Ueberfelder (Uiberfelder, Überfelder), Anton (1803–1860), Lexikograph, Geistlicher und Politiker

Ueberfelder (Uiberfelder, Überfelder) Anton, Lexikograph, Geistlicher und Politiker. Geb. Olsa (Friesach, Ktn.), 5. 6. 1803; gest. Tiffen (Steindorf am Ossiacher See, Ktn.), 5. 9. 1860. Sohn des Müllers Johannes Uiberfelder und seiner Frau Elisabeth. – U. schlug die geistl. Laufbahn ein und wurde 1828 zum Priester geweiht, anschließend wirkte er als Kaplan in Guttaring. Von dort wurde er 1832 als Provisor nach Kärntnerisch Laßnitz berufen und im Jahr darauf als Stadtkaplan an die Domkirche in Klagenfurt, wo er ab Oktober 1834 auch als Frühprediger in St. Egid und ab 1841 als Spätprediger im Dom wirkte. Im April 1844 bewarb sich der beliebte Kanzelredner um die landesfürstl. Pfarre Tiffen, im Juli desselben Jahres trat er dort seinen neuen Posten an. Nach Umsetzung des prov. Gmd.gesetzes von 1849 fungierte U. als erster Bgm. der Großgmd. Steindorf am Ossiacher See. Er übte dieses Amt bis zu seinem Tod aus. U. beschäftigte sich intensiv mit der Ktn. Mundart und erstellte zu dieser die umfangreichste Wortschatzsmlg. seiner Zeit, weshalb ihn 1859 auch →Matthias v. Lexer, der damals an der Berliner Univ. dt. und vergleichende Sprachwiss. stud. und ebenfalls an einem Idiotikon seiner Heimat arbeitete, besuchte. Im Vorwort seines „Kärntischen Wörterbuchs“ (1862) beschreibt Lexer seine Begegnung mit U., der ihm seine handschriftl. Aufzeichnungen zur Durchsicht überließ. Später veröff. U. seine Arbeit in Fortsetzungen in der Z. „Carinthia“ (50–52, 1860–62), 1862 wurde sie als „Kärntnerisches Idiotikon“ postum von →Simon Martin Mayer im Verlag von →Johann Barthlmä Leon als Monographie hrsg. (Neuausg. 2015). Der in seinem Wörterbuch enthaltene Wortschatz spiegelt hauptsächl. den Raum Friesach und das Krappfeld sowie die Gegend seines späteren Wirkens (Ossiacher See und Feldkirchen), also den Ktn. Zentralraum, wider. U. sprach neben Engl. auch Französ., ferner war er Mitgl. der Ktn. Ackerbauges. und des hist. Ver. in Klagenfurt. Seine Engl.-Kenntnisse machten sich insofern bemerkbar, als er – wie auch Lexer krit. bemerkte – sich bemühte, viele mundartl. Ausdrücke aus dem Engl. herzuleiten. Dennoch bietet U.s Idiotikon einen interessanten Einblick in den bäuerl. Wortschatz Ktn., wie er um die Mitte des 19. Jh. in Gebrauch war.

L.: Wurzbach; L. Wenger, in: Carinthia 50, 1860, S. 153f.; A. Kreuzer, Kärntner. Biograph. Skizzen. 19./20. Jh., 1996, S. 37ff.; H.-D. Pohl, in: A. Ü.s Kärntner. Idiotikon, ed. A. Goubran, 2015, S. 21ff.; Archiv der Diözese Gurk, Klagenfurt am Wörthersee, Ktn.
(H.-D. Pohl)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 46
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