Ubell (Übell, Ubel, Übel), Anton Alois (1810–1877), Architekt und Baumeister

Ubell (Übell, Ubel, Übel) Anton Alois, Architekt und Baumeister. Geb. Opočno, Böhmen (CZ), 21. 10. 1810; gest. Wien, 25. 1. 1877; röm.-kath. Sohn des Amtsschreibers Anton U. und der Franziska U., geb. Huhn; ab 1849 mit Henriette Gerl verheiratet. – U. stud. am Polytechnikum in Prag und 1830–34 bei →Peter Nobile an der Wr. ABK Architektur, wobei er durch mehrere Preise (1832 Gundel-Preis sowie Rosenbaum-Preis, 1833 Hagenmüller-Preis und 1838 Hof-Preis) auf sich aufmerksam machte. 1833 hörte er zusätzl. Höhere Mathematik am polytechn. Inst. in Wien. Nach einigen Jahren Praktikum (so hielt er sich 1839–41 in Rom auf) erhielt er 1844 die Konzession als Stadtbaumeister (Mitgl. der Baumeisterinnung, zeitweise auch deren Vorstand) und konnte durch Einheirat in die renommierte Baumeisterdynastie Gerl 1849 seine Stellung festigen. I. d. F. errichtete er eine Reihe von Mietshäusern, deren elaborierte Dekoration bereits vom Übergang zu einem romant. Historismus geprägt ist (Mietshaus, 1846, Wien 3, Juchgasse 2). Insbes. das 1850 errichtete Gebäude der Baumeisterinnung in Wien 1 (Wolfengasse 4) gilt aufgrund seines neugot. Formenapparats als eines der frühesten Beispiele der Gotikrezeption auf dem Gebiet des Profanbaus. U. arbeitete auch an Großprojekten mit (Wr. Nordbahnhof, 1858–65) und beteiligte sich an bedeutenden Konkurrenzen (Wr. Hofoper, 1860). Allerdings ist sein Werk durch hist. Ereignisse bedingt äußerst dezimiert. U., der 1844 das Wr. Bürgerrecht erhielt, war ab 1852 Mitgl. des Österr. Ing.- und Architekten-Ver., Gründungsmitgl. des Albrecht Dürer-Ver. und 1861–70 Mitgl., 1863 sog. Gründer der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens (Künstlerhaus).

Weitere W.: s. Architektenlex.
L.: Thieme–Becker; Kunst und Kunsthandwerk 18, 1915, S. 44; A. Caravias, Wr. Baukunst 1848–58, techn. Diss. Wien, 1944; O. Wittenhofer, Die Fassade des Wr. Wohnhauses in der ersten Hälfte des 19. Jh., 1948, s. Reg.; R. Wagner-Rieger, Wiens Architektur im 19. Jh., 1970, s. Reg.; Wr. Fassaden des 19. Jh., 1976, s. Reg.; Die Kunstdenkmäler Wiens. Die Profanbauten des III., IV. und V. Bez., bearb. G. Hajos – E. Vancsa (= Österr. Kunsttopographie 44), 1980, s. Reg.; W. Aichelburg, 150 Jahre Künstlerhaus Wien 1861–2011 (nur online, Zugriff 13. 8. 2015); Architektenlex. Wien 1770–1945 (m. W., nur online, Zugriff 13. 8. 2015); ABK, TU, beide Wien.
(U. Prokop)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 35
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