Tommasini, Muzio Giuseppe Ritter von (1794–1879), Beamter und Botaniker

Tommasini Muzio Giuseppe Ritter von, Beamter und Botaniker. Geb. Triest, Freie Stadt (Trieste, I), 8. 6. 1794; gest. ebd., 31. 12. 1879; röm.-kath. Sohn des Kaufmanns Matteo Giovanni T. und von Anna Maria T., geb. Santner. – T. absolv. das Gymn. in Laibach und stud. ab 1811 Med. an der Univ. Wien. Nach einer schweren Erkrankung 1813 inskribierte er 1814–15 an der jurid. Fak. des Lyzeums in Graz, erwarb jedoch keinen akadem. Abschluss. 1817 als Praktikant im Kreisamt für Istrien angestellt, wurde T. 1818 zum Kreissekr. in Spalato (Split) und kurz darauf zum Konz. am Gubernium in Zara (Zadar) befördert. 1823 erfolgte eine Versetzung als Kreiskoär. nach Spalato, 1827 als erster Kreiskoär. nach Cattaro (Kotor). Noch im September desselben Jahres wurde T. als Magistrats-Assessor nach Triest berufen, 1839 erfolgte die Ernennung zum Präses des polit.-ökonom. Magistrats in Triest und zum Bgm. der Stadt. Nach der Revolution 1848/49 ernannte man T. 1850 zunächst zum Rat in der Statthalterei, kurz darauf im Oktober – infolge der neuen Gmd.verfassung und durch direkte Wahl der Bürger – zum Podestà von Triest. 1861 trat er als HR i. d. R. Bereits während seiner Gymn.zeit durch →Franz Hladnik angeregt, befasste sich T. ab 1809 mit Botanik und unternahm erste Exkursionen in die Umgebung von Laibach und Triest. 1811–13 untersuchte er die Umgebung von Wien und dehnte den Radius seiner Exkursionen bis zum Schneeberg aus, den er zweimal bestieg. Auch während seiner Beamtentätigkeit an verschiedenen Orten entlang der Adria gelang es T. durch zahlreiche Exkursionen und Anlage eines umfangreichen Spezialherbariums, sich zum ersten und besten Kenner der Flora im österr. Küstenland zu entwickeln. Von seinen zahlreichen botan. Publ. sind die Werke „Botanische Wanderungen im Kreise von Cattaro“ (in: Flora 18, 1835, 2. Bd., Beibll.), „Streifzug von Triest nach Istrien im Frühlinge 1833, mit besonderer Rücksicht auf Botanik“ (in: Linnaea 11, 1837, gem. mit Bartolomeo Biasoletto), „Der Berg Slavnik im Küstenlande und seine botanischen Merkwürdigkeiten …“ (ebd. 13, 1839) sowie „Sulla vegetazione dell’ isola di Veglia …“ (1875) bes. erwähnenswert. 1895 erschien, posthum von →Carlo v. Marchesetti hrsg., die „Flora dell’ Isola di Lussino di Muzio de Tommasini“ (in: Atti del Mus. Civico di Storia Naturale di Trieste 9). T. schenkte sein allg. Herbarium (rund 15.000 Arten in 180 Faszikeln), das küstenländ. Herbarium (rund 2.400 Arten in 330 Faszikeln) und seine botan. Bibl. dem Mus. Civico di Storia Naturale in Triest. Nach ihm ist u. a. der Elfen-Krokus Crocus tommasinianus benannt. 1850 erhielt T. das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens, 1855 den Orden der Eisernen Krone III. Kl., 1857 das Ritterkreuz des griech. Erlöser-Ordens. Er war u. a. ab 1852 Mitgl. der Zoolog.-Botan. Ges. in Wien, ab 1856 Mitgl. der Dt. Akad. der Naturforscher Leopoldina, ab 1861 der naturwiss. Ges. Isis in Dresden, ab 1825 k. M. der Bayer. Botan. Ges. in Regensburg sowie ab 1874 der Senckenberg. Naturforschenden Ges. Ab 1875 fungierte T. als Präs. der Società adriatica di scienze naturali in Triest.

Weitere W.: s. Wurzbach; Neilreich; Freyn.
L.: Wr. Abendpost, 2., 5. 1. 1880; Allg. Ztg., 6. 1. 1880 (Beil.); ADB; PSBL; SBL; Stafleu; Wurzbach (m. W.); A. Neilreich, in: Österr. Botan. Z. 16, 1866, S. 1ff. (m. B. u. W.); C. de Marchesetti, A M. de T. pell’ottantesimo anniversario, 1874; Leopoldina 16, 1880, S. 2, 196; J. Freyn, in: Österr. Botan. Z. 30, 1880, S. 73ff. (m. W.); Á. Kanitz, in: Magyar növénytani lapok 4, 1880, S. 1ff.; ders., in: Botan. Ztg. 38, 1880, Sp. 79f.; V. Borbás, in: Természettudományi közlöny 12, 1880, S. 162ff.; E. v. Marenzeller, in: Verhh. der k.-k. zoolog.-botan. Ges. in Wien 30, 1881, S. 35ff.; C. de Marchesetti, in: Bollettino della Società adriatica di scienze naturali in Trieste 16, 1895, S. 1ff.; F. Heynemann, in: Ber. der Senckenberg. Naturforschenden Ges. in Frankfurt am Main, 1906, S. 32; J. H. Barnhart, Biographical notes upon botanists 3, 1965; L. Zennaro, in: Studia geobotanica 1, 1980, S. 35ff.; E. Aichinger, ebd., S. 183ff.; R. Mezzena, in: Atti del Mus. Civico di Storia Naturale di Trieste 43, 1990, S. 235ff.; UA, Wien; UA, Graz, Stmk.; Cimitero Cattolico di Sant’Anna, Trieste, I.
(M. Svojtka)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 66, 2015), S. 399f.
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