Ubell, Hermann Eugen (1876–1947), Kunsthistoriker, Schriftsteller, Archäologe und Beamter

Ubell Hermann Eugen, Kunsthistoriker, Schriftsteller, Archäologe und Beamter. Geb. Graz (Stmk.), 3. 3. 1876; gest. Linz (OÖ), 13. 8. 1947. Sohn des Red. Carl U. und dessen Gattin Aloisia U., geb. Farkl. – U. besuchte die Gymn. in Böhm. Leipa, Prag-Neustadt, Villach und Graz, wo er 1893 die Matura ablegte. 1893–99 folgte ein Stud. der klass. Archäol., der neueren Kunstgeschichte und der klass. Philol. an der Univ. Graz als Schüler von →Josef Strzygowski d. J., →Max Theodor v. Karajan und →Wilhelm Gurlitt. Bei Letzterem verf. U. auch seine Diss. über die Todesdarstellung in der griech. Kunst, „Vier Kapitel vom Thanatos“ (1899, 1903 publ.). 1899–1902 arbeitete er als Bibliothekar an der Univ. Graz, nach der Prom. (1900) erhielt er ein staatl. Stipendium, das ihm einen längeren Stud.aufenthalt in Griechenland und Italien ermöglichte. Dieser fand in drei Büchern seinen Niederschlag: in den Monographien über die griech. Bildhauer „Praxiteles“ (1903) und „Phidias“ (1904) sowie einer literaturhist. Abh. über „Die griechische Tragödie“ (1905). Gleichzeitig entfaltete U. eine umfangreiche essayist. Tätigkeit, die zahlreiche Beitrr. zur zeitgenöss. Literatur in Berliner, Münchner und Wr. Z. belegen, trat auch selbst als Lyriker („Stundenreigen“, 1903) in Erscheinung und stand mit bedeutenden Künstlern in Briefwechsel (u. a. →Hermann Bahr, Christian Morgenstern, →Hugo Hofmann v. Hofmannsthal und →Anton Hanak). Als Nachfolger von →Andreas Reischek ab Anfang Oktober 1903 prov., ab 1905 def. Kustos am Mus. Francisco-Carolinum in Linz, wurde U. 1908 zum Dir. des Mus. ernannt und mit dem Übergang des Mus. an das Land OÖ 1920 in den Landesdienst übernommen. Seine Tätigkeit fand nun eine stärkere regionale Ausrichtung; neben der Mus.arbeit – hier gelangen ihm v. a. bedeutende Neuerwerbungen und zahlreiche qualitätsvolle Sonderausst. – und der wiss. Auseinandersetzung mit der Kunst- und Kulturgeschichte OÖ war U. als Kunstkritiker, vorwiegend der Linzer „Tages-Post“, tätig und begleitete damit das aktuelle Kunstgeschehen des Landes. 1933 veröff. er eine „Geschichte der kunst- und kulturhistorischen Sammlungen des oberösterreichischen Landesmuseums“ (Jb. des Oö. Musealver. 85), die erste und zugleich vollständigste Geschichte des Oö. Landesmus. 1936 HR, trat U. mit Juli 1937 i. d. R. und verbrachte seine letzten Lebensjahre zurückgezogen in Linz. Sein Nachlass befindet sich im Adalbert-Stifter-Haus des Landes OÖ.

Weitere W.: Zur Ikonographie der Florianslegende, in: Jb. des Mus. Francisco-Carolinum 62, 1904; Der Fund von Schwanenstadt, 1913; Die oö. Landesgalerie, in: OÖ, ed. F. Berger, 1926; Haec est Italia diis sacra (Ged., Ms.).
L.: Linzer Volksbl., 14., Oö. Nachrichten, 19. 8. 1947; Krackowizer-Berger; J. Schmidt, in: Oö. Kulturber. 28, 1947; ders., in: Jb. des Oö. Musealver. 93, 1948, S. 89ff.; F. Feichtinger, in: Oö. Heimatbll. 31, 1977, S. 183ff.; H. Ebner u. a., Literatur in Linz, 1991, s. Reg.
(B. Prokisch)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 35f.
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