Trefort, Ágoston (August) von (1817–1888), Politiker, Wissenschaftler und Publizist

Trefort Ágoston (August), Politiker, Wissenschaftler und Publizist. Geb. Homonna, Ungarn (Humenné, SK), 7. 2. 1817; gest. Budapest (H), 22. 8. 1888; röm.-kath. Enkel eines aus Wallonien nach Ungarn eingewanderten Militärarztes, Sohn des Ignác T., Kom.arzt in Zemplén, und von Tekla T., geb. Beldovics, Schwager von →Joseph Baron Eötvös; verheiratet mit Ilona Rosty. ‒ T. besuchte die Gymn. von Eperies (Prešov) und Sátoraljaújhely bzw. das Lyzeum von Erlau (Eger) und stud. 1833‒36 an der Pester Univ. Jus. Sein Rechtspraktikum absolv. er an der Bez.tafel von Eperies, ehe er 1837 die Anwaltsprüfung ablegte. 1836‒37 unternahm er eine ausgedehnte Reise durch West- und Nordeuropa, 1837‒39 wirkte er als Beamter der ung. kgl. Kammer. T., der eine enge Freundschaft zu Eötvös pflegte, betätigte sich ab 1839 vermehrt auf wiss. Gebiet. Er galt als Wirtschaftsexperte der liberalen und oppositionellen Zentralisten und publ. zahlreiche Artikel in der diesen nahestehenden Ztg. „Pesti Hírlap“, später auch in dem von Eötvös hrsg. Wochenbl. „Politikai Hetilap“. Am LT 1843/44 nahm er als Abg. der Stadt Altsohl (Zvolen) teil und wurde in den Handelsausschuss gewählt. 1848 avancierte er zum parlamentar. Abg. der Stadt Pest (Budapest) sowie zum Staatssekr. im Min. für Landwirtschaft, Ind. und Handel. Ende September desselben Jahres floh er vor der Revolution mit seiner Familie über Wien nach München, lebte ab April 1849 in Salzburg und kehrte erst im September 1850 wieder nach Ungarn zurück. Zur Zeit des Neoabsolutismus lebte er abgeschieden auf dem Landgut seiner Frau im Kom. Békés. 1860, als die Verfassung temporär wiederhergestellt wurde, wählte man ihn erst zum Vizegespan dieses Kom., dann zum Abg. von Gyoma (Gyomaendrőd; Wiederwahl 1865). Im AH zählte er zur Deák-Partei und nahm als Mitgl. der ung. Verhandlungsdelegation an den Vorbereitungen für den Ausgleich teil. 1872 wurde er als Abg. der Stadt Ödenburg (Sopron) in den RT gewählt und noch im selben Jahr zum Minister für Kultus und Unterricht ernannt. Diese Funktion hatte er bis zu seinem Tod inne, parallel dazu war er 1876‒78 Minister für Landwirtschaft, Ind. und Handel. In seine Amtszeit fiel die Eröffnung der Univ. in Klausenburg (Cluj-Napoca), die Gründung der Musikakad., der TU und der med. Fak. in Budapest und generell eine Modernisierung des ung. Bildungswesens. Geh. Rat T. war Gründungsmitgl. der Kisfaludy-Ges., des Pester Kunstver. (Pesti Műegylet) sowie der Ung. Handelsges. Er wurde 1841 zum k. M., 1874 zum Dir. und 1885 zum Vors. der MTA gewählt sowie 1881 zum Ritter des Ordens der Eisernen Krone I. Kl. ernannt.

W.: Bankügy, 1842; Emlékbeszédek és tanulmányok, 1881; Kisebb dolgozatok az irodalom, közgazdaság és politika köréből, 1882; Reden und Stud., 1883; Újabb emlékbeszédek és tanulmányok, 1887; Essays und Denkreden, 1887; Beszédek és levelek, 1888.
L.: Biograph. Lex. Südosteuropas; Wurzbach; K. Szász, T. Á., 1886; F. Közményi, T. Á. életrajza, 1889; I. Szalay, Visszaemlékezés T. Á., 1909; M. Mann, T. Á. élete és működése, 1982; T. Á. önéletleírása, ed. Cs. Csorba, 1991; A. Urbán, in: Az 1848‒49. évi első népképviseleti országgyűlés történeti almanachja, ed. B. Pálmány, 2002, S. 925ff.
(Z. Fónagy)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 66, 2015), S. 444
<=  S. 1 =>
<=  S. 1 =>