Turski, Jan Kanty; Ps. Jan Kanty Rogala, Piotr Krakowianin (1833–1870), Schriftsteller, Redakteur und Lehrer

Turski Jan Kanty, Ps. Jan Kanty Rogala, Piotr Krakowianin, Schriftsteller, Redakteur und Lehrer. Geb. Krakau, Freie Stadt (Kraków, PL), 19. 10. 1833; gest. ebd., 7. 6. 1870; röm.-kath. Sohn eines hohen Krakauer Beamten; ab 1866 mit Lydia Filippi, der Tochter eines Künstlers, verheiratet. – T. besuchte das Gymn. in Krakau. Nach dem Tod des Vaters geriet die Familie in finanzielle Schwierigkeiten, weswegen T. in das Priesterseminar in Tarnów eintrat, das er jedoch nicht abschloss. Nach der Matura stud. er 1854–56 an der Univ. Krakau Jus und 1856–58 Phil. sowie Literatur. Sein erstes publ. Werk, die Verserz. „Artysta bez sławy“ (1858), entstand, als T. Kontakte zu literar. begabten Kommilitonen knüpfte. Er zeichnete sich weniger durch Originalität aus als durch die Schnelligkeit, mit der er seine Verse verf., sowie durch den Ausdruck tief empfundener Gefühle. Nach dem Stud. arbeitete er als stellv. Gymn.lehrer für poln. Sprache und Literatur in Neusandez. Da man ihn der Beteiligung an einer Verschwörung verdächtigte, wurde er verhaftet, woraufhin er seine Stelle als Lehrer verlor und i. d. F. nach Krakau zurückkehrte. 1860–62 unterstützte er →Kazimierz Józef v. Turowski bei der Red. der Frauenz. „Niewiasta“, für die er auch Texte verf. Er übers. ferner mehrere für Kinder bearb. Dramen ins Poln. (Friedrich v. Schillers „Die Räuber“, „Don Carlos“, „Die Jungfrau von Orleans“) und schrieb Artikel u. a. für die Ztg. „Dziennik Literacki“ und „Gwiazdka Cieszyńska“, in denen er für grundlegende polit. und soziale Reformen eintrat. 1865 übersiedelte er nach Warschau, wo er die Z. „Bazar“ herausgab und in Z. wie „Tygodnik Ilustrowany“, „Kłosy“, „Rodzina“ und „Przyjaciel dzieci“ publ. 1867 zog er nach Krakau, da er auf eine Anstellung als Gymn.prof. hoffte. Im darauffolgenden Jahr bekam er eine Lehrerstelle in Kolomea, kehrte jedoch schwer erkrankt 1869 nach Krakau zurück und wirkte in der Red. der polit. Z. „Kraj“. T. schrieb Prosatexte, Dramen und Ged. Seine Werke sind zum Tl. von hist. Persönlichkeiten und Ereignissen inspiriert und zeichnen sich durch Wehmut, Trauer und Sehnsucht aus. Die Romane haben meistens Krakau zum Schauplatz und vergegenwärtigen altertüml. Figuren und überkommene Lebensformen. T. erinnert in nostalg. Bildern an die alte Hauptstadt und kehrt den Gegensatz zur modernen geschäftigen und vom Beamtentum geprägten Großstadt hervor. In „Życie bez jutra“ (1864) schildert er Not leidende Menschen aus den unteren sozialen Schichten und stellt den Krakauer Aufstand von 1846, als die Stadt ihre republikan. Souveränität verlor, sowie jenen von 1848 dar. Im Roman „Dalecy krewni“ (1866) beschreibt er das Schicksal eines jungen Mannes, dessen ehrgeizige Verwandte ihn zwingen, in das Priesterseminar einzutreten; dieser verzichtet jedoch i. d. F. auf die Priesterlaufbahn. In mehreren publizist. Texten und im Roman „Ostatnia wola. Powieść z życia ludu górskiego“ (1868) beschreibt er die Hohe Tatra, die er bereits vor 1860 bereist hatte. Seine im Stil der Romantik verf. Ged. sind Ausdruck tiefer, leidenschaftl. Gefühle. T. preist die poet. Berufung und gestaltet Bilder aus der nationalen Vergangenheit, die er mit religiöser Symbolik bereichert („Poezye“, 1862). Er unterstreicht die Bedeutung der Vergangenheit vor der Gegenwart und stellt in seinen Ged. neben Schilderungen von Krakau die ländl.-volkstüml. Kultur dar.

Weitere W. (s. auch Bibliografia polska XIX. stólecia 4, 1878): Marcin Lelewel Borelowski, 1863; Wielkie początki, 1865; Astolf, król duchów alpejskich, 1865; A. Morawski, rzeźnik, konfederat. Historia prawdziwa, 1867.
L.: Wurzbach; Enc. powszechna 25, 1867; W. L. Anczyc, in: Tygodnik Ilustrowany, R. 2, Bd. 6, 1870, H. 146, S. 188f. (m. B.); J. Maciejewski, in: Przegląd Humanistyczny, 1961, H. 3, S. 109ff.; M. Barcik u. a., Corpus Studiosorum Universitatis Iagellonicae 1850/51–1917/18, 3, 2015, S. 183; Wielka Enc. Tatrzańska (online, Zugriff 24. 7. 2014).
(M. Ossowski)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 15f.
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