Tomaselli, Franz (1801–1846), Schauspieler

Tomaselli Franz, Schauspieler. Geb. Salzburg (Sbg.), 14. 4. 1801; gest. Agram (Zagreb, HR), 19. 10. 1846. Sohn von →Giuseppe (Joseph) T. und Antonia T., geb. Honikel, Bruder von →Carl (Karl) T., Ignaz T. (s. u.) und →Katharina T. (s. u. Giuseppe T.). – T. debüt. 1822 am Theater an der Wien als Soldat Walter in Grillparzers Drama „Die Ahnfrau“. Sein Talent als Komiker konnte er ab 1826 am Theater in der Leopoldstadt entfalten, wo er bald zum beliebten Darsteller wurde. Zu seinen besten Rollen zählten die des Lorenz in →Ferdinand Raimunds „Das Mädchen aus der Feenwelt oder Der Bauer als Millionär“ und die des Habakuk in Raimunds „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“. Positive Aufnahme fand auch sein 1830 aufgef. Zauberspiel „Mahiro’s Zauberräthsel oder: Der geraubte Marmorkopf“. Die Possen, die T. für seine Benefizabende schrieb, fielen hingegen oft durch. Ab 1838 an Prov.bühnen tätig, spielte T. 1842 nochmals für kurze Zeit am Theater in der Leopoldstadt, danach wieder auswärts (Lemberg, Linz, Agram). T. galt als Wr. Original, soll allerdings stark zum Sonderling geneigt und ausgeprägte Marotten an den Tag gelegt haben. →Karl Haffner brachte ihn in seinem Genrebild mit Gesang und Tanz „Therese Krones“ (1862) neben anderen Mitgl. des Leopoldstädter Theaters auf die Bühne. T.s Bruder Ignaz T. (geb. Wien, 3. 7. 1812; gest. ebd., 28. 12. 1862) hatte beim Vater Gesangunterricht erhalten und wirkte als Sängerknabe zu St. Stephan sowie 1833–36 im Chor des Hofoperntheaters. Als Solosänger (Bariton) debüt. er in Kaschau (Košice), später folgten Engagements in Lemberg (L’viv), 1837–40, Klagenfurt (1840–42), neuerl. Lemberg (1843/44) und Linz (1844–48). Danach war er in Wien am Theater in der Josefstadt sowie am Carltheater in Volksstücken, musikal. Lustspielen und Wr. Dialektkomödien sehr erfolgreich. Dazwischen führten ihn in den 1850er-Jahren Engagements auch nach Pest (Budapest) und Brünn (Brno). Er war ab 1837 mit der Sängerin Auguste T., geb. Engerth (gest. 1849), der Tochter eines (Theater-)Malers, verheiratet, die in Lemberg, Klagenfurt und Linz wirkte.

L. (meist auch für Ignaz T.): ADB (s. Familienartikel); Eisenberg, Bühne; Kosch, Theater-Lex.; Kutsch–Riemens, 4. Aufl. 2003 (s. u. Josef T.); oeml; Wurzbach; F. Hadamowsky, Das Theater in der Wr. Leopoldstadt 1781–1860, 1934, s. Reg.; K. M. Kisler, Der Theater-Mayr, 1988, s. Reg.; G. Ammerer, Das Tomaselli …, 2006, S. 104f. (m. B., auch von Ignaz T.); ders., in: Mitt. der Ges. für Sbg. Landeskde. 148, 2008, S. 95f. (m. B., auch von Ignaz T.); R. Angermüller, W. Müller und „sein“ Leopoldstädter Theater, 2009, s. Reg. – Ignaz T.: J. Got, Das österr. Theater in Lemberg im 18. und 19. Jh. 1, 1997, s. Reg. Bd. 2.
(E. Offenthaler)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 66, 2015), S. 390f.
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