Tschapeck, Hippolyt (1825–1897), Zoologe

Tschapeck Hippolyt, Zoologe. Geb. Wien, 4. 10. 1825; gest. ebd., 11. 12. 1897. Vater der Schriftstellerin Lydia T. – Nach dem ersten Unterricht in der Privat-Erziehungsanstalt Ignaz Kron in Erdberg (Wien 3) besuchte T. das Schottengymn., wechselte jedoch zur Ablegung der Phil.prüfung nach Nikolsburg (Mikulov) und lebte danach einige Zeit in Brünn (Brno). Ein rechtswiss. Stud. an der Univ. Wien und das damit verbundene Doktorat (1848) sind nicht nachweisbar. Im selben Jahr schloss er sich der Revolution an und nahm als Mitgl. der Akadem. Legion an den Kämpfen teil. T. begann eine Auditorenlaufbahn, wurde kurzfristig als Oblt. nach Prag versetzt, lebte i. d. F. aber wieder in Wien und avancierte zum Hptm.-Auditor. Aufgrund seiner naturwiss. Interessen ließ er sich frühzeitig vom Militärdienst pensionieren und zog nach Graz. Er begann sich mit dem Käfervorkommen v. a. in NÖ und in der Stmk. zu beschäftigen und legte eine ansehnl. Smlg. an, die durch regen Tauschverkehr mit Spezialisten im In- und Ausland rasch vergrößert wurde. Auf der 48. Versmlg. dt. Naturforscher und Ärzte in Graz 1875 nutzte er die Gelegenheit, neue Kontakte zu Kollegen zu knüpfen. Er wandte sich nun insbes. dem Fachgebiet der Malakol. zu. Mit Ausdauer sammelte er in den verschiedenen Landesteilen der Stmk. Schnecken, legte eine umfangreiche Smlg. an und veröff. seine Untersuchungen in mehreren Abhh. im „Nachrichtenblatt der Deutschen Malakozoologischen Gesellschaft“. T., der heute als Pionier in der Erforschung der Schnecken- und Muschelfauna der Stmk. angesehen wird, übersiedelte 1887 aus familiären Gründen wieder nach Wien, wo er seine malakolog. Untersuchungen in der näheren und weiteren Umgebung der Stadt fortsetzte. Sein Name ging mit den Bezeichnungen Pagodulina tschapecki, Bythiospeum tschapecki, Limax tschapecki und Mediterranea tschapecki für Schneckenarten sowie Euthiconus tschapecki für einen Kurzflügelkäfer in die naturwiss. Nomenklatur ein. T.s Conchylien-Smlg. wurde vom Naturhist. Hofmus. in Wien angekauft, Dubletten seiner steir. Aufsmlgg. gelangten an das Joanneum in Graz. T. war ab 1860 Mitgl. des Entomolog. Ver. zu Stettin.

W.: s. Kreissl – Frantz.
L.: Tagespost (Graz), 7. 4. 1898; Eisenberg 2; E. Kreissl – K. Frantz, in: Mitt. der Abt. für Zool. am Landesmus. Joanneum in Graz 48, 1994, S. 73ff. (m. B. u. W.); Naturhist. Mus., UA, beide Wien.
(V. Stagl)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 66, 2015), S. 483
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