Toula, Franz Edler von (1845–1920), Geologe, Paläontologe und Mineraloge

Toula Franz Edler von, Geologe, Paläontologe und Mineraloge. Geb. Wien, 20. 12. 1845; gest. ebd., 3. 1. 1920 (begraben: Hinterbrühl, NÖ); röm.-kath. Sohn eines Diurnisten; ab 1871 mit Serafine T., geb. Schneer, verheiratet. – Nach Absolv. der Schottenfelder Realschule stud. T., der in ärml. Verhältnissen aufgewachsen war, 1863–66 am polytechn. Inst. in Wien, wo er die Vorlesungen von →Ferdinand v. Hochstetter besuchte. Daneben war er 1865–66 ao. Hörer an der Univ. Wien bei →Eduard Sueß und dem Chemiker →Josef Redtenbacher; 1870 Lehramtsprüfung für Oberrealschulen in den Fächern Naturgeschichte und Geographie. 1869–72 Ass. Hochstetters am polytechn. Inst. Wien, unternahm T. 1872 gem. mit Sueß eine Forschungsreise nach Italien und begleitete im selben Jahr Hochstetter auf einer solchen durch den Ural. 1872 Prof. für Naturgeschichte und Geographie an der Gumpendorfer Realschule, wurde T. 1873 mit der Diss. „Kohlenkalk-Fossilien von der Südspitze von Spitzbergen“ an der Univ. Rostock zum Dr. phil. prom. 1877 folgte seine Habil. als Priv.Doz. für Paläontol. der niederen Tiere an der TH in Wien, wobei seine Venia legendi 1880 auf Geol. mit bes. Anwendung auf Österr.-Ungarn ausgedehnt wurde. Nachdem er 1878 sowie 1880–81 die Vorlesungen Hochstetters suppl. hatte, erfolgte 1881 seine Ernennung zum ao. und 1884 zum o. Prof. für Mineral. und Geol. an der TH; 1893/94 Rektor, 1890–93, 1896–1900, 1901–04 Dekan der chem. Fak., legte T., der sich lange um die Modernisierung der techn. Ausstattung der TH bemüht hatte, 1904 seine Dekanatswürde aus Protest zurück, als der Neubau von Laboratorien nicht durchgesetzt werden konnte; 1917 emer. Nachdem er sich zunächst der geolog. Erforschung Grönlands und Spitzbergens zugewandt hatte, widmete sich T. – einer österr. Forschungstradition folgend – der Geol. der Balkanhalbinsel. Im Auftrag der k. Akad. der Wiss. in Wien bereiste er 1875 und 1880 den westl., 1884 den zentralen sowie 1888 und 1890 den östl. Balkan-Gebirgszug, wobei er die geolog. und paläontolog. Resultate in den Schriften der Akad. publ. T., der stets für die naturwiss. Erschließung des Orients eintrat, war ein Mitbegründer der 1895 ins Leben gerufenen Ges. zur Förderung der naturhist. Erforschung des Orients (ab 1905 Naturwiss. Orient-Ver.), der er 1905 auch als Obmann vorstand. Forschungsreisen führten ihn 1892 in die Dobrudscha, 1893 in die Bukowina, 1895 an den Bosporus und die Südküste des Marmarameers sowie 1896 und 1897 nach Siebenbürgen. Über die Ergebnisse seiner Balkanstud. berichtete er auf dem IX. Dt. Geographentag (1891) sowie auf dem IX. Internationalen Geologenkongress (1903), die in Wien stattfanden. In seinen späteren Lebensjahren wandte sich T. vermehrt der Erforschung der Paläontol. Österr., bes. der Umgebung Wiens, zu. Generell war T. stets um die Popularisierung seiner geowiss. Erkenntnisse bemüht, weshalb er in zahlreichen Ztg. und Z. ebenso publ. wie er 1875 dem Ver. zur Verbreitung naturwiss. Kenntnisse in Wien beitrat, dessen Geschäfte er von 1886 an 33 Jahre lang als Vizepräs. leitete. T., dessen wiss. Œuvre etwa 500 Werke umfasst, war Mitgl. mehrerer in- und ausländ. Institutionen und Ver., u. a. Mitgl. der k. Leopoldin.-Carolin. Dt. Akad. der Naturforscher in Halle, Korrespondent der Geolog. Reichsanstalt in Wien (ab 1869), der Acad. of Natural Sciences of Philadelphia sowie der Ges. für Erdkde. zu Berlin. Er erhielt den osman. Medschidje-Orden, wurde 1897 zum HR ernannt, 1917 nob. und 1918 mit dem Prädikat „Edler von“ ausgez.

Weitere W. (s. auch Eisenberg; Poggendorff 3–4; Rosiwal, Verhh.): F. T.s wiss. Arbeiten bis zum vollendeten siebzigsten Lebensjahre, 1916.
L.: NWT, 11. 1. 1920; Eisenberg 2 (m. W.); Poggendorff 3–4 (m. W.), 5; A. Rosiwal, in: Verhh. der Geolog. Staatsanstalt 2, 1920, S. 41ff. (m. W.); ders., in: Schriften des Ver. zur Verbreitung naturwiss. Kenntnisse in Wien 60, 1920, S. 13ff. (m. B.); 150 Jahre TH in Wien 1815–1965, ed. H. Sequenz, 1–2, 1965, s. Reg.; H. Zapfe, Index Palaeontologicorum Austriae (= Cat. Fossilium Austriae 15), 1971; A. Tollmann, in: Österr. Osthe. 38, 1996, bes. S. 393ff. (m. B.); AVA, ÖAW, TU, UA, alle Wien.
(J. Seidl)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 66, 2015), S. 419f.
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