Trauzl, Isidor (1840–1929), Unternehmer, Chemiker und Offizier

Trauzl Isidor, Unternehmer, Chemiker und Offizier. Geb. Alt-Arad, Ungarn (Arad, RO), 13. 8. 1840; gest. Baden (NÖ), 10. 3. 1929; röm.-kath. Sohn eines Rtm., Vater von Isidor T. (geb. Prag, Böhmen / Praha, CZ, 7. 7. 1874; gest. Baden, 30. 8. 1924), Chefarzt von Staatl. Heil- und Kuranstalten; verheiratet mit Melitta T., geb. Foregger zum Greiffenthurn (geb. 1850; gest. 14. 9. 1904), die einem altadeligen Ktn. Geschlecht entstammte. – T. absolv. die Genie-Schulkomp. und anschließend die Genieakad. 1861 wurde er als Lt. 2. Kl. zum Genie-Rgt. Nr. 1 ausgemustert und wirkte als Lehrer an der Rgt.schule. 1866 zum Komp.dienst abkommandiert, nahm er an der Schlacht bei Königgrätz teil. T. erwarb sich Verdienste im Sprengwesen und wurde i. d. F. zum Techn. Militärkomitee nach Wien beordert. 1870–71 lehrte er u. a. Maschinenkde. und Mathematik an der Genie-Kadettenschule in Wien. 1871 zum Hptm. befördert, schied er bereits 1872 aus dem aktiven Dienst aus und wurde in die Res. versetzt. Schon während seiner Militärdienstzeit hatte er sich wiss. mit Sprengstoffen beschäftigt und den Bleiblocktest entwickelt, einen Vergleichstest zur Beurteilung der Explosivkräfte explosionsgefährl. Stoffe. Bei der österr. Heeresverwaltung setzte er die Anschaffung des von Alfred Nobel 1866 entwickelten Dynamits anstelle der Schießbaumwolle durch. Mit Hilfe T.s errichtete die Dynamit Nobel AG, Hamburg, unter maßgebl. Beteiligung des österr. Großindustriellen →August Schram 1868 in Zámky (Praha) die erste Dynamitfabrik der Monarchie. Die Heeresverwaltung beauftragte T. mit der Überwachung dieser gefährl. Produktion. Er erwarb sich dabei solche Fachkenntnisse, dass er in die techn. Leitung des Unternehmens berufen wurde, wobei er sich v. a. um die sicherheitstechn. Einrichtungen bemühte. 1882–92 war T. Gen.dir. der Dynamit Nobel AG in Wien. Er besaß auch ein Sensenwerk bei Gaming und war Vizepräs. der AG für Tiefbohrtechnik und Maschinenbau, vormals T. & Co., einer 1889 als Ing.büro gegr. Fa. mit der ersten Fabrik in Wien-Brigittenau und später mit Wirkungsbereichen in Ungarn, Galizien und Südrussland. T. fungierte 1898–1904 als Gmd.rat der Stadt Baden, hauptsächl. in der Finanzsektion, aber auch in der Kurkomm. und im Bäderbau- sowie im Theaterbaukomitee. 1871 erhielt er das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens.

W.: Explosive Nitrilverbindungen, insbes. das Dynamit, dessen Eigenschaften und Verwendung in der Militär- und Civil-Technik, 1869; Explosive Nitrilverbindungen, insbes. das Dynamit und Schießwolle, deren Eigenschaften und Verwendung in der Sprengtechnik, 2. Aufl. 1870; Dynamite, ihre ökonom. Bedeutung und ihre Gefährlichkeit, 1876; Die Dynamite, ihre Eigenschaften und Gebrauchsweise sowie ihre Anwendung in der Landwirthschaft und im Forstwesen, 1876; Zur Schlagwetter-Frage, 1885.
L.: Badener Ztg., NFP, 13. 3. 1929; S. Heller, Compass. Finanzielles Jb. für Österr.-Ungarn, 1893, S. 435; H. Schück – R. Sohlman, Nobel: Dynamit, Petroleum, Pazifismus, 1928, S. 107, 125, 148; R. Hinkel – K. Landsmann, Floridsdorf von A-Z, 1997, S. 210; R. W. Rosner, Chemie in Österr. 1740–1914, 2004, S. 308; M. Kleinfeld, in: Ein Traum ohne Ende. Beitrr. über das Leben und Wirken A. B. Nobels …, ed. W. Boehart – W. R. Buch, 2004, S. 52; KA, Wien; Rollettmus. – Stadtarchiv, Baden, NÖ.
(J. Mentschl)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 66, 2015), S. 438f.
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