Trstenjak, Davorin (1817–1890), Schriftsteller, Sprachwissenschaftler und Geistlicher

Trstenjak Davorin, Schriftsteller, Sprachwissenschaftler und Geistlicher. Geb. Kralofzen, Stmk. (Kraljevci, SLO), 8. 11. 1817; gest. Altenmarkt, Stmk. (Slovenj Gradec, SLO), 3. 2. 1890; röm.-kath. Sohn des Bauern Anton T. und von Marija T., geb. Korošak. – T. besuchte das Gymn. 1830–36 in Marburg (Maribor), absolv. danach das Lyzeum in Graz und schloss seine phil. Stud. 1840 in Agram (Zagreb) ab. Nach dem Priesterseminar in Graz (Priesterweihe 1844) wirkte er als Kaplan in verschiedenen untersteir. Pfarren, 1850–61 als Kaplan in Marburg und Lehrer für Religion, Slowen. und Geschichte am dortigen Gymn., 1861–68 als Pfarrer in St. Georgen an der Südbahn (Šentjur pri Celju), 1868–79 in Ponigl (Ponikva) und 1879–90 in Altenmarkt. Während seiner Zeit am Grazer Lyzeum gehörte T. dem Kreis der Illyristen um Stanko Vraz an, leitete dessen 1838 gegr. Slaw. Lesever. (Slovanska čitalnica), wirtschaftete diesen jedoch aus Unerfahrenheit in einem Jahr herunter. Nach der Priesterweihe unterzog er sich privat jahrelangen sprachvergleichenden Stud. und veröff. i. d. F. Beitrr. zur Etymol., Geschichte, Mythol., Volkskde. und Archäol. in slowen., dt. und kroat. Sprache, u. a. in „Slovenija“, „Südslavische Zeitung“, „Union“ (Prag), „Drobtinice“ und →Janez Bleiweis’ „Novice“. Bereits ab den späten 1840er-Jahren war er auch mit Novellen und humorist. Texten hervorgetreten, zunächst u. a. in →Anton Janežič’ „Slovenski glasnik“. Kath.-liberal, schrieb er darüber hinaus in den 1860er-Jahren für Miroslav Vilhars „Naprej“, für →Andrej Einspielers „Slovenec“ und für den liberalen „Slovenski narod“. Als Kaplan in Pettau (Ptuj), 1848–49, sammelte er Unterschriften für →Matija Majars Programm eines Vereinten Slowenien (Zedinjena Slovenija). Am Marburger Gymn. gründete er eine slowen. Bücherei und unterrichtete Lehramtskandidaten unentgeltl. in Slowen. und Phil.; wegen seines nationalen Engagements wurde er letztl. gekündigt. 1863 war er Mitbegründer der Slovenska matica. 1872 initiierte er die Gründung des ersten slowen. Schriftstellerverbands, den er auch leitete, und gründete die literar. Z. „Zora“ sowie 1881 gem. mit →Gregor Krek und →Jakob Sket die Klagenfurter literar. und wiss. Z. „Kres“. Der produktive und engagierte T. verfocht fast vier Jahrzehnte lang die These vom autochthonen Ursprung der Slowenen in den slowen. Ländern (die sog. Veneter-Theorie), die er mithilfe kurioser Etymol. zu untermauern versuchte. Als Belletrist erlangte er keine nennenswerte Bedeutung. Bleibende Spuren im slowen. Kulturleben hinterließ er v. a. als Organisator.

W.: Kdo so bili Ambidravi, in kdo je sozidal starodavni mesti Virunum in Teurnia, Kelti ali Venedi?, 1853; Slovenski Leander, in: Novice 1, 1860 (Neuausg. 1952); Triglav, mythologično raziskavanje, 1870; U radu je spas, 1885.
L.: Osebnosti; SBL; Wurzbach; A. Fekonja, D. T., slovenski pisatelj, 1887; J. Glonar, in: Slovan 15, 1917, S. 266ff.; F. Petrè, Poskus ilirizma pri Slovencih (1835–49), 1939, S. 163ff., 312, 366; J. Rotar, in: Jezik in Slovstvo 4, 1958, Nr. 1, S. 12ff.; L. Legiša, Zgodovina slovenskega slovstva 2, 1959, S. 166f., 214f. (m. B.); J. Šedivý, in: Časopis za zgodovino in narodopisje, NF 6, 1970, S. 70ff.; M. Vončina, in: Koroški zbornik 1, 1995, S. 134ff.; I. Grdina, in: Slovenska kronika XIX. stoletja 3, 2003, S. 141f.; S. Granda, in: Graz und Slowenen / Gradec in Slovenci, 2011, S. 145ff.; Mariborski biografski leks. (m. B., online, Zugriff 13. 8. 2014).
(E. Köstler)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 66, 2015), S. 474
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