Geb. Olmütz, Mähren (Olomouc, CZ), 26. 5. 1841; gest. Wien, 9. 9. 1901; röm.-kath. Sohn von Johann Adolph T. und Katharina Kaspar v. Radostin, ab 1845 verehel. T., Halbbruder von →Anton T., →Ignaz T., →Karl T. und →Johann Adolf T. Edlem v. Stradowa. – Nach Besuch des Theresianums in Wien stud. T. ab 1860 an der dortigen Univ. klass. sowie dt. Philol., hörte daneben aber auch hist., geograph. und sprachwiss. Vorlesungen; 1864 Dr. phil. Ab 1866 wirkte er als Gymn.lehrer in St. Pölten, ab 1868 in Wien-Mariahilf. 1878 erfolgte die Berufung als ao. Prof. für hist. Geographie an die Univ. Graz; 1881 o. Prof., 1884/85 Dekan der phil. Fak. 1885 wechselte er als Ordinarius an die kulturgeograph. Lehrkanzel des geograph. Inst. der Univ. Wien; 1898 Dekan der phil. Fak. Seine Forschungen befassten sich v. a. mit hist. Topographie und Ethnographie. T. interessierte sich für die Ortsnamendeutung bei Strabo, Plinius und der „Tabula Peutingeriana“, für die Krimgoten, die vorslaw. Topographie, Persien und die Völker Osteuropas. Für seine Forschungen zog er häufig alte Karten heran und führte das Stud. von Karten in die hist. Geographie ein. In Graz hielt er neben Vorlesungen zur hist. Geographie auch solche zum Thema phys. Geographie, bes. der Alpenländer und Österr.-Ungarns. Bahnbrechend wirkte T. bei der Erforschung antiker Sprachen, v. a. des Thrak., Skyth., Sogd. und der Pamirdialekte. Von seinen Publ. verdienen u. a. „Die Goten in Taurien“ (1881) und das zweiteilige Werk „Kritik der ältesten Nachrichten über den skythischen Norden“ (1888–89) Erwähnung. T. war im Vorstand des Wr. Geograph. Inst. und wurde 1882 k. M., 1899 w. M. der k. Akad. der Wiss. in Wien, 1883 k. M. der Akad. der Wiss. in St. Petersburg. 1898 erhielt er den Orden der Eisernen Krone III. Kl.

Weitere W.: s. Mayrhofer.
L.: NFP, 9. 9. 1901; Almanach Wien 52, 1902, S. 291ff. (m. B.); Inauguration Univ. Wien 1901/02, 1901, S. 12ff.; Hist. Vjs. 4, 1901, S. 588; M. Bittner, in: Mitt. der k. k. Geograph. Ges. in Wien 45, 1902, S. 3ff.; E. Bernleithner, in: Geograph. Jahresber. aus Österr. 25, 1955, S. 142f.; S. O. Morawetz, Hundert Jahre Geographie an der Karl-Franzens-Univ. in Graz, 1871–1971, 1971, S. 6f.; Dritter Internationaler Thrakolog. Kongreß zu Ehren W. T.s 1–2, 1984; I. Kretschmer u. a., Österr. Kartographie, 2004, s. Reg.; M. Mayrhofer, in: Anzeiger der phil.-hist. Kl. 142, 2007, S. 121ff. (m. B. u. W.); J. Martínek, Geografové v českých zemích 1800–1945, 2008; ÖAW (m. B.), UA (m. B.), beide Wien; UA, Graz, Stmk.; Zemský archiv v Opavě, Opava, CZ; Mitt. Manfred Mayrhofer (gest.), Wien.
(P. Svatek)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 66, 2015), S. 387
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