Uhl, Leopold (Leo) (1875–1934), Volkssänger und Schauspieler

Uhl Leopold (Leo), Volkssänger und Schauspieler. Geb. Wien, 27. 11. 1875; gest. ebd., 25. 4. 1934 (ehrenhalber gewidmetes Grab: Wr. Zentralfriedhof). Großneffe von →Eduard Ritter v. Uhl. – U., dessen Liebe zum Gesang durch den frühen Besuch von Volkssängersoireen geweckt worden war, sammelte mit 14 Jahren erste musikal. Erfahrungen im Duettgesang mit seinem Cousin Ludwig Gruber, dem späteren Komponisten und Kapellmeister. Mit ihm hatte er seinen ersten öff. Auftritt im Lokal Heinbacher. U. sollte das väterl. Friseurgewerbe ergreifen, zog aber Auftritte mit der nachmaligen Opernsängerin Hermine Kittel in verschiedenen Volkssängerges. vor. Schließl. verließ er die Familie und schloss sich einer wandernden Schauspielertruppe an, in der er als jugendl. Held, erster Tenor, aber auch als Programmverkäufer und Kulissenschieber wirkte. Nach seiner Rückkehr trat er 1894 in der Ges. Mirzl Kühnel mit →Edmund Guschelbauer und Luise Montag (→Aloisia Plechacek) (in eigenen Worten „als Volkssängerlehrling“), 1896 in der Volkssängerges. Franz Schieferl auf. 1902 gründete er in Hernals gem. mit Gruber eine Sommer-Arena (I. Wr. Sing- und Spielensemble in Stalehners Garten), in der Singspiele aufgef. wurden, die jedoch durch einen Brand ein rasches Ende fand. 1904–09 war U. als Mitgl. der Budapester Orpheumges. Wienerliedsänger und Widerpart zu →Heinrich Eisenbach. Seine Glanzzeit hatte er während seiner zweijährigen Tätigkeit im Varieté Gartenbau mit →Martin Schenk; auch einzelne Schallplattenaufnahmen entstanden. 1912–19 leitete er Neufellners Etablissement Neues Orpheum am Lerchenfelder Gürtel, danach war er als Solist tätig, oft mit Gruber als Klavierbegleiter. Nach Umwandlung des Neuen Orpheums in ein Lichtspieltheater zog U. sich 1919 von der Bühne zurück und übernahm ein Gasthaus in Salmannsdorf (Wien 19), das als „Alt Wiener Platzerl“ zum Treffpunkt der Sängerfreunde und Wienerliedliebhaber wurde. 1924 feierte U. sein 30-jähriges Bühnenjubiläum. 1930 wirkte er in der Operette „Walzer aus Wien“ im Stadttheater unter Hubert Marischka mit (Singspiel von →Julius Bittner nach Johann Strauß Vater und Sohn, bearb. von Erich Wolfgang Korngold). Als Wienerliedsänger überzeugte U. durch seine pointierte Vortragskunst und die Darstellung von Wr. Volkstypen (insbes. „Wasserer“, „Mistbauer“). Seine größten Erfolge hatte er 1914 mit dem Erstvortrag des Lieds „Herrgott, wie schön bist du Wien!“ (Text: Hans Frankowski, Musik: Franz Allmeder) und mit dem Paradestück „A Landpartie mit’n Zeiserlwagen“ (Ludwig Gruber). Die zeitgenöss. Presse apostrophierte ihn als urwüchsigsten der Wr. Liedersänger der „guten alten Zeit“, als letzten Barden aus der Schule der alten Volkskunst und als Klassiker des Wr. Lieds.

L.: RP, 8. 4. 1924; NWT, 16. 11. 1929 (Abendausg.), 29. 4. 1932, 26. 4. 1934; Das Kleine Volksbl., 26. 3. 1930; NFP, 28. 4. 1934; Czeike; oeml; R. H. Dietrich’s Wr. Volkskunst-Almanach, 1926, S. 14, 22, 123 (m. B.); J. Koller, Das Wr. Volkssängertum in alter und neuer Zeit, 1931, s. Reg.; G. Wacks, Die Budapester Orpheumges., 2002, s. Reg.; Wien. Musikgeschichte 1, ed. E. Th. Fritz – H. Kretschmer, 2006, s. Reg.
(E. Weber)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 15 (Lfg. 67, 2016), S. 59
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