Treves, Emilio (Salomon Abram); Ps. Piovano, Nemo (1834–1916), Verleger, Journalist und Schriftsteller

Treves Emilio (Salomon Abram), Ps. Piovano, Nemo, Verleger, Journalist und Schriftsteller. Geb. Triest, Freie Stadt (Trieste, I), 31. 12. 1834; gest. Mailand (Milano, I), 30. 1. 1916; mos. Sohn des Rabb. Sa(b)bato Graziadio T. (s. u.) und dessen 2. Frau Lea (Lia) Montalcini (geb. Asti, Kg.reich Italien/I, 14. 12. 1806), Bruder des Juristen und italien. Vizekonsuls in Wien Michele T. (geb. um 1825) und des Verlegers Giuseppe (Pepi) T. (geb. Triest, 1838; gest. Mailand, 5. 9. 1904), Vater von Maria T. (geb. 30. 9. 1864), Onkel des Verlegers Guido T. (geb. 1875; gest. 13. 5. 1932); ab 1863 verheiratet mit Susanna (Susette) Thompson. – T. absolv. das Gymn., ein Stud. lässt sich – trotz der gelegentl. Titulierung als „dottore“ – nicht nachweisen. Bereits als Jugendlicher verf. er das Stück „Richezza e miseria“ (1848 oder 1851), es folgte das hist. Drama „Il duca d’Enghien“ (1853), das aus Zensurgründen jedoch nicht aufgef. werden konnte. T., der sich an antiösterr. Aktionen beteiligte, verließ 1854 Triest in Richtung Paris, wo er Italien.unterricht erteilte und an der Erstellung von italien.-französ. Wörterbüchern mitwirkte. Er frequentierte Salons, Literaturcafés und Theater und begann sich für das Ztg.wesen zu interessieren. Nach dem Tod des Vaters kehrte T. nach Triest zurück und gründete mit Giuseppe Corradi die Z. „L’anello“, die volksbildner. Ziele verfolgen sollte. Die ersten beiden Nr. wurden jedoch beschlagnahmt und T. stieg, bedingt durch die anhaltende Zensur, Ende 1856 als Teilhaber und Mitautor aus dem Projekt aus. Nach kürzeren Aufenthalten in Paris, Fiume (Rijeka) und Udine ließ er sich 1858 in Mailand nieder. Er arbeitete vorerst bei der „Gazzetta Ufficiale di Milano“, wechselte dann jedoch zur literar.-humorist. Z. „Uomo di pietra“. Für die geplante Z. „Gazzetta d’Italia“ erarbeitete er ein Leitprogramm, worauf die österr. Zensur das Erscheinen des Bl. verhinderte. 1859 zog T. freiwillig in den Unabhängigkeitskrieg und kehrte aus diesem als Unteroff. zurück. I. d. F. gründete er den Verlag Editori della Biblioteca Utile, eine Reihe von Z. (u. a. „Museo di famiglia“, „Il giro del mondo“, „L’Illustrazione popolare“) sowie die Tagesztg. „Corriere di Milano“, die ihrem Chefred. Eugenio Torelli Viollier später bei der Gründung des „Corriere della Sera“ als Vorbild diente. Ein bes. Wurf gelang T. mit der 1873 erstmals veröff. Wochenz. „La Nuova illustrazione universale“ (ab 1876 „L’Illustrazione italiana“), die ein breites Themenspektrum (Politik, Kunst und Kultur, Reiseberr., Mode etc.) abdeckte und sich als eine der ersten Z. Italiens des Mediums Photographie bediente. Während der 1881 in Mailand stattfindenden Weltausst. brachte er eine eigens diesem Anlass gewidmete Ztg. heraus („Milano e l’Esposizione“). Ab 1872 trat ihm sein Bruder Giuseppe T., der schon zuvor mit ihm zusammengearbeitet hatte, definitiv als Teilhaber zur Seite. Dem nun Fratelli T. genannten Verlag gelang es in relativ kurzer Zeit, eine Reihe führender italien. Schriftsteller (z. B. D’Annunzio, De Amicis, Deledda, Pirandello, Verga) an sich zu binden. Daneben finden sich auch Übers. von Klassikern der Weltliteratur sowie Sach- und Reisebücher für die breite Leserschaft im Sortiment, etwa in den R. „Biblioteca amena“, „Biblioteca utile“, „Biblioteca dei viaggi“ etc., die teils hunderte Titel umfassten. Nach Giuseppe T.’ Tod wurde der Verlag in eine Kapitalges. umgewandelt. Das äußerst erfolgreiche Unternehmen kaufte sich ab 1906 auch in andere Verlage ein. T., der im Bereich des italien. Urheberrechts ebenfalls Pionierarbeit leistete, erwarb sich nicht zuletzt um die Volksbildung Verdienste, indem er günstige, für breite Bevölkerungskreise erschwingl. Buchausg. in hohen Aufl. auf den Markt brachte. Teile seines Nachlasses werden in Mailand (LombardiaBeniCulturali, Archivi storici) aufbewahrt. Sein Vater Sab(b)ato Graziadio T. (geb. Vercelli, Kg.reich Sardinien/I, März 1780; gest. Turin, Kg.reich Sardinien / Torino, I, 24. oder 25. 6. 1856), Sohn des Großrabb. von Casale Monferrato Michele Vita T. und der Sara Levi, begegnet bereits um 1800 als Rabb. und Lehrer der jüd. Gmd. in Asti. 1820–33 fungierte er als Oberrabb. sämtl. Gmd. des Piemont in Turin, ab 1833 als jener von Triest. Mehrere seiner Huldigungsreden aus Anlass k. Geburtstage (1838, 1841, 1854) erschienen im Druck, ebenso eine Trauerrede auf K. →Franz II. (I.) (1835, jeweils auf Italien.).

W.: s. Grillandi.
L.: L’Illustrazione italiana, 6. 2. 1916 (m. B.); Wurzbach; Dizionario biografico degli scrittori contemporanei 2, 1880; R. Simoni, Gli assenti, 1920, S. 347ff.; M. Grillandi, E. T., 1977 (m. B. u. W.); I. Caliaro, L’amorosa guerra. Aspetti e momenti del rapporto G. d’Annunzio – E. T., 2001; L. Gasparini – O. Piccolo, in: LombardiaBeniCulturali, Archivi storici (m. B., nur online, Zugriff 23. 9. 2014); Lo straordinario percorso editoriale dei fratelli Giuseppe ed E. T. (nur online, Zugriff 23. 9. 2014); Comunità ebraica di Trieste, I. – Sab(b)ato Graziadio T.: L. Cantoni, Orazione funebre di S. G. T. ..., 1856; Mitt. Marco Luzzati, Torino, I.
(H. Bergmann)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 66, 2015), S. 460f.
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