Tull, Ödön (Edmund) (1870–1911), Maler

Tull Ödön (Edmund), Maler. Geb. Stuhlweißenburg (Székesfehérvár, H), 9. 5. 1870; gest. Budapest (H), 15. 9. 1911; mos. Nach Besuch des Gymn. in seiner Heimatstadt lernte T. vorerst in einer Tischlerwerkstatt und ging dann nach Budapest, wo er als Lithograph bei dem Verleger →Károly Légrády arbeitete. Mit Hilfe des Mór-Wahrmann-Stipendiums stud. er schließl. bis 1899 an der Budapester Landes-Muster-Zeichenschule u. a. bei Gyula Aggházy, dann ein Jahr lang in Mailand an der Accad. di Belle Arti di Brera und 1896 in Paris an der Acad. Julian. Daneben unternahm er Stud.reisen nach Italien, England, Holland, Frankreich und Afrika. T. nahm bereits nach 1891 mit seinen Aquarellen regelmäßig an Ausst. der Kunsthalle in Budapest teil und präsentierte später seine Werke auch in Paris, München, London und Wien. Er spezialisierte sich auf Darstellungen aus dem ung. Volksleben sowie Pleinair-Landschaften und wurde für seine Arbeiten mit mehreren Preisen ausgez. Große Popularität erreichte er mit seinen Illustrationen für Wochenbll. und Bücher des Verlags Singer és Wolfner (z. B. J. Szalay – L. Baróti, A magyar nemzet története, 1895). T., der völlig unerwartet relativ jung verstarb, gehörte ab 1899 der Freimaurerloge Deák Ferenc an und zählte 1910 zu den Begründern des Ver. der ung. Aquarell- und Pastellmaler (A Magyar Aquarell- és Pastellfestők Egyesülete). 1912 organisierte die Kunsthalle Budapest eine Ausst. mit Werken aus seinem Nachlass. Einige Gemälde davon – z. B. „Markt in Tunis“ – wurden von der Ung. Nationalgalerie (Magyar Nemzeti Galéria, Budapest) angekauft, das große Ölgemälde „Oberst Simonyi auf der brennenden Brücke von Arcole“, 1900, befindet sich im Militärhist. Mus. (Hadtörténeti Múz.), Budapest.

L.: Pester Lloyd, 15., 16. (beide A.), 18. 9. 1911; NFP, 16. 9. 1911; Das geistige Ungarn; Jew. Enc.; M. Életr. Lex.; M. Zsidó Lex.; Művészeti Lex. I, II; Thieme–Becker; ÚMÉL; Wininger; Művészet 10, 1911, S. 343ff. (m. B.).
(N. Veszprémi)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 66, 2015), S. 508
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