Turek, Antonín (1861–1916), Architekt

Turek Antonín, Architekt. Geb. Prag, Böhmen (Praha, CZ), 8. 12. 1861; gest. ebd., 30. 9. 1916. Ab 1886 verheiratet mit Zofie T., geb. Bodlák. – Nach Absolv. der Realschule stud. T. 1880–86 an der tschech. TH Prag Architektur. Bereits während des Stud. wirkte er am Stadtbauamt in den Kgl. Weinbergen, ab 1899 als Oberstadting., dann als Baurat. In dieser Funktion entwarf er mehrere wichtige öff. Bauten, wovon die tschech. Volksschule (später Staatsrealschule, 1887–88, in Zusammenarbeit mit Josef Franzl), das tschech. Nationalhaus (1893–94) – ein dreiflügeliger Neorenaissancebau –, die Zentralmarkthalle (1901–03; eine der drei noch erhaltenen Markthallen Prags) und der Wasserturm (1891) bes. hervorzuheben sind. Weiters soll er das Kreisgerichtsgebäude, das Stadtbadehaus und einige Volks- und Bürgerschulgebäude projektiert haben. T. schuf um 1900 als Sieger zahlreicher Wettbewerbe nicht nur in Böhmen, sondern auch in Mähren öff. Bauten, z. B. das Rathaus in Český Brod (1896–98), das Bez.haus in Vysoké Mýto (1901), die Sparkasse in Jičín (1905–06, gem. mit Jan Heindl) sowie Schulgebäude: die Landesrealschule in Holešov (1900–02), die Volks- und Bürgerschule in Sadská (1901–02) und die Volksschule in Prostějov (1904–05). Zu seinen wichtigen Prager Projekten zählten die Rathäuser für Vršovice (1899–1900) und Nusle (1908–09), das Handels- und Gewerbekammerpalais (1903) und mehrere Prager Kauf-, Miets- und Wohnhäuser. Sein Œuvre gestaltete er vorherrschend im Neorenaissancestil, nach 1900 verwendete er auch Stilelemente der dt. Renaissance und des Eklektizismus. Bei seinen Sakralbauten herrschte die Neugotik vor, so etwa bei der Friedhofskapelle St. Wenzel (1898–99), den Hoch- und Seitenaltären und den zwei Betstühlen in der St. Ludmilla-Kirche (1903); das evang. Bethaus (1904–07) in den Kgl. Weinbergen wurde in einem reich verzierten gotisierenden, eklekt. Stil geplant. T.s letzter bekannter Bau – die 2. tschech. Realschule in den Weinbergen (1912–13) – wurde im Stil des modernen Klassizismus errichtet. T. war Mitgl. des tschech. Architekten- und Ing.-Ver. in Böhmen (Spolek architektů a inženýrů v Čechách).

Weitere W.: s. Enc. architektů.
L.: Otto; Toman; F. X. Harlas, Sochařství, stavitelství, 1911, S. 179, 183; Architektonický obzor 15, 1916, S. 91; Böhmen im 19. Jh., ed. F. Seibt, 1995, s. Reg.; Enc. architektů, stavitelů, zedníků a kameníků v Čechách, ed. P. Vlček, 2004 (m. W.).
(V. Laštovičková)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 10f.
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