Tomaselli, Giuseppe (Joseph) (1758–1836), Sänger und Lehrer

Tomaselli Giuseppe (Joseph), Sänger und Lehrer. Geb. Rovereto, Trient (I), 29. 1. 1758; gest. Würzburg, Bayern (D), 20. 3. 1836. Sohn des bürgerl. Sensals Sebastian T. und seiner Frau Gertrudis Gratzer, Vater der aus einer Verbindung mit einer Gfn. v. Thurn u. Taxis stammenden Therese (geb. Innsbruck, 1795) sowie von →Franz T., →Carl (Karl) T., Katharina T. (s. u.) und →Ignaz T. (s. u. Franz T.), Großvater von →Josefine Gallmeyer; ab 1788 mit Maria Theresia T. (gest. 14. 10. 1790), der Tochter des Salzburger Eisenhändlers und Stadtrats Johann Markus Gschwendtner und seiner Frau Maria Anna Rauchenbichler, verheiratet, in 2. Ehe ab 1800 mit Antonia Honikel, der Stieftochter des Domkapitelbeamten und Cafetiers Leopold Erich. – Nach einer Gesangsausbildung begann T. seine Laufbahn als Tenor in Mailand und trat dann u. a. in Bergamo auf, wo er in der Truppe von Giovanni Battista Lombardi etwa in „La buona figliuola“ von Niccolò Piccinni sang. 1781 wurde er vom Salzburger Fürsterzbischof Hieronymus Gf. Colloredo mit einem monatl. Gehalt von 30 fl als Tenor am Salzburger Hof angestellt. Dort schloss T. Freundschaft mit Leopold Mozart, dem Vizekapellmeister der Hofkapelle, sowie seiner Tochter Nannerl, machte mit ihnen häufig Hausmusik und beteiligte sich auch an diversen anderen Freizeitaktivitäten. Zwischen T. und dem Kastraten Francesco Ceccarelli kam es 1786 zu heftigen Differenzen, in deren Folge Ceccarelli 1788 aus den erzbischöfl. Diensten entlassen wurde. Nach dem frühen Tod seiner ersten Frau unternahm T. mehrere Reisen, u. a. 1794 nach Dtld. In Salzburg war er 25 Jahre lang mit großem Erfolg als geachteter Sänger und engagierter Gesangspädagoge tätig und allseits anerkannt. 1796 übernahm er gem. mit Lorenz Hübner die Leitung des Stadttheaters, doch gelang es ihnen nicht, den Qualitätsstandard des Hauses wesentl. zu heben, weshalb sie die Dion. bereits 1798 wieder zurücklegten. T.s zweite Frau brachte 1800 eine Zuckerbäckersgerechtigkeit und ein Kaffeehaus in die Ehe ein, das zweite in Salzburg neben dem Staigerschen Café. Da beiden die fachl. Kompetenz fehlte, übertrugen sie die Leitung einer Geschäftsführerin. Nach der Säkularisation des Erzstifts Salzburg 1803 wurde T. zunächst Hof- und Kammersänger bei Erzhg. →Ferdinand, doch zwang ihn die nach der ersten Eingliederung Sbg. ins Habsburgerreich 1806 erfolgte Auflösung der Hofkapelle, sich nach einer neuen Anstellung umzusehen. Ab April 1807 Hoftenorist in Wien, erwarb er sich auch dort rasch einen erstklassigen Ruf, wobei seine Honorarforderungen als Klavierpädagoge und Gesangslehrer der Qualität seines Unterrichts entsprachen. T. war bis zu seinem 76. Lebensjahr in der Hofkapelle tätig, suchte 1833 um seine Pensionierung an und übersiedelte dann nach Salzburg. 1834 unternahm er eine Reise nach Würzburg, wo er sich schließl. niederließ und trotz körperl. Gebrechen weiterhin unterrichtete. Seine Tochter Katharina T. (geb. Wien, 27. 2. 1811; gest. Brünn, Mähren / Brno, CZ, 6. 6. 1857), die bei ihm gelernt hatte, wurde ebenfalls Sängerin. Sie debüt. 1828 am Theater in der Josefstadt in Wien und wirkte dort bis 1830. Danach war sie am Hoftheater in Hannover, am Stadttheater Salzburg und ab 1835 mit kurzen Unterbrechungen bis 1853 am Brünner Stadttheater tätig. Berühmter als sie wurde ihre unehel. Tochter →Josefine Gallmeyer.

L. (meist auch für Katharina T.): ADB; Kutsch–Riemens, 4. Aufl. 2003; oeml; Wurzbach; E. Hintermaier, Die Salzburger Hofkapelle von 1700 bis 1806, phil. Diss. Salzburg, 1972, s. Reg.; G. Ammerer, Das Tomaselli ..., 2006, S. 97ff. (m. B., auch von Katharina T.); ders., in: Mitt. der Ges. für Sbg. Landeskde. 148, 2008, S. 89ff. (m. B.). – Katharina T.: Eisenberg, Bühne (s. u. Ignaz T.); Moravský zemský archiv v Brně, Brno, CZ.
(G. Ammerer)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 66, 2015), S. 391
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