Tresić Pavičić, Ante; Ps. Mosorski guslar (1867–1949), Politiker, Diplomat und Schriftsteller

Tresić Pavičić Ante, Ps. Mosorski guslar, Politiker, Diplomat und Schriftsteller. Geb. Verbagno, Dalmatien (Vrbanj, HR), 10. 7. 1867; gest. Split, Jugoslawien (HR), 27. 10. 1949; röm.-kath. Sohn von Anton T. P. – T. stud. 1887–92 Phil., Geschichte und Geographie an der Univ. Wien; 1892 Dr. phil. mit einer Diss. über den Leibniz’schen Determinismus. 1893–96 unternahm er ausgedehnte Reisen nach Frankreich, Italien, Dtld. und Dänemark, ehe er 1897 nach Spalato (Split) zurückkehrte und 1898 nach Agram (Zagreb) übersiedelte. 1905 reiste er in die USA. Bereits als Student war T. Anhänger der von →Ante Starčević gegr. Partei des Rechts sowie der von dieser vertretenen kroat. Staatsrechtsidee bzw. -ideologie und verkehrte in den liberalen Kreisen der Mladi pravaši (Junge Staatsrechtler) um →Ante Trumbić und →Frano Supilo. 1904 zog er als Abg. in den dalmatin. LT und 1906 in den RR ein, wo er sich als ausgez. Redner und aktiver Volksvertreter hervortat. Nach Ausbruch des 1. Weltkriegs wurde T. als polit. Verdächtiger festgenommen und drei Jahre interniert, zuerst in Marburg (Maribor), später in Graz, von wo aus er rechtzeitig vor der Wiedereinberufung des RR 1917 freikam. 1917 unterzeichnete er die Maideklaration des südslaw. Abg.klubs. Im Oktober 1918 wurde er vom Nationalrat der Slowenen, Kroaten und Serben (Narodno vijeće SHS) in Zagreb, dem er angehörte, beauftragt, die in Pola (Pula) stationierten österr.-ung. Kriegsschiffe zu übernehmen, was er im Sinne des von ihm und Admiral Miklós Horty unterschriebenen Übergabeakts auch tat. Nach der Versenkung der „Viribus Unitis“ durch die Italiener Anfang November 1918 protestierte T. bei der Entente, die Verhh. betreffend die Übernahme der restl. österr.-ung. Flotte mit dem französ. Beauftragten Dominique Gauchet auf Korfu blieben jedoch erfolglos. 1919 wurde er zuerst zum Mitgl., später zum Ratgeber der Delegation des Kg.reichs SHS bei der Friedenskonferenz in Paris ernannt, wo er sich in den Verhh. insbes. um eine gerechte Regelung der Westgrenzen des neuen Staats bemühte. Aus einer jugoslaw.-unitarist. Position heraus agierend, wenn auch oft krit. gegenüber Missständen und Korruption, genoss T. das Vertrauen der Machtelite des neuen Regimes und avancierte 1920 zum Botschafter des Kg.reichs SHS in Spanien und Portugal; 1921 Delegationschef bei der Völkerbundkonferenz in Barcelona, 1922 Teilnahme an der Interparlamentar. Handelskonferenz in Lissabon; 1922–27 Botschafter in Washington, D.C. Nach seiner Pensionierung 1931 widmete sich T. ausschließl. der Schriftstellerei, die er zeit seines Lebens betrieb. Enttäuscht von den Verhältnissen im jugoslaw. Staat, dem Vorgehen des Regimes, der polit. Gewalt und den großserb. Hegemoniebestrebungen, sah er seine jugoslaw.-unitarist. Überzeugungen zusehends als illusor. an und kehrte verstärkt zur kroat.-nationalen Haltung seiner Jugendjahre zurück. Sein schriftsteller. Werk umfasst sowohl literar., phil. sowie polit.-hist. Stud. und Rezensionen als auch polit. Schriften, Reisebeschreibungen, Dramen, Romane, Erz., Lyrik und Übers., z. Tl. in von ihm selbst hrsg. Periodika publ. In seinem lyr. Werk verband T. die klassizist. Tradition mit der Volksdichtung. Seine Ged.smlg. „Djuli i sumbuli“ (1900) übte starken Einfluss auf seinen Landsmann Vladimir Nazor aus. Andererseits waren seine „Sutonski soneti“ (1904) von Ivo Vojnović inspiriert. T.s impressionist. Lyrik mit ihren melanchol. Stimmungsbildern stellt den Höhepunkt seines dichter. Schaffens dar. 1895–1907 entstanden Reisebeschreibungen (Dalmatien, Bosnien-Herzegowina, Nordamerika), in die T. sowohl Elemente der altkroat. Dichtung (Zoranić, Hektorović) als auch der Antike (Horaz, Vergil) und von Werken Dantes einfließen ließ. T.s Dramen thematisieren die kroat., röm. und jüd. Geschichte. Als sein bestes und erfolgreichstes Drama gilt „Katarina Zrinska“ (1899), in dem er sich stark antihabsburg. positioniert und für die kroat. staatl. Unabhängigkeit eintritt. In seiner Tetralogie „Finis Reipublicae“ (1902–11) behandelt er die Zeit von Cäsars Konsulat bis zum Ende der Republik, in „Život kralja Hiruda“ (1910) nimmt sich T. eines Themas aus der jüd. Geschichte an. In seinem monumentalen Epos „Gvozdansko“ besingt er die Belagerung der gleichnamigen Festung in den Jahren 1557–58 durch die Osmanen und, eingebettet in dieses Sujet, die kroat. Geschichte von den Anfängen bis zum 16. Jh. T. versuchte sich auch als Romanschriftsteller, doch gelten seine vier Romane als der literar. am wenigsten wertvolle Tl. seines Schaffens.

Weitere W. (s. auch Frangeš, Geschichte; Leks. hrvatskih pisaca): Odabrana djela, 2 Bde., 1999.
L.: I. Perić, A. Trumbić na dalmatinskom političkom poprištu, 1984, S. 63; I. Petrinović, Politička misao F. Supila, 1988, S. 59f., 223; ders., A. Trumbić, 1991, S. 46f., 58; F. Ferluga-Petronio, Cultura classica e italiana nel dalmata A. T.-P. (1867–1949), 1992 (m. B.); T. Ganza-Aras, Politika „novog kursa“ dalmatinskih pravaša oko Supila i Trumbića, 1992, S. 12, 179ff.; Književno djelo A. T. P., ed. I. Frangeš, 1995; ders., Geschichte der kroat. Literatur, 1995, s. Reg. (m. W.); I. Perić, Mladi Supilo, 1996, S. 77; I. Petrinović, Politički život i nazori A. T. P., 1997; Leks. hrvatskih pisaca, 2000 (m. W.); UA, Wien.
(M. Trogrlić – H. Weinberger)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 66, 2015), S. 455f.
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