Triesnecker, Franz de Paula (1745–1817), Astronom und Theologe

Triesnecker Franz de Paula, SJ, Astronom und Theologe. Geb. Mallon (Kirchberg am Wagram, NÖ), 2. 4. 1745 (Taufdatum); gest. Wien, 29. 1. 1817; röm.-kath. Sohn des Bauern und Weinhändlers Leopold Driesen Ecker und von seiner Frau Elisabeth, geb. Dusl. – Nach Privatunterricht und Schulausbildung vermutl. in Krems trat T. 1761 in den Jesuitenorden ein, wurde 1762 Novize und stud. ab 1764 alte Sprachen in Skalitz (Skalica), wo er auch als Hilfslehrer für geisteswiss. Fächer tätig war. 1765–66 stud. er Phil. am Jesuitenkollegium in Wien sowie 1767–68 Mathematik und Sprachen in Tyrnau (Trnava). Daneben lehrte er dort Mathematik und Ing.wiss. 1769 unterrichtete er in Krems an der Donau, 1770–71 am Collegium Nordicum in Linz. Dort begann er gem. mit →Franz de Paula v. Schrank botan. Forschungen und knüpfte wichtige Kontakte zum Stift Kremsmünster. Ab 1771 stud. T. Theol. in Wien sowie ab 1773 in Graz, wo er 1774 zum Priester geweiht wurde; 1775 Dr. phil. (1785 auch Dr. phil. in Wien). Ab 1780 war T. an der Wr. Univ.sternwarte zunächst als Adjunkt angestellt, 1792–1817 fungierte er dort als Dir. Als Landvermesser führte er 1796 im westl. Galizien gem. mit →Ignaz Metzburg Gradmessungen durch und war zudem maßgebl. an der nö. Landvermessung 1798 beteiligt, für die →Anton Pilgram das entsprechende Datenmaterial lieferte, auf dessen Basis eine neue Karte erstellt wurde. 1811–15 beobachtete T. Planetenfinsternisse sowie Sternbedeckungen und führte Längenbestimmungen durch. Da sich die Beobachtungsbedingungen auf der Sternwarte in Wien als nicht ideal erwiesen, bemühte sich T. mehrere Jahre lang – allerdings vergebl. – um einen Neubau. Von seinen Schriften bildete seine 1781 veröff. Beobachtung „Austritt des Jupitertrabanten I am 17. Mai 1781“ den Anfang, Publ. überarbeiteter Bahndaten von Mond (1803), Mars (1805) und Merkur (1806) folgten. Hervorzuheben sind zudem seine Beschreibungen verschiedener Sternwarten. Weiters fungierte T. als Mitarb. und 1769–71 als Mithrsg. der „Wiener Ephemeriden“ sowie 1787–92 als Mithrsg. und 1792–1806 als hauptverantwortl. Hrsg. der „Ephemerides astronomicae …“. Gem. mit →Johann Tobias Bürg verf. er Abhh. für Johann Elert Bodes „Berliner Astronomisches Jahrbuch“ sowie Franz Xaver Frh. v. Zachs „Monatliche Correspondenz zur Beförderung der Erd- und Himmels-Kunde“. T. war Mitgl. der mähr.-schles. Ges. zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskde., auswärtiges Mitgl. der gelehrten Ges. von Göttingen, Prag, Breslau (Wrocław), München und St. Petersburg und erhielt 1809 das Kleinkreuz des Leopold-Ordens. Ein Mondkrater ist nach ihm benannt.

Weitere W.: s. Kastner-Masilko, 2005.
L.: ADB; Poggendorff 1; Wurzbach; W. Goldinger, in: FS zum hundertjährigen Bestand des Ver. für Landeskde. von NÖ und Wien 1, 1964, S. 518; G. Schwarz, Die phil. Fak. der Univ. Wien von 1740–1800 …, phil. Diss. Wien, 1966, S. 129f.; N. Pärr, Wr. Astronomen, ihre Tätigkeit an Privatobservatorien und Univ.sternwarten, phil. DA Wien, 2001, S. 41ff.; W. Höflechner, Materialien zur Entwicklung der Physik und ihrer „Randfächer“ Astronomie und Meteorol. an den österr. Univ. 1752–1938, 2, 2002; H. Kastner-Masilko, F. de P. T. 1745–1817 …, 2005 (m. W.); ders., in: Der Sternenbote 50, 2007, S. 106ff.; Biographical Enc. of Astronomers, 2007; H. Kastner-Masilko, in: Communications in Asteroseismology 149, 2008, S. 31ff.; Archiv der Österr. Prov. der Ges. Jesu, UA, beide Wien; Pfarramt Kirchberg am Wagram, NÖ.
(N. Pärr – P. Svatek)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 66, 2015), S. 463f.
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