Tomsa, František Bohumil; Ps. Kadeřavský (1793–1857), Übersetzer und Schriftsteller

Tomsa František Bohumil, Ps. Kadeřavský, Übersetzer und Schriftsteller. Geb. Mokry, Böhmen (Mokrá, CZ), 2. 7. 1793; gest. Prag, Böhmen (Praha, CZ), 26. 2. 1857. Sohn eines Bauern, Neffe des Übers. und Philologen František Jan T. (geb. Wschen, Böhmen / Všeň, CZ, 4. 10. 1751; gest. Prag, 1. 11. 1814), Vater des Physiologen und Prof. an der Kiewer und Prager tschech. Univ. Vladimír T. (geb. Prag, 28. 2. 1831; gest. ebd., 4. 4. 1895). – Auf Initiative des Pfarrers konnte T. das Gymn. und die phil. Jgg. in Prag absolv. Befreundet mit →Václav Hanka und →Josef Linda, hörte er um 1820 auch jurist. Vorlesungen, beendete das Stud. aber nicht. Er trat in den öff. Dienst bei der Staatsbuchhaltung (zuletzt Offizial). 1836 übernahm er außerdem die Funktion des Übers. beim Böhm. Gubernium, die er bis zu seinem Tod innehatte. Seine ersten Ged. mit patriot. und erzieher. Thematik veröff. T. u. a. in der Z. „Rozličnosti“, hist. Erz. mit sentimentaler Liebesthematik, Erz. aus dem Bürgermilieu und lokale Sagen in der literar. Z. „Čechoslav“ und in den „Pražské noviny“, aber auch in mehreren Büchern. Er arbeitete weiters in der Red. des „Čechoslav“ (1820–25), gab 1822 gem. mit →Václav Rodomil Kramerius die Z. „Dopisovatel pro Čechy“ heraus, 1826 den kurzlebigen „Poutník slovanský“ sowie 1831 und 1836–39 den Kal. „Všeobecný domácí a hospodářský kalendář“. T. zählte in der ersten Hälfte des 19. Jh. mit mehr als 200 Titeln zu den produktivsten Übers. von volksaufklärer. und Unterhaltungsliteratur ins Tschech. Er übers. aus dem Dt. (u. a. Heinrich Clauren, Friedrich Adolph Krumacher, Franz Rittler) und dem Französ. (Alexandre Dumas d. Ä., Alain René Le Sage) Werke, die die kleinbürgerl. Tugenden priesen und die beginnende Emanzipation der unteren Bevölkerungsschichten ausdrückten. T. deckte mit allen Gattungen und Themen das gesamte Spektrum der Literatur ab und trug maßgebl. zur Kultivierung des literar. Geschmacks sowie zur Entwicklung einer neuen tschech. Prosa bei. Von bes. Bedeutung sind seine Übers. von Jugendliteratur (Alexander Friedrich Franz Hoffmann, Albert Ludwig Grimm, Karl Gustav Nieritz, Amalie Schoppe) und von Theaterstücken (August v. Kotzebue, Theodor Körner).

Weitere W. (s. auch LČL): Jaré fialky aneb Příběhové a povídky z dávných i nynějších věků, 1823; Malý gratulant aneb Věneček, 1825; Svatava a Vojmil aneb Panenské vězení na Hrubé Skále, 1831; Viz keř, dcero má, a doufej! anebo Anna Mladějovská a Bohuslav Turovič, 1837; etc.
L.: Pražské noviny, 3., 8. 3. 1857; Moravský národní list, Slovenské noviny (Beil. Světozor), 14. 3. 1857; LČL (m. W.); Otto; Rieger; Wurzbach; Lumír 7, 1857, S. 236f.; Květy 5, 1870, S. 398 (m. B.); F. Vodička, in: Počátky krásné prózy novočeské, 1948, s. Reg.; J. Plch, in: Souhvězdí domova, 1960, S. 91f.; L. Kusáková, in: Zábavné povídky českého obrození, 2005, s. Reg.
(V. Petrbok)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 66, 2015), S. 401
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