Tschinkel, Emanuel (1814–1871), Großindustrieller

Tschinkel Emanuel, Großindustrieller. Geb. Schönfeld, Böhmen (Krásné Pole, CZ), 1. 1. 1814; gest. Kreibitz, Böhmen (Chřibská, CZ), 5. 7. 1871. Sohn von →August T., Vater von Raimund T. und Theodor T. (s. u.), Bruder von →Anton T. d. J. und Franz T. – T. war in den Firmen T. neben seinem Bruder die treibende Kraft. Als Co-Chef von August T. Söhne sowie Brüder T. zeichnete er nicht nur für deren Ausbau verantwortl., sondern führte den Anbau von Zichorienwurzeln en gros in Österr. ein und förderte nach einem erfolgreichen Versuch mit der Magdeburger Zuckerrübe 1844 den Zuckerrübenanbau im Böhm. Mittelgebirge bei Lobositz (Lovosice). Auf ihn geht weiters die Gründung der Oberkreibitzer-Schönfelder Freiwilligen Feuerwehr mit 200 Mann zurück, die auch seine Betriebe vor Ort schützte. Er förderte den Bau der böhm. Nordbahn und damit den Anschluss der T.schen Firmen an das internationale Eisenbahnnetz. Nach Inbetriebnahme der Strecke 1869 kaufte T. Gf. Kinsky ein großes Grundstück ab, ließ ein Restaurant im Schweizer Stil sowie einen Musikpavillon, Stallungen, einen großen Park und ein etwa 11 ha großes Tiergehege errichten. Daraus entwickelte sich ein weithin bekannter Sommerfrische-Ort, Klein Semmering (Malý Semerink). Nach dem Tod T.s, der das Unternehmen schwer traf, trat sein ältester Sohn Raimund T. in den Familienbetrieb ein. Ein weiterer Sohn, Theodor T. (geb. Schönfeld, 13. 6. 1844; gest. Kreibitz, 5. 7. 1905), gründete die KG August T. Söhne, die ab 1881 den Titel k. u. k. Hoflieferant führen durfte, bis 1903 mit Schokoladen- und Kanditenfabriken in Schönfeld, Wien und Laibach bestand und dann von der Schokolade- und Zuckerwarenfabrik AG, Lobositz, übernommen wurde.

L.: Tagesbote aus Böhmen, 7., Leitmeritzer Ztg., 15. 7. 1871; Wurzbach; Biograph. Lex. der Wr. Weltausst. 1873, ed. M. Engel – Rotter, 1873, S. 116ff.; Album der Ind. des Reichenberger HK-Bez. ed. A. Anschiringer, 1885, 1, S. 27, 2, S. 18, 26; F. Hantschel, Biographien dt. Industrieller aus Böhmen, o. J., S. 83.
(J. Mentschl)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 66, 2015), S. 488
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