Uher, Ödön (1859–1931), Photograph, Filmunternehmer und Filmregisseur

Uher Ödön, Photograph, Filmunternehmer und Filmregisseur. Geb. Hermannstadt, Siebenbürgen (Sibiu, RO), 15. 6. 1859; gest. Budapest (H), 19. 9. 1931. Vater des Gründers der U.-Werke München, Erfinders des photograph. Schriftsetzsystems U.type und Filmregisseurs Ödön (Edmund, Edmond) U. (geb. Budapest, 15. 3. oder 15. 6. 1892, oder Nagykanizsa, H, 30. 8. 1892; gest. Cap d’Antibes, F, 17. 3. 1989). – Über U.s Ausbildung ist kaum etwas bekannt. Um die Jh.wende besaß er bereits eines der modernsten Photoateliers in Budapest und zählte mit seinen künstler. anspruchsvollen Arbeiten zu den gefragtesten Photographen Ungarns. Neben zahlreichen Aufnahmen aus dem Theaterleben porträtierte er u. a. auch →Alexander Hegedüs, →Gustav Heinrich (1910), →Hugó v. Preisz sowie den Schriftsteller Ferenc (Franz) Molnár (1918). 1911–12 unternahm U. eine Stud.reise nach Dänemark und Dtld. und verbrachte längere Zeit in Berlin, um sich mit Technik und Methoden der Filmkunst vertraut zu machen. 1912 kehrte er nach Ungarn zurück, gründete die Filmfabrik U. Filmgyár und begann in seinem Atelier Filme zu drehen. Seine Erfolge als Filmunternehmer sowie der Aufschwung der Filmind. nach dem Ausbruch des 1. Weltkriegs boten ideale Voraussetzungen für die Verwirklichung weiterer Pläne: 1915 eröffnete U. ein neues Filmstudio sowie ein Labor, welche er bis 1919 betrieb. 1912–18 drehte die U.’sche Filmfabrik 24 eigene Produktionen, darunter die erste ung. Verfilmung eines Romans von →Mór v. Jókai („Mire megvénülünk“), die eine Welle von Jókai-Verfilmungen auslöste. Unter der Regie von Carl Wilhelm sowie Emil Justitz wurden 1917 allein bei U. fünf Werke des Romanciers für die Leinwand adaptiert. Als Wirkungsort herausragender Filmkünstler, z. B. des später in Dtld. erfolgreichen Kameramanns Arpad Viragh, spielte U.s Filmlabor – das u. a. für die Vervielfältigung zahlreicher Filme des Klausenburger Filmstudios von Jenő Janovics verantwortl. zeichnete – eine wichtige Rolle in der ung. Filmgeschichte. Des Weiteren dokumentierte das U.’sche Unternehmen in Zusammenarbeit mit „Kino Riport“ 1916 die Krönung von Kg. →Karl in Budapest, wobei das Filmlabor 120 Kopien des hist. wertvollen Materials erstellte. Hof-Photograph U. zählte zu den bedeutenden Persönlichkeiten der Stummfilmära in Ungarn, trat 1912 auch als Regisseur in Erscheinung („Nővérek“; „A gyémánt nyaklánc“) und ebnete den Weg für junge Filmkünstler wie Mihály Kertész (Michael Curtiz).

L.: M. Életr. Lex.; ÚMÉL; I. Nemeskürty, A mozgóképtől a filmművészetig, 1961, passim; Új filmlex. 2, 1973; G. Szilágyi, Magyar fotográfia története, 1996, passim; A. Lajta, in: Filmspirál 6, 2000, Nr. 24, S. 54ff.; ders., ebd. 7, 2001, Nr. 25, S. 28ff.; B. Magyar, A magyar némafilm története. Némafilmgyártás 1896–1931, 2003, passim; Magyar filmlex. 2, 2005.
(Á. Z. Bernád)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 57
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