Tomssa (Tomsa), Sylvester (Silvester) (1849–1921), Architekt und Bauingenieur

Tomssa (Tomsa) Sylvester (Silvester), Architekt und Bauingenieur. Geb. Mratin, Böhmen (Mratín, CZ), 12. 2. 1849; gest. Wien, 17. 5. 1921; röm.-kath. Sohn des höheren Beamten Theodor T. und von Maria T., geb. Kunerth; ab 1878 verehel. mit Sophie Hanel. – T., der seine Schulzeit wahrscheinl. in Prag absolv. und in Berlin an der dortigen Bauakad. drei Jahre Architektur stud. hatte, setzte seine Ausbildung nach dem Einjährig-Freiwilligen-Jahr 1874–75 an der Ing.schule der TH Wien fort. 1876 erhielt er eine Anstellung als Baupraktikant im Baudepartment der nö. Statthalterei in Wien, wo er bis zu seiner Pensionierung 1912 arbeitete: 1891 Obering., 1901 Oberbaurat, 1909 Vorstand des Hochbaudepartements. Im Rahmen dieser Tätigkeit war T. mit zahlreichen Bauvorhaben der öff. Hand befasst und hatte damit großen Einfluss auf das Baugeschehen. Auch wenn er kaum als Planverfasser auftrat, ist sein Anteil bei den Projekten, an denen er die Bauleitung (die für Modifikationen bei der Ausführung und die Detailplanung verantwortl. war) innehatte, nicht zu unterschätzen. Zu diesen Bauvorhaben zählten etwa das Inst. für Beamtentöchter, 1892–94 (Wien 8), das Versatzamt, 1898–1901 (Wien 1), das Hygieneinst., 1905–08 (Wien 9) und die Höhere techn. Lehranstalt für Chemie, 1907–10 (Wien 17), wobei diese Bauten den Übergang von einem neobarocken Späthistorismus zum Jugendstil reflektieren. T. gehörte zahlreichen Gremien an, u. a. der Komm. für die Abhaltung der 2. Staatsprüfung für das Ing.-Baufach, der Theater-Landes-Komm. für NÖ in Wien, der Prüfungs-Komm. für die Baugewerbe, war Korrespondent der Zentral-Komm. für Erforschung und Erhaltung der Kunst- und hist. Denkmale und ständiges Mitgl. der Wr. Stadterweiterungs-Komm.; weiters war er ab 1879 Mitgl. des Österr. Ing.- und Architektenver. und ab 1908 der Zentralvereinigung der Architekten Österr. Er wurde u. a. Ritter des Franz Joseph-Ordens (1894), Kommandeur des päpstl. Ordens des Hl. Gregor des Großen (1901), Ritter des Leopold-Ordens (1912); 1911 HR.

Weitere W. (s. auch Architektenlex.): Publ.: Die k. k. Versteigerungsanstalt Dorotheum, in: M. Paul, Techn. Führer durch Wien, 1910; etc.
L.: NWT, 19. 5. 1921; P. Kortz, Wien am Anfang des 20. Jh. 2, 1906, s. Reg.; F. Achleitner, Österr. Architektur im 20. Jh. 3/2, 1995, s. Reg.; Architektenlex. Wien 1770–1945 (m. W., nur online, Zugriff 17. 4. 2014); TU, Wien.
(U. Prokop)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 66, 2015), S. 403
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