Trabert, Wilhelm (1863–1921), Meteorologe

Trabert Wilhelm, Meteorologe. Geb. Frankenberg, Hessen (Frankenberg/Eder, D), 17. 9. 1863; gest. Wien, 23. 2. 1921. Sohn des Juristen und Schriftstellers Adam T. (1822–1914), der ab den frühen 1870er-Jahren bis 1889 als Beamter in der Gen.-Dion. der K. Franz-Josephs-Bahn arbeitete. – Nach Absolv. des Josefstädter Gymn. in Wien stud. T. ab 1882 Mathematik und Physik an der dortigen Univ., vertiefte seine Ausbildung aber auch in Astronomie und Meteorol.; 1888 Dr. phil. Während des Stud. Volontär an der Wr. Univ.sternwarte, wurde er 1888 Volontär, 1890 Ass., 1899 Adjunkt und kurz darauf Sekr. an der Zentralanstalt für Meteorol. und Erdmagnetismus; 1893 Habil. für Meteorol. an der Univ. Wien, 1901 ao. Prof. 1902 wurde T. als Ordinarius für kosm. Physik an die Univ. Innsbruck berufen, wo die Meteorologen Heinrich v. Ficker und Albert Defant zu seinen Schülern zählten. Gem. mit den beiden sowie mit →Felix v. Exner-Ewarten begründete T. die Innsbrucker Meteorolog. Schule. 1908 kehrte T. nach Wien zurück, wurde 1909 o. Prof. für Physik der Erde an der Univ. und folgte Josef Pernter (→Perntner Josef Maria) als Dir. der Zentralanstalt für Meteorol. und Geodynamik nach; 1914 HR, musste er aus gesundheitl. Gründen 1915 i. d. R. treten. T. arbeitete zur Theorie der Luftelektrizität, zum Luftdruck sowie zur Wolkenbildung. Darüber hinaus beschäftigte er sich mit der Diffusion und Absorption von Sonnenstrahlen, mit der Extinktion des Lichts in trübem Medium und der Möglichkeit einer künstl. Beeinflussung des Wetters. Neben Publ. zum österr. Klima finden sich in den 1890er-Jahren einige Artikel in den „Mitteilungen aus den deutschen Schutzgebieten“, die sich mit den klimat. Bedingungen der dt. Kolonien befassen. Seine mehrfach aufgelegte Monographie „Meteorologie“ (1896, 5. Aufl. 1929) bietet eine grundlegende Einführung in dieses Thema. Gem. mit Exner-Ewarten lieferte er den Beitr. „Dynamische Meteorologie“ (1912) für den 6. Bd. der „Enzyklopädie der Mathematischen Wissenschaften“. Dabei fiel es T. zu, v. a. die meteorolog. Grundbegriffe zu beschreiben, während Exner-Ewarten sich mit Zirkulation, Störungen und Schwingungen der Atmosphäre auseinandersetzte. Erwähnenswert ist zudem T.s „Lehrbuch der kosmischen Physik“ (1911), in dem er sich zu einem großen Teil auch der Astronomie widmete. T. war ab 1901 Mitgl. der Dt. Akad. der Naturforscher Leopoldina, ab 1911 k. M. der k. Akad. der Wiss. in Wien sowie Mitgl. der Dt. Meteorolog. Ges. und Sekr. der Österr. Meteorolog. Ges.

Weitere W.: s. Poggendorff 4–5.
L.: NFP, 10. 12. 1909 (A.); RP, 21. 7. 1915; WZ, 25. 2. 1921 (A.); Almanach Wien 71, 1921, S. 174ff.; Eisenberg 2; Inauguration Univ. Wien 1921/22, 1921, S. 46f.; Poggendorff 4–5 (m. W.), 6; Wer ist’s?, 1906, 1909, 1912; Dtld., Österr.-Ungarns und der Schweiz Gelehrte ..., 2. Ausg. 1910 (m. B.); H. v. Ficker, in: Meteorolog. Z. 38, 1921, S. 83ff.; Die Fächer Mathematik, Physik und Chemie an der Phil. Fak. zu Innsbruck bis 1945, ed. F. Huter, 1971, s. Reg. (m. B.); G. Oberkofler – P. Goller, in: 100 Jahre Inst. für Meteorol. und Geophysik (Kosm. Physik) der Leopold-Franzens-Univ. Innsbruck 1890–1990, 1990, S. 21f., 58f.; Ch. Hammerl, in: Die Zentralanstalt für Meteorol. und Geodynamik 1851–2001, ed. dies. u. a., 2001, S. 278; W. Höflechner, Materialien zur Entwicklung der Physik und ihrer „Randfächer“ Astronomie und Meteorol. an den österr. Univ. 1752–1938, 2, 2002; AVA, UA, beide Wien; UA, Innsbruck, Tirol.
(M. Schneider)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 66, 2015), S. 420f.
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