Trientl, Adolf (1817–1897), Lehrer, Seelsorger und Naturwissenschaftler

Trientl Adolf, Lehrer, Seelsorger und Naturwissenschaftler. Geb. Oetz (Tirol), 26. 8. 1817; gest. Umhausen (Tirol), 6. 3. 1897. Sohn des Landarztes Franz T. und der Bauerntochter Maria T., geb. Kluibenschedl, Bruder von (Johann) Tobias T. (s. u.). – Nach Abschluss des Franziskanergymn. in Hall in Tirol 1835 trat T. in den Jesuitenorden ein und verbrachte sein Noviziat in Graz, Linz und Innsbruck, wo er 1841–45 auch am Gymn. unterrichtete. Im Anschluss an seine Priesterweihe in Innsbruck 1845 wirkte T. als Lehrer für Physik und Mathematik an einem adeligen Konvikt des Jesuitenordens in Lemberg (L’viv). Im Revolutionsjahr 1848 von dort vertrieben, kehrte er in die Heimat zurück, wurde 1849 Hilfspriester in Inzing, 1850 Kooperator in Heiterwang und 1851 in Umhausen. In diesem Jahr trat er aus dem Jesuitenorden aus und begann am Gymn. Stella Matutina in Feldkirch Mathematik und Physik zu unterrichten. Als dieses 1856 den Jesuiten zurückgegeben wurde, musste T. die Schule verlassen und wurde Kurat in Obergurgl, wo er eine (bis 1930 von seinen Nachfolgern weitergeführte) Chronik begann, zahlreiche Neuerungen, darunter die Installierung einer Heizung in der Kirche, einführte und naturwiss. Stud. betrieb. So war er der Erste, der eine plausible Föhntheorie aufstellte. 1864 wurde er nach Gries (Längenfeld) versetzt. Von dort aus startete er seine ersten beiden Lehrwanderungen durch Tirol, die von Kn. →Karoline Auguste finanziert wurden. 1871 wurde T. 2. Waldaufscher Kaplan in Hall, 1895 zog er als Aushilfspriester nach Köfels bei Umhausen, wo er schon 1859 ein Bimssteinvorkommen entdeckt hatte. T. war nicht nur Experte für Düngerwesen, was ihm den Spitznamen „Mistapostel“ einbrachte, sondern widmete sich als Wanderlehrer der Bildung der Bevölkerung und verbreitete seine fortschrittl. Kenntnisse auf dem Gebiet der Tierzucht, des Pflanzenbaus, der Forstwirtschaft sowie der Wildbach- und Lawinenverbauung. Er trat gegen das damals weit verbreitete Schneiteln, das Abhacken von lebenden Ästen von Nadelbäumen zur Viehstreugewinnung, ein, bekämpfte die mangelnde Hygiene in der Milchwirtschaft sowie die Geringschätzung der sog. Goldtinktur, der Jauche. T. verf. unzählige Artikel für die „Landwirtschaftlichen Blätter“, für verschiedene andere Z. und Ztg. sowie für mehrere Kal. Von seinen Monographien verdienen „Die Düngung der Bergtriften“, 1863, „Grundsätze der Düngung“, 1867, „Die Verbesserung der Alpen-Wirthschaft“, 1870 (übers. ins Italien. und Slowen.), „Die Landwirthschaft in den Gebirgsländern“, 1. H. 1884, 2. H. 1892, „Die Waldstreu“, 1891, „Die Waldwirthschaft in den Alpenländern insbesondere in Tirol“, 1893, und „Der Sparkocher“, 1894, Erwähnung. 1865 wurde er mit dem goldenen Verdienstkreuz mit der Krone ausgez. Sein Schaffen war lange in Vergessenheit geraten, anlässl. seines 150. Geburtstags erinnerte man sich erstmals wieder an ihn. Sein Bruder (Johann) Tobias T. (geb. Oetz, 10. 3. 1822; gest. Hall in Tirol, Tirol, 15. 1. 1893) besuchte ab 1834 das Gymn. in Hall, danach stud. er Theol. in Brixen (Bressanone); 1847 Ordination. I. d. F. wirkte er als Priester in Nassereith, Breitenwang, Fließ, Flirsch, Ehrwald, Bach im Lechtal und Pfunds. Im Juli 1876 wurde er zum Stadtpfarrer von Hall ernannt, zur Bewerbung um diese Stelle war er vom liberalen Gmd.rat aufgefordert worden. Bei der Bevölkerung beliebt, wurde Tobias T. jedoch nie Dekan, was mit der Gegnerschaft konservativer Kreise in der kirchl. Obrigkeit erklärt wird. Er schrieb Chroniken für die Pfarren Bach, Pfunds und Hall, wobei Letztere vier Bde. umfasst. Unterstützt wurde er darin durch →Ludwig Frh. v. Hohenbühel, der unter der Anleitung von Tobias T. ein 14-bändiges „Haller Familien- und Sterbebuch“ anlegte.

Weitere W.: s. A. T. Dokumentation der Landeslandwirtschaftskammer für Tirol, 8 Bde., 1992.
L.: Innsbrucker Nachrichten, 14. 7. 1865; Die Presse, 5. 11. 1992 (m. B.); Sbg. Nachrichten, 26. 5. 1993 (m. B.); Tiroler Sonntag, 25. 4. 2010 (m. B.); Der Mistapostel, ed. W. Hofinger, 1992 (m. B., auch für Tobias T., S. 11); ders., in: Der Förderungsdienst 40, 1992, S. 133ff. (m. B.); A. T. Priester Wanderlehrer „Mistapostel“, ed. H. Jäger, Oetz 1992 (Kat., m. B., auch für Tobias T., S. 5, 11); G. Pfaundler-Spat, Tirol-Lex., neubearb. Aufl. 2005; H. Haid, Neues Leben in den Alpen, 2005, S. 26ff. (m. B.); W. Hofinger, in: Tiroler Heimatbll. 1, 2010, S. 29ff. (m. B.); Pfarramt Oetz, Tiroler Landesmus. Ferdinandeum, Innsbruck, beide Tirol. – (Johann) Tobias T.: E. M. Höck, Tiroler Kleriker als Geschichtsforscher über die Geschichte Tirols (1870–1914), phil. Diss. Innsbruck, 1972, S. 464ff.; Pfarramt Oetz, Tirol.
(W. Hofinger – H. Bergmann)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 66, 2015), S. 463
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