Trost, Johann (Johann Nepomuk) (1789–1867), Kunsthistoriker und Bibliothekar

Trost Johann (Johann Nepomuk), Kunsthistoriker und Bibliothekar. Geb. Aschaffenburg, Mainz (D), 16. 5. 1789 (Taufdatum); gest. Wien, 8. 2. 1867. Sohn des Ratsherrn Anton T. und von Eva Margarethe T., geb. Schüler; ab 1835 verheiratet mit Marie Antonie Sartori, Tochter des gräfl. badischen Notars und Landamtsrevisors Anton Sartori. – T. stud. ab 1806 Phil. und Rechtswiss. an der Univ. Aschaffenburg; 1810 Dr. phil. 1810–30 arbeitete er in Österr. als Erzieher der Söhne von Ernst Josef Gf. Laktanz v. Kuenburg und unternahm Stud.reisen nach Dtld., Italien und Frankreich (1831–32 hielt er sich in Paris auf), wobei er nach eigenen Angaben an einer vierbändigen Naturlehre arbeitete. 1835 wurde er als Bibliothekar mit gleichzeitiger Lehrverpflichtung an die Wr. ABK berufen und war – nach einer Neuorganisation der Verwaltung (bis 1833 waren alle Ämter im ständigen Sekr. der Akad. →Josef Ellmaurer vereinigt) – der erste Bibliothekar und Kustos der angeschlossenen Graphiksmlg., des heutigen Kupferstichkabinetts. T. wirkte 1835–50 als Prof. für Theorie und Geschichte der bildenden Kunst, der allg. Geschichte und Kulturgeschichte und stellte den theoret. Kunstunterricht in wesentl. erweiterter Form auf eine wiss. Basis. 1850 wurde seine Lehrverpflichtung auf das Fach allg. Geschichte beschränkt, er selbst im selben Jahr zugunsten von →Rudolf v. Eitelberger-Edelberg von den Vorlesungen dispensiert; 1866 i. R. Bes. Verdienste erlangte T. durch seine „Proportionslehre mit einem Kanon der Längen- Breiten- und Profilmaase aller Theile des menschlichen Körpers“, 1866, worin er die Idealmaße des menschl. Körpers aus antiken Kunstwerken ableitete und sie damit für die Theorie und Praxis der Kunst zugängl. machte. T. war ab 1842 o. Mitgl. des nö. Gewerbever.

Weitere W. (s. auch Wurzbach): Der Umbau der oberen Pyramide des Stephansthurmes, in: Allg. Bauztg. 8, 1843; Die Gemälde-Gallerie des freiherrl. v. Bruckenthal’schen Mus. in Hermannstadt, in: Oesterr. Bll. für Literatur und Kunst 2, 1845; Der Dom des hl. Markus in Venedig …, in: Oesterr. Bll. für Literatur, Kunst, Geschichte, Geografie, Statistik und Naturkde. 4, 1847; Die Proportionslehre Dürer’s nach ihren wesentl. Bestimmungen …, 1859; etc.
L.: NFP, 10., WZ, 12. 2. 1867; Zellner’s Bll. für Theater, Musik und bildende Kunst, 12. 2. 1867; ADB; Wurzbach (m. tw. W.); W. Wagner, Die Geschichte der ABK in Wien, 1967, s. Reg.; ABK, Wien.
(E. Schober)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 66, 2015), S. 472f.
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