Turbain, Carl d. Ä. (1823–1886), Erzgießer

Turbain Carl d. Ä., Erzgießer. Geb. Wien, 6. 5. 1823; gest. ebd., 18. 4. 1886; röm.-kath. Sohn des Parapluie-Gestellmachers Joseph T. und von Theresia T., geb. Obholzer, Vater von Fritz T. (geb. Wien, 26. 11. 1854), der 1872 nach Absolv. seiner Stud. in den väterl. Betrieb eintrat, und Carl T. d. J. (geb. Wien, 1856); verheiratet mit Magdalena T., geb. Fischer. – T. arbeitete bereits früh bei seinem Vater, lernte ab 1838 bei →Joseph Glanz und bildete sich anschließend in der Hof-Erzgießerei als techn. Gehilfe weiter. 1854 Ziseleur, machte er sich 1860 selbstständig und fertigte in den ersten Jahren kleinere Arbeiten für die künstler. Ausschmückung von Häusern und Villen. In den Folgejahren gelang es ihm aber, mit seinem Betrieb eine so hohe techn. und künstler. Fertigkeit zu erreichen, dass er ab ca. 1868 auch Aufträge für Monumentalgüsse erhielt, so etwa für die Statue von →Kaspar Karl Reitenberger, 1878 (Marienbad, nach →Karl Kundmann), das Beethoven-Denkmal, 1880 (Wien, nach Caspar v. Zumbusch), die Statue →Wilhelm v. Tegetthoffs, 1884 (Marburg an der Drau), sowie die überlebensgroßen Figuren des Helios und der Pallas Athene auf den Kuppeln der beiden Wr. Hofmus. Daneben versuchte T. konsequent die Technik der Erzgießerei zu vervollkommnen, etwa indem er sich mit der Behandlung der Oberfläche beschäftigte, um sie vor der Zerstörung durch Patinierung zu schützen. Von seinen Arbeiten bes. hervorzuheben sind die acht in Bronze gegossenen Quadrigen auf dem Wr. Parlament nach Entwürfen von →Vinzenz Pilz (ab 1882). Für das von Zumbusch entworfene Maria-Theresien-Denkmal zwischen den beiden Hofmus. (1888) wurde er mit dem Guss der Figur der „Gerechtigkeit“ und der Statuen von Wenzel Anton Reichsfürst v. Kaunitz-Rietberg, Leopold Josef Gf. Daun, Ludwig Andreas Gf. Khevenhüller und Ernst Gideon Frh. v. Laudon beauftragt; nach seinem Tod stellten seine Söhne die Arbeit fertig. T. erhielt mehrere Ausz., so 1878 auf der Pariser Weltausst. die goldene Medaille und 1880 das goldene Verdienstkreuz mit der Krone. 1886 nahm er seine Söhne Fritz und Carl d. J. als öff. Ges. in seine Kunst- und Erzgießerei auf (Fa. Carl T. & Söhne), 1888 wurde Letzterer ebenfalls mit dem goldenen Verdienstkreuz mit der Krone ausgez.

L.: NFP, 19. (Abendbl.), 20. 4. 1886; Die Wr. Ringstraße 9/3, s. Reg.; Thieme–Becker; Allg. Kunstchronik 10, 1886, S. 359ff.; Patriot. Gedenkbl. zur Enthüllungsfeier des Kn. Maria-Theresien-Monumentes in Wien …, ed. E. Ullmayer, 1888; Pfarre Maria Treu, Wien.
(Ch. Gruber)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 9
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