Trenkler, Anton Gustav (1811–1874), Großindustrieller

Trenkler Anton Gustav, Großindustrieller. Geb. Reichenberg, Böhmen (Liberec, CZ), 8. 11. 1811; gest. ebd., 1. 2. 1874; röm.-kath. Sohn von Anton T. (geb. 3. 1. 1787; gest. 30. 11. 1859), Bruder von Wilhelm Ferdinand T. (gest. Wien, 11. 1. 1876), Onkel von Gustav T. (gest. Wien, 12. 9. 1891). – Die Tuchmacherei seines Vaters war Ausgangspunkt von T.s berufl. Laufbahn. Nach seiner Ausbildung unternahm er Reisen ins Ausland, wo er die Notwendigkeit techn. Verbesserungen in seiner Heimat erkannte und i. d. F. die 1835 in Reichenberg gegr. Feintuchfabrik erweiterte. 1840 gründete er mit seinem Bruder die Fa. Anton T.s Söhne und erwarb 1845 die ehemalige Ulbrich’sche Tuchfabrik in Katharinberg (Kateřinky). Ab 1865 errichtete er eine weitere Textilfabrik in Reichenberg. Produziert wurden Feintuche, Satins, Winterpaletotstoffe und speziell für den Export in den Orient und nach Amerika hergestellte Stoffe. Eine Niederlassung der Fa. lag in New York, Vertretungen waren in Leipzig und Hamburg ansässig. Als Stadtverordneter (1851–71) und Stadtrat (1851–65) setzte T. sich für die Errichtung des Stephans-Hospitals sowie die Reorganisation des Armeninst. ein und wirkte an dem 1850 in Kraft getretenen Gmd.statut mit. Bes. engagierte sich T. für die Einrichtung der Reichenberger HK und HGK (1851), die er zwölf Jahre lang bis 1869 als Präs. leitete. Auf Grund dieser Funktion wurde er 1860 zum Mitgl. des Verstärkten RR berufen. Dort sprach er sich gegen höhere Steuern und trotz ung. Eigenständigkeitsbestrebungen für die Einheit der Monarchie aus. 1861 entsandte ihn die HK in den böhm. LT; er verzichtete jedoch 1866 auf dieses Mandat. Verdient machte sich T. auch um die Reichenberger Sparkasse: Anton T. & Söhne zählte zu deren Stiftern. 1845 gehörte T. dem Komitee zur Erstellung der ersten Satzungen an, 1853 wurde er von der konstituierenden Versmlg. des Sparkassever. in die vierköpfige Dion. gewählt. Außerdem war er Dir. der privaten Escompte-Anstalt, der wechselseitigen Reichenberger Fabriken-Assecuranz und Zensor der Filial-Escompte-Anstalt der privilegierten österr. Nationalbank. Als Vizebgm. von Reichenberg (1866–68) musste er sich mit den Folgen des Kriegs von 1866 und der Besetzung der Stadt durch preuß. Truppen auseinandersetzen. Nach der Pariser Weltausst. 1867, bei der er sich für eine angemessene Vertretung der nordböhm. Ind. eingesetzt hatte, wurde er mit dem Komturkreuz des Franz Joseph-Ordens ausgez. Außerdem war er Ehrenhptm. des Reichenberger Schützenkorps. Nach T.s Ableben übernahm Wilhelm Ferdinand T. als Ges. die Fa. Er hatte sie schon vorher in Wien vertreten und war auch Zensor der privilegierten österr. Nationalbank sowie Comité-Mitgl. der Teilnehmer in der nö. Escompte-Ges. Ihm folgte im Familienunternehmen sein Neffe Gustav T. nach.

L.: Reichenberger Ztg., 1., 4. 2. 1874; NFP, 13. 1. 1876, 13. 9. 1891; Exner, Gewerbe und Erfindungen, R. 1, S. 250; Slokar; Wurzbach; H. Hallwich, Reichenberg und Umgebung, 1. Halbbd., 1872, S. 521, 527; Industrielle, ed. A. Eckstein, 1884; Denkschrift über die Entstehung … des Reichenberger Sparkasse-Ver. aus Anlass des 50-jährigen Bestandes …, 1904, S. 8ff., 15, 32, 36, 39, 45; H. Hallwich, in: Dt. Arbeit, MS für das geistige Leben der Dt. in Böhmen 5, 1906, H. 9, S. 26; E. Gierach, in: Mitt. des Ver. für Heimatkde. des Jeschken-Isergaues 21, 1927, S. 153f.; Reichenberg, ed. R. Gränzer, 1974, S. 369; O. Urban, Die tschech. Ges. 1848 bis 1918, 1, 1994, S. 210, 2, S. 1058; J. Kořalka, in: Polen und die böhm. Länder …, ed. P. Heumos, 1997, S. 66; J. K. Hoensch, Geschichte Böhmens, 3. ergänzte Aufl. 1999, S. 351; F. Hantschel, Biographien dt. Industrieller aus Böhmen, o. J., S. 81f.; WStLA, Wien.
(J. Mentschl)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 66, 2015), S. 450
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